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Studie: Freie Software verursacht Umsatzverlust im Software-Markt

Britta Wülfing
18.04.2008

Die US-amerikanischen Marktforscher von The Standish Group sehen nach ihrer aktuellen Studie Open Source auf allen Gebieten auf der Gewinnerseite und sagen der freien Software einen weiteren Siegeszug voraus. Software-Unternehmen, so die Studie, verlieren dadurch Umsätze.

Unter dem Titel "Trends in Open Source" veröffentlicht das Institut die Ergebnisse einer Fünfjahresstudie. Umfassende Auswirkungen auf die Wirtschaft sieht Unternehmenspräsident Jim Johnson: "Open-Source-Software verursacht Chaos im Software-Markt," lässt er sich zitieren, und bewirbt den Bericht mit der Aussage: "Open Source sorgt für 60 Milliarden Umsatzverlust bei Software-Unternehmen." Auch wenn sich das Zitat negativ für die Entwicklerbranche auslegen lässt, kommt die Studie zu einem eindeutigen Ergebnis zugunsten freier Software: Die Open Source-Bewegung siegt auf ganzer Linie.

Untersucht wurden die Entwicklung von Open-Source-Produkten in Unternehmen und Regierungsorganisationen. Zugrunde lag eigenes Studienmaterial, zu einzelnen Themen wurden Anwender (Standish User Research Forum, SURF) befragt. Insgesamt sieht die Standish Group zehn entscheidende Antriebsmomente, warum IT-Entscheider sich für Open Source entscheiden: Auch IT-Verantwortliche folgen der Mode, und den Analysten zufolge liegt Open Source seit Jahren im Trend. Die Tendenz geht dabei vom Newcomer aus der "Geek"-Ecke hin zur etablierten Lösung. Einen weiteren starken Motor sehen sie in der weltweiten Community von Entwicklern und Unterstützern: "Würde man die Arbeitszeit hochrechnen, wäre wohl die Open Source Community die größte Software-Firma der Welt", so die Studie. Eine Folge davon ist hohe Entwicklungsgeschwindigkeit, die freie Software weiter vorantreibt.

Auch die hohe Qualifikation der Entwickler betrachten die Marktforscher als Treiber. Weitere Antriebsmotoren, die die Studie ausführlich beleuchtet, sind Sicherheit, Qualität und Zuverlässigkeit, Support, die Anfangskosten sowie die Betriebskosten. Auch wollen viele Händler auf der anhaltenden Erfolgswelle mitschwimmen und sorgen für weiteren Antrieb, die so genannte Händlermotivation. Obwohl das Grundprinzip der Freien Software die Welt der Händler zunächst auf den Kopf gestellt hat, so die Studie, suchten sich viele inzwischen passende Geschäftsmodelle. Zu den Kosten urteilen die Autoren: "Wenn IT-Verantwortliche die Budget-Verbesserungen einer Open-Source-Strategie wirklich begreifen würden, würde die große Mehrzahl der kommerziellen Software austrocknen und sterben."

Auch in anderen Details schneidet freie Software deutlich besser ab als der kommerzielle Wettbewerb. Beim Thema Sicherheit beispielsweise stellten die Marktforscher Red Hat Linux dem Microsoft Server gegenüber und fragten die Anwender nach ihrer Einschätzung bezüglich Sicherheit: 71 Prozent der Befragten hielten Microsoft für weniger sicher, 28 Prozent für etwa gleichrangig und nur ein Prozent glaubten an die Überlegenheit von Microsoft. Ähnlich sieht es bei anderen Produkten aus: Die quelloffene Datenbank MySQL gilt bei 79 Prozent der Befragten als ebenso sicher (52 Prozent) oder besser (29 Prozent) als die vergleichbare, proprietäre Datenbanksoftware Oracle DB2. Nur acht Prozent halten die kommerzielle Plattform Websphere für sicherer als die Open-Source-Plattform Jboss. Bei der Frage nach der "gefühlten" Qualität und Zuverlässigkeit schneidet freie Software ebenfalls gut ab: Während nur 12 Prozent der Anwender Microsoft für qualitativ besser halten als Red Hat, sind 88 Prozent der Meinung, das Linux-System wäre ebenbürtig oder sogar besser. Den Webserver Apache halten 84 Prozent der Befragten für gleichwertig oder besser als das Vergleichsprodukt IIS von Microsoft.

Im Schnitt sind für 66 Prozent der Befragten Open-Source-Produkte ebenso sicher wie kommerzielle. Dies führt die Analysten zu dem Schluss, dass es sich aus Sicherheitsaspekten nicht rechne, Lizenzgebühren zu zahlen. Das meiste Geld für Sicherheit geben Unternehmen nach Erkenntnissen der Standards Group allerdings für Mitarbeiterschulungen aus. Der Trend zu Open Source hat entsprechende Konsequenzen für die Personalpolitik: 44 Prozent der Befragten wollen bei der Neueinstellung von Mitarbeitern Personal mit Open-Source-Kenntnissen bevorzugen.

Als objektivierbares Ergebnis zitieren die Marktforscher aus hauseigenen monatlichen Auswertungen einer Langzeitstudie (CENT). Hiernach war das Linux-Betriebssystem von Red Hat an dritter Stelle betreffend verfügbarer Betriebszeit, hinter IBM Mainframes und HP-UX. Eine andere Aussage der Studie wurde kürzlich allerdings von einer anderen Studie widerlegt: Die Standish Group glaubt, dass die meisten der Open-Source-Entwickler und -Unterstützer ihre Arbeit kostenlos leisten. Laut einer aktuellen Untersuchung der Linux Foundation über die Entwicklung des Linux-Kernel ist dies ein Trugschluss: Die Stiftung hinter dem freien Betriebssystem kam zu dem Ergebnis, das mehr als 70 Prozent der Entwickler für ihre Arbeit bezahlt werden.

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Kommentare
Re: Studie: Freie Software verursacht Umsatzverlust im Software-Markt
Murphy , Samstag, 19. April 2008 22:33:39
Ein/Ausklappen

Software-Unternehmen, so die Studie, verlieren dadurch Umsätze. [...] "Open Source sorgt für 60 Milliarden Umsatzverlust bei Software-Unternehmen." Bei welchen?

"Bei bestimmten Gruppen in diesem Land hat sich die Vorstellung entwickelt, wenn ein Mann oder eine Firma für eine Reihe von Jahren Gewinn aus einem Geschäftsbetrieb gezogen habe, hätten die Regierung und die Gerichte die Pflicht, einen solchen Gewinn für die Zukunft zu garantieren, auch wenn sich die Umstände und das öffentliche Interesse ändern. [...] Weder Einzelpersonen noch Gesellschaften steht das Recht zu, vor Gericht zu gehen und zu verlangen, daß die Uhr der Geschichte zu ihrem privaten Nutzen angehalten oder zurückgestellt werde." (R. A. Heinlein, Kurzgeschichte "Lebenslinie/Life-Line").


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Re: Studie: Freie Software verursacht Umsatzverlust im Software-Markt
Benjamin Quest, Montag, 21. April 2008 21:43:19
Ein/Ausklappen

Der 2. Teil des Zitats klingt wie eine Urteilsbegründung im SCO Prozess ... ;-)
b.


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