Studienarbeit zum Thema Freie Software und Open Source

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Ulrich Hansen
24.08.2006

Hallo,

Wer sich für geschichtliche Hintergründe und soziale Aspekte von Freier Software und Open Source interessiert: Meine Studienarbeit (PDF, 155 S., 2,3 MB, 1,0) "Zwischen Modelleisenbahn und Todesstern. Die Hacker-Ethik und die Entwicklung von Freier Software und Open Source" steht zum Download zur Verfügung unter: http://www.ulrich-hansen.de/hansen-opensource.pdf

Die Arbeit versucht eine Einordnung des Phänomens "Freie Software" in die Geschichte der Computerentwicklung und richtet den Fokus auf die sozialen Motive der Beteiligten.

Wichtig waren mir Verständlichkeit (auch für Fachfremde), Nachvollziehbarkeit der Argumentation und die Vermeidung von Einseitigkeit.

Viel Spaß beim Lesen - und über Feedback würde ich mich freuen.

Ulrich Hansen
http://www.ulrich-hansen.de

Kommentare
Re: Studienarbeit zum Thema Freie Software und Open Source
Max , Samstag, 02. September 2006 17:16:30
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Sehr lesenswert deine Arbeit, allerdings geht der Link zu dem kompletten Interview
mit Joseph Weizenbaum nicht mehr.
mms://wstreaming.zdf.de/zdf/zdf/050308_weizenbaum_h.wmv

Gibt's das Interview noch im Netz?


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Re: Studienarbeit zum Thema Freie Software und Open Source
Ulrich Hansen, Samstag, 02. September 2006 21:43:55
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Hallo Max!
Stimmt. Der Link hat sich verändert, ist jetzt:

mms://ms.mdcs.dtag.de/zdf/zdf/050308_weizenbaum_h.wmv

Am langfristig sichersten ist es, die Story aufzurufen, unter

http://www.heute.de/ZDFheut...halt/27/0,3672,2275067,00.html

und dann auf das Videosymbol rechts oben zu klicken.
Danke für den Hinweis!
Uli


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Re: Studienarbeit zum Thema Freie Software und Open Source
arebenti , Samstag, 26. August 2006 01:35:00
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Was mir daran gut gefällt ist die sehr breite Sammlung, aber für einen Journalisten hätte ich mir auch einen journalistischen reflexiven Blick gewünscht. Was meine ich damit? "Rezeptionsgeschichte" von Linux ist die Geschichte von journalistischen Narration, Community-Hermeneutik, einer Erklärungsfindung. Nicht alle diese kolportierten Ansätze sind gut, richtig oder durchdrungen. Nicht alles, was zusammengehört ist erwähnt. Nicht alles wird zutreffend erklärt. Das Medienphänomen Linux besteht aus "Geschichten".

Bei den "Legenden" blickt das ein Stück weit durch. Was du zum Beispiel auch bei den meisten Quellen findest, ist die kritiklose Übernahme des "Histörchens". Viele Leute waren zu diesen Zeiten ja noch gar nicht geboren, Computer zu der Zeit was für ein ganz paar Spezialisten in wenigen Rechenzentren. Wenn du die Geschichte des Computers und seiner Software dir von GNU-anhängern, Amigaleuten, Xbox-Fanatikern, Konrad Zuse, Apple-Freaks usw. erzählen lässt, kommst du immer wieder auf eine ganz andere Geschichte. Historische Bedingungen eignen sich nicht immer zur Erklärung.

Faszinierend finde ich die Wertgenese. Bestimmte IT-Communities entwickeln einen "code", den sie dann sehr wortgewaltig vertreten und schliessen andere "Systeme/codes" aus. Allerdings gibt es mehrere davon. Als Beispiel sei zum Beispiel das Usenet angeführt mit seinen Regeln. Heute ersetzen Onlineforen, Mailinglisten usw. die Funktion des Usenets aber gehorchen ganz anderen Regeln. Während also beispielsweise im Usenet das nicht unproblematische Ideal der richtigen Namens hochgehalten wird, sind heute Nicks vielfach der Regelfall und schützen die Privatsphäre.

