Software-Lizenzen

Sun und Apache streiten

Sun und Apache streiten

Britta Wülfing
16.03.2009 Die kürzlich erneuerten Java-Spezifikationsanforderungen, kurz JSR, zeigen, dass der Lizenzstreit zwischen der Apache Software Foundation und Sun Microsystems, dem Unternehmen hinter Java, auch nach sieben Jahren noch nicht beigelegt ist.

Die öffentliche Tabelle mit der Abstimmung zur so genannten Java Specification Review zeigt grüne Häkchen bei den Stimmberechtigten Google, Fujitsu, HP und vielen anderen - in der Spalte neben der Apache Software Foundation jedoch steht ein rotes Kreuz. Im Kommentar von Apache hierzu heißt es: "Leider muss Apache zu JSR-316 mit 'Nein' stimmen, weil wir der Meinung sind, dass der Herausgeber der Spezifikation - Sun Microsystems - nicht mit der JSPA übereinstimmt in hinsichtlich der Lizenzierung des Test Compatibility Kit (TCK). Wir glauben, dass es Mitgliedern der JCP (Java Community Process), die nicht mit dem Buchstaben und Geist der Leitregeln übereinstimmen, nicht erlaubt sein sollte, JSRs abzuhalten." Der Java Community Process ist ein organisatorisches Verfahren, mit dem beteiligte Entwickler und Organisationen über Weiterentwicklungen an der Programmiersprache Java abstimmen.

Für diese Misstimmung sorgt Harmony, ein Java-Projekt der Apache Software-Foundation. Zu diesem Thema hatte Apache im April 2007 einen offenen Brief an Sun geschrieben. Die Entwickler hatten sich darüber beschwert, dass die Testlizenz für Java unvereinbar mit den Prinzipien freier Software sei und zu restriktiv in der Anwendung. Die Apache-Java-Implementierung Harmony nutzt statt der General Public License (GPL) die Apache-Lizenz, und die Lizenz des Java Compatibility Kit (JCK) müsste dementsprechend angepasst werden. Die erste Beschwerde von Apache an Sun Microsystems über die Regelung datiert wesentlich weiter zurück: Bereits im Jahr 2002 gab es hier die erste öffentliche Auseinandersetzung.

Zumindest Teile der Java-Community scheinen genervt. Auf dem Entwicklerportal Javalobby fragt James Sugrue in seinem Blogeintrag nach dem Sinn des Streits und schließt mit der Frage: "Wo OpenJDK sowieso verfügbar ist, gibt es noch einen Platz für Harmony in der Community?" Andere Stimmberechtigte jedoch drängen auf Lösung des Problems. Red Hat beispielsweise ergänzt seine Ja-Stimme mit dem Kommentar: "Für die Zukunft erwarten wir von jeder übermittelten JSR (von Sun Microsystems oder auch nicht), dass der Leiter der Spezifikation klare Informationen zu diesem Aspekt gibt."

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