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Chris Up, Photocase.com
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Closed ist das neue Open

Software-Industrie biegt Standards um

EIF steht für European Interoperability Framework. Das regelt, wie öffentliche Verwaltungen, Bürger und Geschäfte in Europa auf Softwareebene miteinander kommunizieren. Nun hat eine Allianz aus proprietären Firmen den EIF-Entwurf geentert.

Ein früherer Entwurf aus dem Sommer 2008 klang noch recht viel versprechend. Damals lud die federführende IDABC - ein Projekt der EU-Kommission - die Öffentlichkeit in Form zahlreicher Gruppen und Privatpersonen ein, sich am Entwurf des EIF zu beteiligen. Es gab 54 Kommentare. Heraus kam ein Entwurfspapier, das sich die Offenheit und Interoperabilität von Software auf die Fahnen schrieb und dem auch die FSFE zustimmte.

Nun hat sich der Wind gedreht: Laut einer Analyse der FSFE (Free Software Foundation Europe) fand ein interner Entwurf der EIF seinen Weg an die Öffentlichkeit, der im Wesentlichen auf einem Text der Lobbyorganisation Business Software Alliance beruht. Zu deren Mitgliedern zählen große Firmen, die mit proprietärer Software Geld verdienen, wie etwa Microsoft, Apple, SAP, aber auch IBM, Adobe, Dell, HP, Intel und einige weitere.

Offenbar befürchtet die Industrie, die meist von Steuergeldern finanzierten Großaufträge der öffentlichen Verwaltungen zu verlieren und stemmt sich gegen die Forderung, Software zu öffnen. So gibt der neue Entwurf zu bedenken, dass Interoperabilität ja nicht nur durch Offenheit, sondern auch durch Homogenität erreicht werden. Im Klartext soll das heißen: Wenn alle dieselbe Closed-Source-Software nutzen, ist der Interoperabilität auch gedient. Faktisch spricht sich dieser Passus für Quasi-Monopole ein.

Ein weiteres Schlagwort ist das "Openness Continuum": Die Offenheit deckt demnach ein Spektrum von Software ab, die von sehr offen bis zu "nicht dokumentiert, proprietäre Spezifikationen, proprietäre Software" reicht. Auf der Webseite der FSFE gibt es weitere Beispiele für die merkwürdige Wandlung des EIF-Entwurfs.

Der Entwurf bietet bislang allerdings nur eine Diskussionsgrundlage. Wie das fertige Papier aussieht, ist noch unklar. Über dieses müssen die Mitgliedsstaaten der EU dann abstimmen. Während das deutsche Innenministerium laut OSOR-Bericht bisher nur vorsichtig Kritik an den Definitionen von Interoperabilität und Open Source in dem Papier übte, kritisierte ein Sprecher des niederländischen Handelsministeriums das Papier inoffiziell als "enormen Rückschritt", will aber das fertige Papier abwarten, bis es offiziell Stellung bezieht.

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Infos zum Autor

Kristian Kißling

Wenn Kristian Kißling nicht gerade für die LinuxCommunity schreibt, arbeitet er als Redakteur bei der Zeitschrift EasyLinux und als Chefredakteur für den Ubuntu User. Am liebsten beschäftigt er sich mit Multimedia- und Unterhaltungssoftware im weiteren Sinne und mit neuer Open-Source-Software, die überraschende Fähigkeiten zeigt.

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