Deine Erklärungsansätze für Motivation halte ich für grundfalsch, aber das liegt daran, dass du der gängigen Literatur folgst. Die Motivationsfrage beantwortet ein Scheinproblem, nämlich: Warum entsteht Software, die kostenfrei angeboten wird. Und da gibt es natürlich dann die Überlegegung der Reputation, andere sagen dass das Geld mit dem Support gemacht werde, andere sehen einen Altruismus am Werke, zuletzt der Spass an der Sache usw. Was einem einfällt, wenn man diesem Gedanken folgt, steht eigentlich schon vorher fest, und welche Geschichten du dazu erzählen kannst und erzählt werden. Und die Geschichten sind natürlich alle für sich genommen richtig. Das Phänomen erfassen können sie aber nicht, weil der Beobachter einem Phänomen ein Bewertungssystem aufzwingt, das an eben diesem Objekt seine Grenzen aufgezeigt bekommt und sodann die Abweichungen durch die genannten Beschreibungen wieder internalisiert werden. Das Bewertungssystem ist falsch, weil es das Objekt nicht erklärt.


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Re: Studienarbeit zum Thema Freie Software und Open Source
Ulrich Hansen, Sonntag, 27. August 2006 22:28:34
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Hallo Arebenti!

Danke für die Kritik! Allerdings würde mich sehr interessieren, was Du selbst als grundlegende Motivation ansiehst - da Du meine aus der wenigen bestehenden Literatur relativ vollständig zusammengetragenen Ergebnisse als grundfalsch ansiehst.

Zu den Geschichten: Da gebe ich Dir recht. Ich denke, was die Darstellung des Phänomens "Freie Software" bzw. Linux angeht, sind wir etwa soweit, wie es die Betrachtung der Automobilindustrie Anfang des letzten Jahrhunderts war: Es werden Geschichten großer Männer erzählt, Anekdoten und firmenspezifisches, es fehlen aber noch generelle Betrachtungen, etwa der Organisationsweisen, der gesellschaftlichen Wirkung und der Technikfolgen.

Das aufzulösen habe ich ein Stück weit versucht, etwa in dem dauernden Rückbezug auf grundlegende Überzeugungen ("Hacker-Ethik"), die auch Leitbildcharakter haben mögen. Oder durch eine Darstellung der Organisations- und Koordinationsweisen der Communities.

Ich gebe dabei gerne zu, dass das noch teilweise offen bleibt, mehr ist aber auch im Rahmen einer Studienarbeit (wichtigste Arbeit des Studiums nach der Diplomarbeit) am Institut für Journalistik Dortmund kaum zu leisten. Was von Dir gefordert wird, ist auch kein journalistischer Ansatz, das wären (reflexiv) etwa eine Betrachtung der Medienrezeption oder (vermittelnd) eine wissenschaftsjournalistische Arbeit. Sondern ein soziologischer Ansatz (Techniksoziologie, Organisationssoziologie) und da sehe ich in der Tat (auch für mich selbst, das war mein Nebenfach) noch Forschungsbedarf.

Eine Betrachtung der Medienrezeption hatte ich übrigens ziemlich weit vorangetrieben, das wurde aber viel zu umfangreich und blieb deshalb weitgehend ausgeklammert. Einige Ergebnisse mögen hier noch interessieren:

Zum Beispiel die Erfassung aller Artikel, die zwischen Anfang 1994 und Ende 2003 in FAZ, SZ und im dpa-Basisdienst mit Erwähnung von "Linux" oder "Open Source" (auch in Kombinationen und in allen Schreibweisen) bzw. "Stallman" erschienen sind:
94 95 96 97 98 99 00 01 02 03 dpa 0 0 0 1 4 24 65 46 44 104 FAZ 1 0 3 1 4 14 45 24 22 39 SZ 0 0 0 3 15 46 40 34 27 58
Der erste gefundene Zeitungsartikel war übrigens:

LINGNAU, Anselm: Frei geboren. Linux ist ein jedermann zugängliches Unix für PCs / Vorbildliche Unterstützung der Anwender. Frankfurter Allgemeine Zeitung (DEU), 11.01.94. S. T2 (Technik und Motor).

