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QT-Entwicklertage in München: Greenhouse hilft Entwicklern

15.10.2008

Matthias Ettrich von Qt Software, ehemals Trolltech, hat auf den Qt Developer Days in München eine neue Entwicklungsumgebung für Qt-Software namens Greenhouse angekündigt. Eine erste Alpha-Version soll in Kürze verfügbar sein.

Über drei Jahre hat Trolltech alias Qt Software in den Trolltech-Büros von Oslo und Berlin an der neuen IDE gearbeitet. In seiner Keynote erklärte der KDE-Gründer Matthias Ettrich, der jetzt als Forschungs-und-Entwicklungschef für Qt Software arbeitet, den Hintergrund der Idee: "Wir sehen eine Chance, dass Emacs- oder Vi-Nutzer über den Tellerrand schauen." Die Entwicklungsumgebung kommt nämlich weitesgehend wie ein Editor daher, weil Puristen sich ganz zu Hause fühlen sollen. Die Qt-Ideenschmiede hat die Editor-Oberfläche um ausgewählte Features und das Gesamtpaket um Debugger, Compiler und natürlich Qt ergänzt.

Die IDE baut auf einem Fenster-Konzept auf: Alles, was der Entwickler nicht sehen will, blendet er aus. Das Editierfenster kann er auch als Vollbild setzen. Das puristische Designkriterium war bei der Optik sowie der Funktionen offensichtlich leitend. Aus dem Editorfenster heraus ist für den Anwender aber zum Beispiel schnelles Aufrufen der Dokumentation möglich, die sich etwa zu einem markierten Klassennamen in einem zweiten, benachbarten Frame öffnet. Die gerade editierten Zeilen markiert die Qt-Entwicklungsumgebung mit einem roten vertikalen Strich, speichert man die Änderung, wird der Positionsanzeiger grün. Syntaxfehler werden rot unterstrichen. Beim Drüberfahren mit dem Cursor erscheint eine Nachricht, die den Anwender auf mögliche Fehlerquellen hinweist.

Im Gespräch mit der Redaktion hoben die Greenhouse-Entwickler Thomas Strehl und Eike Ziller unter anderem die mächtige Suchfunktion hervor. Strehl ist einer der zwei Ideengeber für die Entwicklungsumgebung. Ein Suchfeld, wie es zum Beispiel für die Mailsuche im Thunderbird-Mailclient rechts oben zu finden ist, holt als "Quickopener" Codebausteine in das aktuelle Projekt oder gewährt Zugriff auf parallel geöffnete Dateien. Auch innerhalb des aktuellen Programmtexts kann man über den Quickfinder zu bestimmten Textpassagen springen, nach Wunsch auch im Vi-Stil mit Angabe der Zeilenzahl. Der Quickfinder ist per Tastendruck zu erreichen, so wie sich die ganze IDE mit Shortcuts bedienen lässt: Ein Tribut an die Tastatur-Fans.

"Wir wollten die Entwicklungsumgebung schlicht und übersichtlich machen", sagte Thomas Strehl weiter. Mit Entwicklungsumgebungen wie Eclipse wolle die IDE auf keinen Fall konkurrieren, allerdings ergeben sich ihre Eigenschaften zum Teil ex negativo aus der Java-IDE. So dauere es allein fünf Minuten, bis Eclipse einssatzbereit ist. Außerdem wirke das freie IDE-Framework Eclipse komplex und kompliziert, was den einen oder anderen abschrecke. Greenhouse hingegen sollte auf keinen Fall überladen werden, sondern ein Editor sein, "dessen Feature ist dass er keine Features hat", wie Eike Ziller pointiert. Die Qt-IDE soll außerdem nichts vor dem Entwickler verstecken, etwa indem sie Buildsteps ausführt, ohne dass ohne weiteres klar ist wie sie zu ändern sind. Die Arbeitszentrale von Qt Greenhouse ist der Idee nach deswegen ein kleiner schlanker Texteditor, den der Entwickler ganz unter Kontrolle hat.

Entstanden ist die Idee vor drei Jahren als Projekt eines "kreativen Freitags", wie Thomas Strehl erzählt. Bei Qt Software, ehemals Trolltech, haben angestammte Mitarbeiter nur eine 4-Tage-Woche von Montag bis Donnerstag. Am Freitag sollen sie neue Ideen und Projekte ersinnen. Vor rund drei Jahren stellten Thomas Strehl und ein Kollege ihrem Vorgesetzten die IDE-Idee vor, die sie seitdem als Freitags-Forschungsprojekt vorangetrieben haben. In ein paar Wochen soll es nun die erste Alpha-Version zum Download geben.

Die Qt-Greenhouse-Entwicklungsumgebung läuft auf Linux, Mac OS X und Windows. Ob sie quelloffen sein wird, können die Entwickler allerdings noch nicht mit Bestimmtheit sagen. Sie halten es für wahrscheinlich. Auf der Greenhouse-Webseite ist zur Zeit erst die Ankündigung zu finden.

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