Qualcomm erforscht Linux für die eigene Hardware

Qualcomm erforscht Linux für die eigene Hardware

Töchterchen lernt Open Source

Anika Kehrer
28.10.2009 In Kalifornien und Colorado nehmen dieser Tage einige Dutzend Inhouse-Entwickler ihre Arbeit für das neu gegründete Qualcomm Innovation Center auf. Sie sorgen dafür, dass Linux-basierte Mobil-Betriebssysteme auf Qualcomm-Plattformen arbeiten können.

Am Montag hat Mobilchip-Hersteller Qualcomm in einer Reuters-Meldung die Gründung eines neuen Tochterunternehmens angekündigt, das sich ausschließlich mit Open-Source-Plattformen beschäftigt. Rob Chandhok steht der Ausgründung als President vor. Der Elektrotechniker, der in den achtziger Jahren vor seinem Einstieg in die freie Wirtschaft an Programmiersystemen und computergestützte Zusammenarbeit forschte, kam um das Jahr 2000 zu Qualcomm und war zuletzt Vice President für Software-Strategie in der CDMA-Sparte des Technologie-Unternehmens.

Das Innovation Center will alle Linux-Entwickler dazu befähigen, für Qualcomm-Plattformen Anwendungen für Linux-basierte Betriebssysteme zu schreiben - und sich ein Stück vom prächtig aufgehenden Mobile-Apps-Kuchen sichern.

Nach Angaben des für den deutschsprachigen Raum zuständigen Business-Development-Direktors Thomas Nindl steht die Zahl der für das Innovation Center abgestellten Qualcomm-Mitarbeiter noch nicht fest. Es werden aber wohl einige Dutzend an den Standorten San Diego (Kalifornien) und Boulder (Colorado) sein, die sich "ab sofort" um Linux auf Qualcomm-Hardware kümmern. Zum Linux-Magazin Online beschrieb Nindl die Aufgabe der neuen Firma näher: "Wir liefern eine Art Enablement Build, also ein Linux, das Entwicklern erlaubt, zum Beispiel mit dem Android SDK Anwendungen zu schreiben." Sie soll sicherstellen, so Nindl, dass verschiedene Betriebssysteme wie Android oder auch Moblin mit der Qualcomm-Hardware zusammenarbeitet.

Das beste Pferd im Stall heißt derzeit Snapdragon, ein ARM-SoC, das Smartphones und Netbooks erobern soll. Weitere Plattformen habe der Chip-Hersteller aber bereits in der Mache: Der neueste UMTS-Nachfolger LTE (Long Term Evolution) wird laut Nindl auf diesen Neuentwicklungen in Angriff genommen, da er zusätzlichen Aufwand in der Signalführung der Mobilfunkdaten erfordere. Auch die neuen Plattformen werden durch die Finger der Linux-Entwickler des neuen Qualcomm Innovation Centers gehen, bestätigt Nindl.

Anscheinend ist Qualcomm mit der relativen Öffnung noch ein wenig mulmig zu Mute. Die Software, die auf der Snapdragon-Plattform selbst läuft, soll geschützt bleiben, so Nindl: "Da steckt viel Hirnschmalz drin."

Mit den Arbeiten von Wind River, die im Januar Android auf die Snapdragon-Plattform brachten, hat das Innovation Center nach Nindls Angaben übrigens nichts zu tun. Wind River arbeite im industriellen Embedded-Bereich ("Machine to Machine") und sei weniger im Mobilfunk unterwegs. Auch Wind Rivers androide Zusammenarbeit mit Kyocera Wireless ist eine andere Baustelle: Kyocera hat um das Jahr 2000 die Handy-Herstellung von Qualcomm gekauft und ist seitdem Kunde für Qualcomm-Chips. Das Innovation Center ist demnach eine originäre Open-Source-Unternehmung der 1985 in San Diego gegründeten "QUALity COMMunications".

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