Es steckt also wirklich ein kluger Kopf dahinter... ;-) Eine vollständige Bibliographie der gefundenen Artikel in SZ und FAZ von Anfang 1994 bis Ende 2003 kann ich ja mal zum Download bereitstellen, falls sich noch jemand damit befassen möchte:

http://ulihansen.kicks-ass....ersity/linux-bibliographie.pdf
oder
http://ulihansen.kicks-ass....ersity/linux-bibliographie.odt

(Letzteres zur Beruhigung für die Open-Office-Fans).

Alles Gute!
Ulrich Hansen
http://www.ulrich-hansen.de




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Re: Studienarbeit zum Thema Freie Software und Open Source
Paul Puschmann, Donnerstag, 24. August 2006 17:03:46
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Ich finde das Dokument trotz der vielen Fußnoten (685) interessant und werde es mir daher alles mal genauer durchlesen.

Ich kann mir ehrlich gesagt kaum vorstellen, dass Word die 685 Fußzeilen schafft.

Paul


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Re: Studienarbeit zum Thema Freie Software und Open Source
Ulrich Hansen, Donnerstag, 24. August 2006 21:27:30
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Danke für das Interesse! Zu den Fußnoten: Sie dienen dem Leser als Beleg dafür, dass man keinen Quatsch erzählt.

Ich finde, gerade in Bezug auf GNU/Linux und Open Source haben sich viele Mythen etabliert: So heißt es sogar in wissenschaftlichen Texten, dass der Ursprung des GNU-Projekts in Stallmans Frustration über einen proprietären Druckertreiber begründet sei (Brügge u.a.: Open-Source-Software, S. 30). Anderswo heißt es, die Einführung von Unix am MIT sei schuld gewesen (Möller: Die heimliche Medienrevolution, S. 60); gemeint sein kann aber höchstens Twenex, und das war nicht unixartig. Etwas Recherche sorgt da für ein differenzierteres Bild, und muss in wissenschaftlichen Arbeiten dann auch belegt werden.

Außerdem finden sich in den Fußnoten auch weiterführende Hinweise und Erklärungen, die die Argumentation des Haupttextes ziemlich ausgefranst hätten, wie es in anderen Büchern zum Thema geschieht. Volker Grassmucks Buch "Freie Software" ist sicher eine prima Einführung in alle für das Thema relevanten Bereiche - seine schon fast enzyklopädische Spannbreite (von KDE über GEMA bis Kryptographie wird nichts ausgelassen) ist aber ein Problem für die Rezeption.

Soviel an Gründen für 685 Fußnoten... ;-)

Ulrich Hansen

Fußnote: Word hat die Fußnoten übrigens prima geschafft. Es ist ja auch kein schlechtes Programm (sofern man keine Grafiken frei positioniert und sowas).


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Ich kann mir die Frage leider nicht verkneifen...
perf , Donnerstag, 24. August 2006 16:44:06
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....: Ist diese Studienarbeit wirklich unter Microsoft Word 9.0 geschrieben worden? Unter den Dokumenteigenschaften wird es zumindest so angezeigt. Gerade eine Arbeit über Open Source und freie Software wäre doch eine hervorragende Gelegenheit zum Ausprobieren derselben. Openoffice ist eine tolle Alternative zu Word, LaTeX ebenso.
Schade eigentlich. Ansonsten ist die Arbeit ja ganz interessant.

Gruß,

perf


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Re: Ich kann mir die Frage leider nicht verkneifen...
Ulrich Hansen, Donnerstag, 24. August 2006 17:09:25
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(Seufz) Diese Frage hatte ich befürchtet. Die Antwort ist Ja. Ich hatte anfangs mit OO experimentiert, aber da musste ich zeitweise unterwegs auf meinen alten 486er Laptop ausweichen - Word 6.0 auf Win 95 läuft da klasse, OO überhaupt nicht, da funktioniert ja nicht einmal X (bzw. nur sehr langsam). Und später hätte die Nacharbeit bei der Formatierung jedes vernünftige Maß gesprengt.

Immerhin: Der alte 486er-Laptop dient inzwischen als Server für meine Webpräsenz (unterhalb der Einstiegsseite, habe mir die Einarbeitung in BIND noch für den nächsten Winter aufgehoben...), da läuft ein formidables Debian Woody drauf.

BTW: Karl May hat auf Klopapier geschrieben, ja? Und wir haben's doch ganz gern gelesen, oder?

Ulrich Hansen
http://www.ulrich-hansen.de


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