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Kritik an Bozen

Rügen für Einkauf von Microsoft-Lizenzen

02.07.2010
Die Linux User Group der Provinz Bozen (LUGBZ) richtet sich in einem offenen Brief an ihre Landesverwaltung, die kürzlich eine freihändigen Einkauf von Microsoft-Lizenzen beschlossen hat.

In der autonomen Provinz Bozen (Region Südtirol) stehen Erneuerungen der Server-, Kommunikations- und Kollaborations-Software an, bei der sich die Landesverwaltung Bozen am 25. Mai für diverse Microsoft-Produkte wie Sharepoint und Office entschieden hat. In einem offenen Brief vom 24. Juni richtet sich die Linux User Group Bozen an den Landesrat Roberto Bizzo und den zuständigen Abteilungsdirektor Kurt Ferdinand Pöhl. Die Free Software Foundation Europe (FSFE) hat sich jetzt in einem eigenen offenen Brief der Aktion angeschlossen.

In ihrem dreiseitigen offenen Brief weist die LUG Bozen "mit Bedauern darauf hin, dass die kurzfristige Planung der Aktualisierung die Machbarkeit einer Migration mindestens eines Teils der Infrastruktur der Landesverwaltung zu einer alternativen Plattform verhindert hat." Weiter weist die LUG zum Beispiel auf die Gefahren des Vendor-Lock-in hin. Sie bittet unter anderem um Klärung, was aus der Aktion E-Südtirol aus dem Jahr 2004 geworden sei, in dem die Landesregierung Ausrichtung auf offene Standards und freie Datenformate sowie verstärkten Einsatz von Free Software Programmen beschlossen hatte. Der Brief schließt: "Wir hoffen mit einer baldigen Antwort seitens der Landesverwaltung rechnen zu dürfen und stehen für eventuelle Unklarheiten zu den erläuterten Themen (die ja leider nicht ganz einfach sind) gerne zur Verfügung."

Die FSFE schließt sich in ihrem eigenen offenen Brief dem Appell an und weist in Übereinstimmung mit der LUG Bozen auch auf die wirtschaftspolitische Bedeutung hin, lokale Anbieter zu stärken. Denn, so die FSFE: "Ihre Provinz hat sich in den vergangenen Jahren erfolgreich als ein Zentrum Freier Software profiliert."

Dem offenen Brief der LUG ist der Beschluss Nr. 882 vom 25. Mai 2010 beigefügt. Aus dem Dokument geht hervor, dass die Landesverwaltung intensive Gespräche mit Microsoft geführt hat, nach denen das Unternehmen dem Kunden schließlich in einem Angebot vom 17. Mai individuell rabattierte Preise einräumt. Diese Preise gelten aber nur bis zum 28. Mai. Die Landesverwaltung stellt in dem Dokument fest, dass sie zu einer so genannten freihändigen Vergabe berechtigt sei, und beschließt, das Angebot von Microsoft anzunehmen. Eine Alternative sei wegen Mangel an Ressourcen für eine entsprechende Planung nicht möglich gewesen: Die Landesverwaltung habe "[f]estgestellt, dass es keine Alternative zur nunmehr notwendig gewordenen Weiterentwicklung unseres IT-Systems gibt, da jeder Wechsel des Serverbetriebssystems der wichtigsten und kritischsten zentralen Server der Landesverwaltung in der aktuellen Situation nicht verantwortbar wäre, da sowohl die dazu nötigen Ressourcen als auch das hierfür nötige interne Know-How fehlt, einen solchen Schritt ohne unvertretbare Risiken zu beschreiten".

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Kommentare
wie fast überall...
ckpinguin (unangemeldet), Samstag, 03. Juli 2010 02:45:28
Ein/Ausklappen

Das "nötige KnowHow" ist leider praktisch nirgends mehr anzutreffen, immer häufiger hat man es mit ich-klick-mich-durch-pseudo-admins zu tun, die neben dem Reboot nur den Anruf/Ticket beim Hersteller als Lösungsansatz kennen. Für die meisten ist es schon lange zu spät, noch zu wechseln, die sind schon "eingelockt". Es gibt einfach zuwenige fähige Linux/Unix-Administratoren, während der Servermarkt immer noch wächst, also wächst auch Microsoft mit den Klick-mich Lösungen in diesen Markt hinein...


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