Reiser4: Die Auseinandersetzung geht weiter

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Mathias Huber
31.07.2006

Rund zwei Jahre nach seiner Veröffentlichung hat das Dateisystem Reiser4 trotz langer Diskussionen keine Aufnahme in den offiziellen Linux-Kernel gefunden. Die Hintergründe aus Sicht der Kernel-Entwickler beschreibt eine quasi-offizielle Seite auf Kernel-Newbies.org. Nun hat Hans Reiser, der das Journaling-Dateisystem mit seiner Firma Namesys entwickelt, auf der Kernel-Mailingliste Kritik an dieser Darstellung geübt und die Auseinandersetzung um Reiser4 neu entfacht.

Vor der Aufnahme eines neuen Features in den Kernel steht die Begutachtung (Review) des Codes durch andere Kernel-Entwickler. Reiser kritisiert in seinem jüngsten Schreiben, die Reiser4-Patches würden wegen ihres Umfangs nicht bearbeitet: "... jeder Patch, der sich in 15 Minuten lesen lässt, wird sofort begutachtet. Ein Patch, in dem 5 Jahre Arbeit stecken benötigt eine Woche zum Lesen und bleibt daher außen vor." Tatsächlich fordert Linus Torvalds seit langem die Entwickler auf, einzelne kleine Patches einzureichen, die eine klar umrissene Änderung in den Kernel einbringen.

Hans Reiser dagegen betont, die komplexen Algorithmen von Reiser4 seien in einem großen, zusammenhängenden Code-Stück wesentlich besser zu verstehen. Zudem sei der Quelltext gut kommentiert. Daneben beklagt er, dem Reiser-Team würden hohe Hürden auferlegt, während der Ext3-Nachfolger mit dem Arbeitstitel Ext4 bereits jetzt gute Aussichten auf eine Aufnahme habe, da das Dateisystem von Kernel-Insidern komme.

Jeff Garzik, Maintainer einiger Kernel-Bestandteile erwiderte, die Ext4 Entwicklung halte sich an die übliche Vorgehensweise im Kernel, Neuerungen in kleinen Schritten zu vollziehen. Das Reiser-Dateisystem dagegen sei als komplett fertiggestelltes Projekt an den Linux-Kernel herangetragen worden. Garzik warf Reiser zudem mangelnden Respekt gegenüber den Kernel-Entwicklern vor -- bei einem ersten Review des Reiser4-Codes war es zu wüsten Flamewars auf der Kernel-Mailingliste gekommen.

Abgesehen von persönlichen Verstimmungen steht die Lösung einiger technischer Fragen aus, bevor sich die Aufnahme von Reiser4 in den Kernel entscheidet. Dazu gehört, dass das Dateisystem Plugins verwendet, die einige Kernel-Entwickler lieber im VFS-Subsystem ansiedeln möchten. Ein weiteres Problem ist ein Bug in der derzeit im Kernel enthaltenen stabilen Version 3 des Reiser-Dateisystems, der bisher noch nicht behoben wurde. Hans Reiser wird sich nach eigenen Angaben um Abhilfe bemühen.

In der Zwischenzeit treibt Namesys die Entwicklung außerhalb des Kernels voran und bereitet Version 4.1 vor. Laut Reisers Ankündigung wird sie ein Komprimierungs-Plugin mitbringen, das den Platzbedarf halbieren und die Geschwindigkeit verdoppeln soll.

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