Raubbau an Open-Source-Software

Raubbau an Open-Source-Software

JBoss-Gründer und CEO Marc Fleury findet in seinem Blog klare Worte für den jüngsten Umgang großer Konzerne mit Open-Source-Software (OSS). Die Vorgehensweise, OSS aus dem Netz zu ziehen und sie mit proprietärem Quellcode zu versehen, bezeichnet er als “OSS Strip Mining”, OSS-Tagebau oder Raubbau. Die Firmen nähmen sich das beste an Quellcode aus dem Netz und hinterließen der Community die Reste. Die einzigen, die davon profitierten, seien die Anteilseigner. Als Beispiele nennt Fleury IBM und BEA.

BSD-ähnliche Lizenzen ermöglichten diesen “Diebstahl” erst, so Fleury. Daher bevorzuge seine Firma JBoss FSF-Lizenzen wie die LGPL, die den Raubbau verhindern, es kommerziellen Anbietern aber ermöglichen, den Code zu benutzen.

Eine zweite Variante, die Marc Fleury in seinem Artikel anprangert, ist das “Müllablassen”. Auch hier dient BEA als Beispiel mit seiner Beehive-Software. Um auf der Open-Source-Welle mitzureiten, werfen die Hersteller ihre alten oder minderwertigen Technologien auf die Open-Source-Welt. “In letzter Zeit wurde soviel Müll abgeladen, dass wir wohl eine Open-Source-Deponie brauchen, um mit all diesem Müll und dem Schaden, den er in unserer Umwelt anrichtet, fertigzuwerden”, so Fleury.

“Wir haben mit OSS angefangen und werden mit OSS sterben”, bekräftigt der JBoss-Chef. Offensichtlich reagiert Fleury damit auf die Versuche des Datenbankherstellers Oracle, JBoss zu übernehmen. Der Konzern wildert seit einiger Zeit in der Open-Source-Welt und hat jüngst die Firmen Sleepycat (Berkeley DB) und Innobase (InnoDB) übernommen. Auch Zend, JBoss und MySQL waren Ziele von Übernahmeversuchen, hier stieß Oracle aber auf wenig Gegenliebe.

[1] http://jboss.org/jbossBlog/blog/mfleury/2006/02/21/Strip_Mining_and_Waste_Dumping_in_Open_Source.txt

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2 Kommentare
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Malte Buck
20 Jahre her

Was erwartet der Mann? Natürlich versuchen die Firmen alles was kostet (also auch die Entwicklung) möglichst billig zu bekommen, und für weniger als lau gehts halt nicht. Und Projekte die intern nicht mehr weitergeführt werden können/wollen, werden auch rausgeschmissen in der Hoffnung jemand repariert und sie es am Ende wieder eingliedern können.

Ich möchte ehrlich gesagt auch nicht wissen, wieviel Code aus OS-Projekten in Produkte fließen, die am Ende eben nicht frei sind. Die Netfilter-Leute können ein Lied davon singen.

Peter Sütterlin
20 Jahre her

Ehrlich gesagt sehe ich nicht was am ‘Müll ablassen’ schlecht sein soll – genau das ist doch das was wir wollen: Daß Dinge nicht im Nirwana verschwinden sondern auch nach Jahren noch auffindbar und im Zweifelsfall selbst aktualisierbar sind.
Klar, manche werden darauf bestehen daß grundsätzlich alles von vorneherein frei zu sein hat – ich sehe das (außer in den Bereichen OS und Protokolle/Formate) nicht so eng und sehe jeglichen code als Bereicherung an. Oder was ist mit den ganzen (verwaisten) Projekten auf Sourceforge usw.?

Pit

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