Oracle stellt Strategie nach Sun-Übernahme vor

Oracle stellt Strategie nach Sun-Übernahme vor

Willkommensparty

Anika Kehrer
11.03.2010 Oracle hat seine Partner nach München eingeladen und sie über die zukünftige Strategie der Firma informiert. Von den Sun-Produkten will man vor allem Solaris, Sparc und Flashfire weiterentwickeln.

Laut Jürgen Kunz, Geschäftsführer von Oracle Deutschland, herrscht bei Oracle eine sehr gute Stimmung. Die Dimension mit Sun sei eine komplett neue. Das Portfolio sei einzigartig und "keine andere Firma kann Ähnliches bieten". Kunz meint damit die Kombination von eigener Hardware (Sparc), eigenem Betriebssystem (Solaris) und eigener Anwendungen (Oracle Datenbank).

Dermot O'Kelly, Oracles Vice President für Hardware in Europa, machte die Sache konkret und stellte den "Oracle-Stack" vor. Unter dem Moto "Complete, open, integrated" fängt dieser Stack am Hardware-Ende mit Storage, Servern und virtuellen Maschinen an, wandert hinauf über Betriebssysteme und Datenbanken bis hin zu Middleware und Anwendungen. Klare Botschaft: Je mehr ein Kunde bei Oracle als integriertes System kauft, desto bessere Ergebnisse könne er erwarten. Vorhandene Infrastruktur-Elemente sollen Kunden jedoch integrieren können.

O'Kelly verwies stolz auf das erste Produkt der in einen Topf geworfenen Kompetenzen von Oracle und Sun. Der im September 2009 erstmals angekündigte Bolide Exadata v2, eine Datenbank-Maschine mit Hardware von Sun und Software von Oracle, soll IBM in der Leistung weit hinter sich lassen. Mit derlei gemeinsamen Produkten möchte Oracle in Zukunft den Markt aufmischen, lässt der Hardware-VP wissen.

Wie das aussehen soll, umriss Marketing-Manager Rolf Kersten von Sun Microsystems. Demnach sieht sich Oracle nun nicht mehr nur als Nummer eins bei den Datenbank-Anbietern, sondern auch im Unix-Servermarkt. In den "Technologie-Diamanten" Solaris sowie in den Sparc-Prozessor will Oracle mehr investieren als Sun bisher. Auch die x86-Maschinen sollen einerseits als Bestandteil von integrierten Systemen, andererseits als Standalone-Lösungen weiterentwickelt werden. Sämtliche Hardware wird dabei auf die Oracle-Datenbank optimiert, womit der Konzern großen Performance-Gewinn verspricht.

MySQL nur am Rande

Auf die Frage, ob dieselben Leistungsbeschreibungen zum Beispiel auch für MySQL-Installationen gelten, antwortete der seit 12 Jahren bei Sun arbeitende Kersten mit "Ja" - allerdings erst auf wiederholtes Nachfragen. Zunächst wich er in seiner Antwort auf "Drittanbieter" und "Zertifizierungen" aus. Schließlich rang er sich zu einem "MySQL gehört schließlich zu den Inhouse-Produkten" durch.

Insider glauben, dass Oracle die eigene Datenbank und MySQL in verschiedenen Segmenten ansiedeln werde und damit nicht als Konkurrenz im eigenen Haus betrachte. Demnach sieht Oracle im High-End-Bereich keine Nachfrage für MySQL. Andere Beobachter ziehen außerdem Parallelen zwischen Oracles Sun-Übernahme und derjenigen von Suse durch Novell: Ein Lizenz-orientiertes Unternehmen bringe ein Open-Source-orientiertes in seinen Besitz - und verhalte sich dabei ungelenk.

Die Veranstaltung zeigte allerdings, dass sich Oracle weder mit Linux noch mit Open Source als strategischen Vorteil im Markt positionieren will. Offene Standards fanden zwar Erwähnung, es läuft aber wohl eher darauf hinaus, dass die Open-Source-Sparte mit MySQL, Open Office und den freien Java-Bestandteilen in Nischen weiterblüht. Zusagen, die Projekte leben zu lassen, gibt es jedenfalls.

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