Steinbock klettert ins Ziel: Ubuntu 8.10 ist da

Steinbock klettert ins Ziel: Ubuntu 8.10 ist da

Der “Unerschrockene Steinbock”, so der Codename von Ubuntu 8.10, erreicht heute ohneVerzögerungen die Bergspitze. Die neue Version der beliebten Linux-Distribution stellt keine Kletterrekorde auf. Sie bringt aber einige interessante Features mit, die Endanwendern und Profis das Leben erleichtern. Zudem haben die Entwickler einige Programme einer Frischzellenkur unterzogen.

Gnome-Updates und Grafik-Tuning

Zunächst gibt es eine neue Version von Gnome (2.24.1), deren Vorzüge wir an anderer Stellebeschrieben haben. Zu nennen wären etwa die neuen Funktionen des Dateimanagers Nautilus und Ekigas Versionssprung auf 3.0 (*). Mit Firefox 3.0.3 erhalten Internetanwender eine stabile Variante desfreien Browsers. Grafiker dürfen sich über Gimp 2.6.1 freuen, das mit neuen Featuresglänzt, wie etwa Support für RAW und High Dynamic Range. Der Medienplayer Totem ist auch wiederan Bord, er spielt nun zusätzlich die kostenlosen Inhalte der BBC ab.

*) Das war wohl ein Fehler in der Pressemitteilung des Ubuntu-Projekts, Ekiga 3.0 ist standardmäßig nicht dabei, sondern Version 2.0.12.

Open Office 3 in der Warteschleife

Etwas überraschend: Open Office 3.0 wollte der Steinbock nicht akzeptieren, er bringt eine alte aberstabile Version 2.4.1 der freien Office-Suite mit. Die Gründe sind laut Colin Watson technischer Natur:Zunächst verspätete sich das Release-Datum für Open Office 3 vom 2. September auf den 13. Oktober,nach dem Feature Freeze für Ubuntu 8.10, der die Aufnahme neuer Software nicht mehr erlaubt. Zudemgab es Schwierigkeiten beim Anpassen der Pakete und die Version 3.0 wäre ohnehin nur neben derVersion 2.4 installiert worden – quasi als erster Testlauf. Nun erscheint Open Office 3.0 wohl zusammen mit Ubuntu 9.04.

Der neue Desktop von Ubuntu 8.10 hält optisch keine großen Überraschungen bereit. Neu ist unter anderem die Möglichkeit, bootbare USB-Sticks mit Ubuntu zu generieren. Anwendern mit UMTS-Modems ermöglicht die neue Version des Network Managers ein einfacheres Arbeiten.

Für eine bessere Netzanbindung sorgt der Network-Manager in Version 0.7, der 3G-Technologien wieUMTS und Roaming unterstützt. Über das Drucker-Interface Jockey integriert Ubuntu nun Druckertreiberaus einer externen Quelle (Openprinting.org). Das hat verschiedene Vorteile: Zum einenfehlt insbesondere auf den Ubuntu-CDs der Platz für sämtliche Druckertreiber, zum anderen kommenständig neue Modelle auf den Markt, für die man auf diese Weise auch Treiber anbieten kann.

Verschlüsselte Verzeichnisse

Neu ist die Einführung eines passwortgeschützten Verzeichnisses “~/Private”, in das die Anwendersensible Dateien und Verzeichnisse verschieben. Beim Anmelden eines Benutzer hängt Ubuntu 8.10automatisch das Ecryptfs-Dateisystem in das Verzeichnis ein und wendet ein “chmod 700” an. PAM(Pluggable Authentication Module) nutzt das Passwort des Benutzers, um das verschlüsselteDateisystem zu mounten. Nutzer schieben sensible Verzeichnisse und Dateien dorthin undsetzen Symlinks auf die Originalplätze. Falls ein Angreifer den Rechner mit Hilfe einer LiveCDmountet, kann er zumindest nicht auf dieses Verzeichnis zugreifen.

Gastfreundschaft

Für Gäste haben sich die Ubuntu-Macher aber was anderes ausgedacht: Ein Guest Mode ermöglichtihnen, den Rechner vorübergehend zu nutzen. Nach dem Abmelden löscht Ubuntu automatisch die in derSitzung erzeugten Dateien und Daten. So bietet der Besitzer des Rechners seinen Gästen eineArbeitsumgebung an, ohne um seine Daten zu fürchten und der Besucher weiß, dass ihn der freundlicheGastwirt nicht ausspioniert. Um sich auch gegen externe Bedrohungen in Form von Viren, Trojanernund SPAM zu schützen, haben ClamAV und SpamAssassin nun den Weg in das Main-Repository von Ubuntugefunden. Wer die Distribution einmal von einem USB-Stick starten will, nutzt den entsprechenden Punkt im System-Menü. Mit Hilfe einer GUI schreibt man Ubuntu auf einen USB-Stick und nimmt das System in der Hosentasche mit.

Kernpunkte

Auch unter der Haube von Ubuntu 8.10 hat sich einiges getan: Zunächst steckt der Kernel 2.6.27 in der Distribution und der bringt deutlich mehr Treiber für Wireless-Karten und Webcams mit. DellsDKMS-Projekt (Dynamic Kernel Module Support) erleichtert die Aktualisierung von externen Kernel-Modulen, wenn es einneues Kernel-Release gibt. Das macht Sinn für einige Webcams, WLAN-Karten oder Mobilgeräte, für dieder Anwender ein eigenes Kernel-Modul vom Hersteller benötigt, weil es im Kernel keins gibt.

Virtuelle Maschinen bauen

Last but not least erleichtert X.org 7.4 den Umgang von Linux mit Eingabegeräten wie Mäusen undTastaturen, die es nun besser erkennt. Zudem gibt es eine Fallback-Lösung: Findet der X-Serverkeine benutzbare Konfiguration für die grafische Oberfläche, startet er einen einfachen X-Server,über den sich rudimentäre Aufgaben erledigen lassen, ohne selbst Hand an die “xorg.conf” zu legen.Der integrierte VM-Builder erlaubt es, das aktuelle System in eine virtuelle Maschine zuverwandeln. Das dürfte besonders Profis interessieren, die so im Vorfeld testen können, ob dasaktuelle System beim Update eventuell auf irgendwelche Probleme stößt.

Download

Welche Änderungen der Steinbock noch mitbringt, erfährt man über die Relase Notes zur Desktop-Edition. Wer die neue Version von Ubuntu testen will, aktualisiertseine Installation entweder über den Paketmanager oder wirft für Ubuntu und seine verschiedenenDerivate einen Blick auf folgende Links. Die enthalten ISO-Dateien, die man aufeine CD oder DVD brennen kann.
* Ubuntu
* Edubuntu
* Kubuntu

Momentan scheinen die Download-Seiten für Xubuntu, UbuntuStudio und Mythbuntu nicht erreichbar zu sein. Zum Download greift man ohnehin am besten auf die Bitorrent-Dateien zurück, da die Server vermutlich in kürzester Zeit überlastet sein werden. Ubuntu.com gibt zwar zahlreiche deutsche FTP-Server an, über die man die ISOs ebenfalls herunterladen kann, diese trudeln aber wohl erst im Laufe des Tages dort ein.

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