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Telepathy bringt Chat und Dateiaustausch in Desktop-Anwendungen
Telepathischer Desktop

Telepathy bringt Chat und Dateiaustausch in Desktop-Anwendungen

30.07.2010
Auf der Gnome-Konferenz Guadec hat Guillaume Desmottes von den Fortschritten in der Telepathy-Entwicklung berichtet. Zudem zeigte er, wie sich das Messaging-Framework für Chat, Video, Audio und Dateien in die kommende Gnome-Version 3.0 einfügen soll.

Zunächst berichtete der beim Dienstleister Collabora angestellten Entwickler von den Errungenschaften für Telepathy im vergangenen Jahr: Die Dateiübertragung funktioniert nun mit MSN- und Google-Accounts, die Kontaktliste lässt sich durchsuchen, und für MSN- und GMail-Konten gibt es eine Benachrichtigung über neue Nachrichten. Das Protokollieren haben die Entwickler nun vollständig in die neue Logger-Komponente ausgelagert. Mit Hilfe der XMPP-Protokollerweiterung Muji entstand ein Demo-Client für Videokonferenzen mit mehreren örtlich verteilten Gesprächspartnern.

Daneben hat sich das Telepathy-Team bemüht, Anwendungsentwicklern die Arbeit mit dem Framework zu erleichtern. Es entstanden GObject-Objekte wie beispielsweise TpContact, das Auskunft über alle Eigenschaften eines Adressbucheintrag gibt, von Alias und Avatar bis hin zum Aufenthaltsort und der Erreichbarkeit. In Arbeit ist außerdem ein ContactListAPI, das die gesamte Kontaktliste mit einem einzigen D-Bus-Aufruf verfügbar machen soll. Ebenfalls neu: Dank GObject-Introspection können auch Python-, Javascript- und Vala-Programmierer mit Telepathy arbeiten.

Dank der XMPP-Protokollerweiterung Muji enstand dieser Client für Videokonferenzen.

Im auf Telepathy beruhenden Chat-Client Empathy sind die einzelnen Komponenten nun stärker von einander getrennt. Neben dem eigenständigen Logger laufen nun auch ein eigener Audio- und Video-Client in getrennten Prozessen. Ein Codec-Problem mit dem Video lässt daher die Audio-Qualität berührt.

Anschließend beschäftigte sich Desmottes mit den Einsatzmöglichkeiten von Telepathy in der kommenden Version 3.0 des Gnome-Desktops. Gnome-Shell, das neue Kernstück der Desktopumgebung, zeigt dank Telepathy Chat-Nachrichten in seiner Notification Area an. Der Anwender kann in einem Formularfeld direkt unterhalb der Nachricht antworten. Hat er gleichzeitig Empathy geöffnet, bekommt das Chat-Programm synchron die Konversation mit.

Chat-Nachrichten tauchen im Nachrichtenfeld der Gnome-Shell auf (rechts unten). Antworten kann der Benutzer gleich in der Zeile darunter.

Geht es nach den Wünschen des Telepathy-Teams, sollen Kontakte als Objekte erster Ordnung im Gnome-Activities-Menü Platz finden. So ließe sich mit wenigen Mausklicks ein Chat oder Telefonat eröffnen oder eine Datei versenden. Chats landen außerdem im Gnome-Acticity-Journal, das auf dem Protokoll-Dienst Zeitgeist beruht. Mit Telepathy sollen Kommunikationspartner in Zukunft auch Ereignisse aus diesem Journal austauschen.

Mit wem habe ich gechattet? Telepathy befördert Konversationen ins Gnome-Activity-Journal..

Ein interessantes Projekt für den Desktop ist Xzibit vom Collabora-Entwickler Thomas Thurman. Es erlaubt den Kommunikationspartnern, Fenster mit einander zu teilen, was Desmottes als "VNC per Telepathy" bezeichnete. In solchen Fenster können die Teilnehmer gleichzeitig und gemeinsam mit Maus und Tastatur arbeiten. Die Demonstration des Prototypen während des Vortrags scheiterte allerdings. Thurman gab einer gewagten Programmieraktion in der vergangenen Nacht die Schuld. Als Benutzerschnittstelle ist ein Brief-Icon mit dem Text "Share My Window" in der Fensterleiste gedacht.

Zum Abschluss löste Guillaume Desmottes noch einige Versprechen vom Gran Canaria Desktop Summit im Sommer 2009 ein. Was damals nur ein Mockup war, führte er nun als funktionierende Prototypen vor: Telepathy sammelt alle URLs aus Konversationen und schickt sie an ein Menü im Webbrowser Epiphany. Außerdem können die Anwender ihre Browser-Bookmarks teilen. Daneben haben die Entwickler die Telepathy-Dateiübertragung in das Notiz-Programm Tomboy eingebaut. Der Anwender kann seine Notizen verschicken, indem er den virtuellen Zettel auf einen Eintrag in der Kontaktliste zieht.

Telepathy schickt die gesammelten URLs aus Chats an ein Menü im Webbrowser Epiphany.

Bis zur Release von Gnome 3.0 im März 2011 möchten die Entwickler zudem der Konferenz-Software auf Muji-Basis eine neue Oberfläche verpassen und einen neuen Logfile-Betrachter programmieren. Mehrere Kontaktlisten sollen sich verschmelzen lassen, zudem will das Team den IRC-Client um einige Funktionen erweitern. Daneben sind Gtk-Bibliotheken geplant, die allen Gnome-Entwicklern den Zugriff auf Telepathy-Features erleichtern und damit das Framework populärer machen sollen.

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