Keine neuen Funktionen für Thunderbird

Thunderbird
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Schleichendes Sterben eines E-Mail-Clients?

Tim Schürmann
07.07.2012 Die Mozilla Foundation ändert das Entwicklungsmodell ihres beliebten E-Mail-Programms Thunderbird. Eine letzte Version soll im November erscheinen, danach wird es von der Stiftung selbst nur noch Sicherheitsupdates geben. Neue Funktionen sollen zukünftig freiwillige Helfer beisteuern.

Für diese recht drastische Maßnahme nennt Mitchell Baker, die Vorsitzende der Mozilla-Stiftung, gleich mehrere Gründe in ihrem Blog. So seien die Thunderbird-Anwender mit dem bisherigen Funktionsumfang zufrieden, die Funktionen in Thunderbird somit ausreichend. Zudem hätte Mozilla es nicht geschafft, mit ihrem E-Mail-Client neue, innovative Impulse bei der Internetkommunikation zu setzen. Baker bemängelt auch das fehlen einer wachsenden, aktiveren Mitarbeiter-Basis, einzige Ausnahme wären die engagierten Übersetzerteams. Abschließend würden heutzutage auch immer häufiger Webmail-Dienste genutzt. Das Thunderbird-Team sei daher der Meinung, dass für ihr E-Mail-Programm nur noch die Stabilität im Vordergrund stehen würde.

Als Konsequenz schlägt die Mozilla Foundation ein neues Entwicklungsmodell vor. Demnach liefert Mozilla selbst nur noch Sicherheitsaktualisierungen und Fehlerkorrekturen. Neue Funktionen sollen Freiwillige aus der Nutzergemeinschaft beisteuern können. Die Mozilla Foundation finanziert weiterhin ein kleines Entwicklerteam und stellt die nötige Infrastruktur.

Im November erscheint noch eine letzte neue Thunderbird-Version mit Langzeitunterstützung (Extended Support Release, ESR). Danach gibt es dann alle sechs Wochen Sicherheitsupdates, zumindest für ein Jahr. Diese Aktualisierungen gelten dann auch für das normale Thunderbird. Wie es anschließend weitergeht, steht noch nicht fest.

Nach Angaben der Mozilla Foundation hat Thunderbird weltweit um die 20 Millionen Nutzer.

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Kommentare
falscher Weg
Udo (unangemeldet), Dienstag, 10. Juli 2012 13:39:31
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Ich kenne viele Leute die Thunderbird nutzen und auch weiter nutzen wollen.
Die Entscheidung halte ich für falsch.
Es gibt sehr viele Leute die ihre Mails nicht nur im Web abrufen/ablegen möchten.
Auch wenn es siche viele IT-Fans nicht vorstellen können, aber es gibt wahrscheinlich mehr Menschen, die nicht ständig online sind und sein wollen. Die nicht alles in einem Webbrowser machen möchten. Die nicht ihre emails von überall auf der Welt und per Smartphone anschauen. Für viele Leute ohne Breitbandanbindung (auch die gibt es noch mehr als sich viele vorstellen) und Anfänger, die sich im Web nicht sicher fühlen ist ein eMail-Client ein riesen Vorteil. Auch in Bezug auf die Sicherheit. So werden wohl die meisten Firmen / Behörden auch in Zukunft ihre eMails nicht im Web ablegen.
Alles (potenzielle) Nutzer von Thunderbird.
Warum lässt man nun seine Nutzer im Regen stehen.
Wäre nicht eine Umfrage / Diskussion dazu vorab angebracht.
Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es nur 20 Mio. Nutzer sind.



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Der Schritt ist nur konsequent und überfällig
Felix B. (unangemeldet), Montag, 09. Juli 2012 18:52:47
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Wirkliche Neuerungen gab es zuletzt in Thunderbird 2.0; im Anschluss folgten höchstens noch kleine, oftmals unnötige Änderungen wie Gruppierte Ordner, Tabs, etc. Zwar hat Mozilla scheinbar versucht, Thunderbird mit der Umstellung aufs aktuelle Release-Modell zu retten, aber auch dort beschränkten sich die Neuerungen meist auf bessere HTML5-Unterstützung, was nun niemand bei einem Mail-Client braucht.

Mozilla verweist auf Webmail-Dienste, die Thunderbird den Rang ablaufen; übersieht dabei aber, dass Webmail - insbesondere GMail - deshalb so beliebt ist, weil dies eben nicht wie Thunderbird auf dem Stand von 2003 stehengeblieben ist. Eine moderne GUI, die eine effiziente Mail-Verwaltung über Labels statt Ordner ermöglicht, ist auch bei Desktop-Clients möglich - Opera Mail beweist es ja.

Man möchte die Community stärker einbinden - wie soll das funktionieren, wenn man bereits bei der Erarbeitung eines neuen Release-Modells eben diese Community ausschließt und dann das Ergebnis eigentlich noch vorerst vor derselben Community geheim halten wollte?

Man kann nur hoffen, dass Thunderbird nicht wie Seamonkey endet. Im Idealfall findet sich ein neues Team, welches das Projekt forkt, neues Leben einhaucht und von diesem ganzen XUL-Ballast befreit.



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Schade
refw (unangemeldet), Samstag, 07. Juli 2012 20:20:47
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Wenigstens hat man mit Ubuntu mit 04/2017 ruhe.


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