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Proteste gegen Microsofts OOXML halten an

Britta Wülfing
11.04.2008

Demonstranten im norwegischen Oslo fordern eine Untersuchung der ISO-Abstimmung zu OOXML. Auch in anderen europäischen Ländern findet das Microsoft-Dokumentformat wenig Zustimmung. Auch nach der Zertifizierung des Microsoft-Dokumentformats OOXML durch die Internationale Standards Organisation (ISO) halten die Proteste an: Bei Nieselwetter marschierten am gestrigen Mittwoch rund 60 Computerexperten mit "No to OOXML"-Plakaten durch Oslos Innenstadt und skandierten "OOXML, go to hell". Die ungewöhnliche Aktion war die Reaktion auf die Vorgänge im Rahmen der ISO-Standardisierung in Norwegen. Das norwegische Ländergremium hatte bei der ISO eine "Ja"-Stimme abgegeben. Kurz danach protestierte der norwegische Ausschussvorsitzende Steve Pepper formell gegen den Vorgang und erklärte, dass das Votum gegen den ausdrücklichen Rat der technischen Experten abgegeben worden sei. 80 Prozent der Experten hätten dagegen gestimmt, dennoch sei der ISO Zustimmung signalisiert worden. Als Konsequenz trat Steve Pepper von seinem Posten zurück und hielt bei der gestrigen Demonstration eine wütende Rede auf Englisch, die auf der Webseite Noooxml nachzulesen ist.

Zufällig war auch der Sun-Mitarbeiter Simon Phipps vor Ort, der in seinem Blog über die Aktion berichtet. Im Gespräch mit Phipps erklärte der Demo-Teilnehmer Trond Heier, Leiter des norwegischen Linux-Unternehmens LinPro, dass Pepper die Rede bewusst auf Englisch gehalten habe: Er habe die Hoffnung, dass ISO-Gremien mit ähnlichen Erfahrungen sich in anderen Ländern dem Protest anschließen. Unter den Protestierenden war auch der Opera-Chef Haakon Wium Lie, der Medienvertretern erklärte, dass die Aktion noch aus weiteren Gründen bemerkenswert sei: "Es kommt nicht oft vor, dass sich Computerleute draußen treffen, um zu demonstrieren."

Unterdessen erklären weitere Länder- und Behördenvertreter, dass sie auch nach der ISO-Zertifizierung das Microsoft-Format OOXML vorerst nicht einsetzen wollen. Der IT-Leiter des Auswärtigen Amtes, Rolf Schuster, erklärte erneut die Position der Behörde. So lange OOXML keine Open-Source-Implementierung biete, die ohne Restriktionen - auch hinsichtlich des Betriebssystems - eingesetzt werden könne, werde das Format in der Behörde nicht eingesetzt. Das Auswärtige Amt unterstützt seit geraumer Zeit das freie Open Document Format (ODF) und wurde vor kurzem für sein Engagement für freie Standards geehrt. Ähnlich äußerten sich nun auch Vertreter von Belgien und den Niederlanden, wie der IT-Dienst der Europäischen Kommisssion IDABC berichtet. Auch hier soll das Dokumentformat zunächst mit dem freien Dokumentstandard Open Document Format (ODF) kompatibel werden, ebenso steht Patentfreiheit ganz oben auf der Wunschliste der Regierungsvertreter.

Die Europäische Kommission selbst erklärte bereits vor Bekanntwerden des ISO-Ergebnisses, weiterhin ODF den Vorzug zu geben. Die ODF Alliance meldet weitere Erfolge in Malaysia und Großbritannien.

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