Simply MEPIS 3.3, Testbericht

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Benjamin Quest
08.03.2005

So, nun also ein kleiner Testbericht zur neuen Simply MEPIS 3.3.

Eins vorweg, ich kann nur einen subjektiven Testbericht abgeben, weil ich a) nur ein normaler Anwender bin und b) nur meine bescheidene Hardware zum Testen habe. Nichtsdestotrotz kann ich mit MEPIS bei konstanter Hardware eine noch bessere Trefferquote vermelden. Diesmal mit an Bord: die alte Casio Kamera (endlich) und das SmartLink Soft Modem. From scratch. Aus dem Stand. Auch im Livebetrieb. Wie zuvor unterstützt: Externer LiteON DVD Brenner, IOMEGA 80 GB USB2.0 HDD, iRIVER Jukebox, ein betagter USB-Stick, HP Deskjet3650 Drucker (war ein Blindkauf, gebe keine Kaufempfehlung ab, der HP-Treiber (hpijs) ist nur für Text und normalen Farbdruck akzeptabel, für Fotodruck nicht.)

Neu: Die Grub Menüführung ist etwas ungewohnt, weil man zunächst nach den verschachtelten Optionsmenüpunkten sucht. Stattdessen ist es an dieser Stelle geboten sich mittels F1 über die Bootoptionen zu informieren, die man in die Zeile unter dem Auswahlmenü eintragen kann. F2 ändert die Sprache und Tastatureinstellung in GRUB und F3 stellt die Monitorauflösung ein. Dennoch fand ich die vorherige Menüführung intuitiver, die neue ist dafür jedoch um ein vielfaches variabler. Ich habe es beim ersten Mal nicht begriffen und landete mit einem US Keyboard in einer englischen Umgebung; da ich auch mit azerty Keyboards zurecht komme, ist ein qwerty kein Problem ;-) Es werden neben Englisch, Deutsch und Französisch viele weitere Sprachen unterstützt, man muß nur vor dem Hochfahren das richtige Kürzel am fertig bereitstehenden Bootprompt eingeben.
Neu ist ebenfalls die Kernelauswahl, es steht neben dem 2.6.10 Kernel auch ein aktueller 2.4.29er zur Verfügung. Leider merkt sich Grub nicht per savedefault den zuletzt gewählten Eintrag, das geht eigentlich besser.
Die Bootzeit der Live CD hat doch deutlich zugenommen, dafür ist die Hardwareerkennung auf meinem System diesmal fast komplett, die USB Maus muß einmal aus und wieder angestöpselt werden, dann funktioniert sie parallel zum Synaptics Touchpad. Bei einer HD Installation besteht dieses Problem nicht mehr.

Softwareauswahl und Versionen: Kernel 2.6.10 werkelt mit einer KDE 3.3.2 Oberfläche, ALSA tönt in Version 1.0.8 über XMMS 1.2.10, GIMP 2.2.3 MIT EXTRAS, Digikam 0.70, k3B 0.11.20 (mit sox, ogg, flac und mad plugins), cdrecord 2.1.1.a01, cdrdao 1.1.9, mkisofs 2.1.unoff.iconv, OOorg 1.1.3 debianisiert, Scribus 1.2.1 und Acrobat Reader 5.0.9. Es ist gut daß er dabei ist, denn er kann immer noch mehr als KGhostview, daß auch mit dabei ist. Liebe Leute bei Adobe, die Optik und Bedienfreundlichkeit der Linux-Version ist mittlerweile unter aller Sau: Mausrad? Kompatibilität zu den letzten eigenen Standards?? Wenn ihr das P (für portable) aus dem PDF nicht bald streichen wollt dann bringt bitte bitte mal wieder etwas Zeitgemäßes rüber. Aber vielleicht erlöst uns ja die KDE Version 3.4 ... QTparted 0.4.4 ist diesmal dafür zuständig die Partitionierung der Festplatte vorzunehmen, bevor man das Live-System installieren kann. Der Installationsprozeß ist nahezu gleich geblieben [1] und bei mir innerhalb von 25 Minuten abgeschlossen.

Optik: Insgesamt ist Mepis etwas hübscher geworden, der Stil ist sachlich, schlicht und vor allem deutlich homogener als bei den Vorgängerversionen ohne aber stylish zu sein. Plastik/BitstreamVeraSans und das aber jetzt einheitlich, obwohl sich die GTK-Programme nur geschickt "tarnen". Wenn ich böse wäre sagte ich "gepflegte Langeweile" zum Farbschema und dem verwendeten Stil, aber die Qualitäten der Distro sind andere, Euphemisten dürfen auch "vornehmes Understatement" dazu sagen. Aufgeräumt und sachlich trifft es wohl am besten und wie man einen KDE Desktop aufmotzt, weiß jeder selber am besten.

