Re:publica08: Keynote zum Thema "Nützliches Vergessen"

Re:publica08: Keynote zum Thema "Nützliches Vergessen"

Kristian Kißling
02.04.2008

Mit einem Vortrag zum Thema "Nützliches Vergessen" begann in der Berliner Kalkscheune heute morgen das Bloggertreffen Re:publica 2008. Viktor Mayer-Schönberger, Harvard-Professor für Public Policy, sprach in seiner Keynote über das Thema Erinnern und Vergessen in Zeiten von Internet und Datenbanken.

Stand - laut Mayer-Schönfelder - bei den Menschen früher der Kampf gegen das Vergessen im Vordergrund,geht es heute seiner Meinung nach aufgrund der immensen Datenspeicherungen im Internet vor allem darum, peinliche und kompromittierende Erinnerungen loszuwerden.

Der Professor unterstrich seine These, indem er anhand der Lehrerin Stacy Snyder und des Psychotherapeuten Andrew Feldmar zeigte, wie die Konservierung und ständige Präsenz der Vergangenheit in Form von schnell verfügbaren Informationen, Menschen unter Umständen zum Verhängnis wird. Snyder durfte aufgrund eines harmlosen Internet-Fotos, das sie als betrunkene Piratin zeigte, nicht als Lehrerin arbeiten. Der Kanadier Andrew Feldmar erhielt ein lebenslanges Einreiseverbot in die USA, weil er einen Artikel über seine Erfahrungen mit LSD in einem wissenschaftlichen Journal veröffentlicht hatte. Diesen Artikel fand ein Grenzbeamter über eine schnelle Google-Suche und verweigerte Feldmar die Einreise in die USA.

Mayer-Schönberger wies dann auf die Schwächen der verschiedenen Modelle hin, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben, um den Schutz der Daten -- oder den Datenschutz -- zu gewährleisten. Diesen gesetzlichen Reglungen warf er vor, so gut wie keinen realen Effekt auf den Datenschutz zu haben. Es gäbe aber andere Lösungen, mit dem Datenschutz umzugehen. Während aber die Enthaltsamkeit Individuen laut Mayer-Schönberger dazu zwänge, auf bestimmte Möglichkeiten der Kommunikation zu verzichten, führe die von Lawrence Lessig vorgeschlagene Lösung der Eigentumsrechte an Daten zu „einer perfekten technischen Überwachung des Einzelnen zum Schutz der Privatsphäre“.

Seine präferierte Lösung sieht eine Art Verfallsdatum für Daten vor: Das würde es zum Beispiel ermöglichen, Suchanfragen von Google mit einem Verfallsdatum zu versehen. In der anschließenden Diskussion räumte Mayer-Schönfelder allerdings auch ein, dass es von den Menschen einen zusätzlichen Aufwand erfordere, jedes Mal auch den Verfall der Daten zu bedenken. Man müsse den Menschen aber zumindest die Wahl lassen, schloss er seinen Vortrag.

Kommentare

Aktuelle Fragen

Konsole / Terminal in Linux Mint 17.1 deutsch
Dirk Resag, 09.05.2015 23:39, 12 Antworten
Hallo an die Community, ich habe vor kurzem ein älteres Notebook, Amilo A1650G, 1GB Arbeitsspe...
Admin Probleme mit Q4os
Thomas Weiss, 30.03.2015 20:27, 6 Antworten
Hallo Leute, ich habe zwei Fragen zu Q4os. Die Installation auf meinem Dell Latitude D600 verl...
eeepc 1005HA externer sound Ausgang geht nicht
Dieter Drewanz, 18.03.2015 15:00, 1 Antworten
Hallo LC, nach dem Update () funktioniert unter KDE der externe Soundausgang an der Klinkenbuc...
AceCad DigiMemo A 402
Dr. Ulrich Andree, 15.03.2015 17:38, 2 Antworten
Moin zusammen, ich habe mir den elektronischen Notizblock "AceCad DigiMemo A 402" zugelegt und m...
Start-Job behindert Bootvorgang, Suse 13.2, KDE,
Wimpy *, 20.02.2015 10:32, 4 Antworten
Beim Bootvorgang ist ein Timeout von 1 Min 30 Sec. weil eine Partition sdb1 gesucht und nicht gef...