Innereien: OS Control Center: wie bereits zuvor berichtet [2] sind die vormals als Einzelteile vorhandenen Konfigurationstools nun unter einem Dach. Und sie sind vollständiger geworden: Installation der aktuellen NVIDIA und ATI Treiber ist nun möglich, jedoch sollte hier jeder wissen was er tut, eine Internetverbindung sollte bestehen und eine exakte Überprüfung der Videokarte findet nicht statt (bei mir war der Eintrag für nvidia ausgegraut aber der ATI fglrx Treiber wird nicht mit der M7 Mobillity zusammenabreiten). Also erst denken, dann klicken und eine Sicherung der XFree86-4conf ist sowieso immer eine gute Idee. Wenn man denn Änderungen an ihr vorgenommen hat, sonst läßt sie sich auch mit der Live CD wiederherstellen. Beim X-Server ist die Zeit noch etwas stehengeblieben, hier verharrt MEPIS standhaft auf der Version 4.3.0. Tuxracern konnte ich mit der Radeon M7 Mobility (modul radeon) dennoch ruckelfrei und irgendwas muß unter der Haube noch passiert sein, denn erstmals laufen auch die OpenGL Bildschirmschoner mit meinem Grafikchip flüssig. Schön!
Unter User Tweaks kann man jetzt eine Reihe weiterer Verlaufsspeicher mit Mausklick aufräumen (bash, konqueror, Firefox, Dokumente) sowie die Gruppenzugehörigkeiten auf den Standard zurücksetzen.
Wechseldatenträger erscheinen nach Einstecken als Symbole auf dem Desktop und diesmal werden sogar aussagekräftige Mountpunkte vergeben und es klappt auch mit mehreren Geräten (die Vorgängerversion hatte hier doch noch Probleme). Ein zwei Verschlucker hatte ich aber immer noch. ACPI geht bei mir nicht, aber das muß ich wohl Acer in die Schuhe schieben, das hat noch keine Linuxversion geschafft.

Paktverwaltung: Kpackage ist immer noch da und Synaptics ist jetzt auch da. Zusammen mit dselect ist das Team dann komplett. APT, was willst Du mehr? Das Pinning zielt zwischen testing und unstable, in den Paketquellen ist auch ein eigenes mepis Repository zu finden.

Netzwerk: Gutes ist besser geworden. Die Netzwerkkonfiguration im SOS-Center ist komplett mit Einstellungsmöglichkeiten für eth0 eth1 wlan0 ath0 und wireless. Besitzer zweier Netzwerkkarten dürfen aber raten welche eth0 ist und welche eth1 ;-) ISDN, ADSL, KPPP, Smb4K, KwiFi, Skype, Firefox, Kontact, gFTP, Gaim, Kmail, Kget, Azureus und Akregator. Guarddog, Clamav und Spamassasin sind bereits vorkonfiguriert.

Multimedia: xmms, xine, Realplayer und das mplayer Plugin verwöhnen Ohren und Augen, auch wenn es für die xine Engine wiklich bessere Frontends gibt. Um mp3, mpeg, quicktime und avi muß man sich wie in der Vorgängerversion nicht kümmern, fast alle Formate bis auf das deCSS von DVDs werden unterstützt (wma habe ich nicht ausprobieren können und wmv ging nicht), auch die Browserplugins sind bereits eingerichtet. Ansonsten Audacity, kid3, Kaudiocreator, xawtv und Kino sind auch mit von der Partie.

Meckerei: normalize(-audio) fehlt, und auch wenn xmms immer noch die meisten Plugins hat, es wirkt doch etwas in die Tage gekommen. Die Soundapplikation der KDE-Stunde ist eigentlich Amarok. gtkPod beglückt unter anderem die iPodianer, nur die OGG-Fetischisten geben dem Programm besser ein fettgedrucktes apt-get delete und holen sich entweder amarok oder aber madman als Musikalienverwaltung ins Haus, gtkPod ignoriert meine ogg-Sammlung geflissentlich. Individualisiert man sein KDE, ist die optische Einheit etwas dahin, unnötig eigentlich, wo es doch gtk2-engines-gtk-qt gibt. Was ich schmerzlich vermisse ist Inkscape. Auch sind die Anfasser der Miniprogramme im Kicker versteckt, ein für Einsteiger unnötiges Hindernis. Wenn man den KWetter Knopf nicht haben will, dann bleibt nichts anderes als Kickerkonfiguration, letztes Tab, Button "erweitert" und dann die Anfasser einblenden, dann rechte Maustaste auf die Anfasser ... Kann mir mal jemand sagen, ob ein KDE Neuling das innerhalb einer Woche findet? Soundqualität ist per Default immer noch auf niedrig eingestellt immerhin ist Vollduplex gleich aktiviert. Und über Sicherheitsupdates muß sich der Anwender selber Gedanken machen, es ist nichts implementiert, um das System mit Informationen über Sicherheitspatche zu versorgen. Noch so kleinere Kratzer: die xauthority ist nicht benutzerfreundlich gesetzt, so erscheint nach dem Aurfruf einer root Konsole im Userspace das altbekannte Xlib: connection to ":0.0" refused by server. Das muß eigentlich auch nicht sein.

Geschmackssache: Kuickshow ist als einziger Bildbetrachter übriggeblieben, QGwenview fand ich persönlich besser. Einige Pakete sind der erweiterten Kernelauswahl zum Opfer gefallen. Zum Beispiel DVD Authoring Software und Inkscape, Planner und Gnucash. Dafür ist ein Checkbook Tracker dabei, den in Deutschland so ziemlich niemand braucht und der sich mit Synaptic auch einfach nicht deinstallieren läßt. Es hat insgesamt den Anschein, als wurde die Softwareauswahl nocheinmal reduziert, es steht für jede Aufgabe genau ein Programm zur Verfügung und die Auswahl ist sehr konservativ gehalten. Aber das kann man per Synaptic ja ändern.

Fazit: Trotz der kleineren Macken, MEPIS ist immer noch sehr erstaunlich. Mit wie wenig Aufwand das System einfach dasteht ist wirklich verblüffend. Gelegentlich immer noch etwas unschick, aber stabil wie ein Backstein. Voll vorkonfiguriertes sorglos Debiansystem mit guter Performance. Zu Recht bei Distrowatch in kürzester Zeit (wie Ubuntu) nach oben geklettert. Kann man vorbehaltlos Einsteigern empfehlen. Kommt jetzt die Zeit der reinen Anwender-Distributionen?

Hier noch die Links zur Homepage [3], ein rattenschneller Downloadlink [4] und das deutsche User Forum [5].

Benjamin

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