Da ich heute in der Mittagspause etwas mehr Zeit hatte, schaute ich spaßeshalber einmal in der Software-Abteilung bei Saturn herum und wollte dabei auch wissen, ob der Laden noch etwas anderes Linux-Relevantes verkauft, außer der SuSE-Distribution.
Nur bedingt auf Linux bezogen, fand ich jedoch Software-Pakete, wo ich dachte, im Wald zu stehen. Man fand massig Pakete, bei denen Open Source Titel wie ein herkömmliches Software-Paket vermarktet wurde; schöne Mogelpackungen und kein Hinweis darauf, ob ein sich darin befindendes Handbuch wirklich die Größe der Verpackung rechtfertigt.
Populäre Titel wie Open Office, Gimp oder Firefox gab es gleich in mehrfacher Ausführung von diversen Herstellern. Hierbei konnte man Open Office sogar für 100 Euro kaufen (teurer als das 1m entfernte Staroffice-Paket), es ging aber auch für 49 oder 19 Euro. Die Verpackungsrückseite wollte dem Kunden bei den Open Office Paketen immer klar machen, daß er eine Office Suite kauft, die sich mit MS Office messen lässt, aber ein paar 100 Euro billiger ist. Bei Gimp natürlich ähnlicher Vergleich mit Photoshop.
Ein Firefox-Paket hingegen wirbt hingegen damit, daß der Kunde endlich frei von Viren, Würmern Dialern und anderen Internet-Explorer-Problemen ist, wenn er den Firefox kauft.
Weiterhin erwähnenswert ist ein Paket, das zwar nur 19.90 kostet und sich Open Office Suite nennt. Auf der Vorderseite der Verpackung soll durch Symbole ersichtlich werden, daß das Paket unter Windows, Linux und Mac OS X einsetzbar ist (daß dieses Klientel an Mac OS X Usern wirklich X11 nachinstalliert hat mag ich ja zu bezweifeln) und neben Open Office sich ein Wörterbuch, tausende Vorlagen und eine separate Organizer-Software mitgeliefert ist. Ich dachte mir, vielleicht ist da etwas kommerzielles dabei, was lizensiert werden muß, doch nach genauerem Durchlesen viel mir zunächst nur auf, daß lediglich Open Office sich unter Linux und Mac OS verwenden lässt und der Rest des Lieferumfangs nur Windows-Usern zugänglich ist.
Es handelte sich bei diesen Paketen, wo man versucht, Open Source als teure Software-Pakete zu vermarkten nicht um einen einzigen Hersteller, der das versucht, sondern gleich um eine ganze Vielfalt an Anbietern. Anscheinend gibt es wirklich Leute, die bereit sind, aufgrund von Microsoft-Frust Geld für diese Pakete auszugeben.
Egal, was man davon hält – diese Masche ist leider Gottes rechtlich einwandfrei.





Immerhin bekommen die Leute für ihr Geld ordentliche Programm-Qualität, einen Datenträger und evtl. ein Handbuch, sowie – mit Glück – eine brauchbare Installationsanleitung.
Die Zahl der Computernutzer, die eine Installation nur in der Form
“CD einlegen, ENTER,ENTER,ENTER, fertig” bewerkstelligen können/wollen, dürfte inzwischen riesig sein. Wenn die Pakete ihnen das bieten: warum nicht Geld dafür velangen? (OK 100EUR für OO.o sind dreist, aber sonst vergleicht man ja auch Preise.)
Ob da wirklich ein richtiges Handbuch dabei ist, ist nicht gesagt, wobei ich das auch nicht generell ausschließen kann. Üblich ist das heutzutage jedoch nicht mehr, daß man mit einem Software-Paket neben den Datenträgern einen dicken Wälzer dazu kauft – früher war das bei Software-Paketen selbstverständlich. Auf den Verpackungsrückseiten steht zwar, daß ein Handbuch zum Lieferumfang gehört, aber keine Aussagen darüber, wie umfangreich das ist. Mogelpackungen sind heutzutage auch eher üblich als Ausnahme, wobei man bei Spielen davon abgekommen ist. Heutzutage findet man in der Regel Anleitungen im Comicheft-Format im Lieferumfang, was sich auch Handbuch schimpft. Die SuSE-Distribution ist für… Mehr »
Also in dem 100 Euro Paket müssen schon verdammt viele zusätzliche Goodies
enthalten sein, um den Preis zu rechtfertigen.
Da liegt die Vermutung, daß mir ahnungslosen Kunden die große Kohle gemacht
wird, schon sehr nahe.
Das Paket um 19.90 finde ich da schon in Ordnung.
Allerdings wundert es mich etwas, daß die Beigaben wie Vorlagen nur unter
Windows verfügbar sein sollen.
Vielleicht macht ja mal eine Computerzeitschrift einen Vergleich dieser
Angebote, dann wissen wir mehr :)
Ja und? Das ist doch vollkommen GPL konform. Wo liegt der Unterschied zu den Distributionen. Statt das zu krisieren sollte man lieber selbst in das Geschäft einsteigen.
Mit Distributionen lässt sich dieses Geschäft nicht ganz vergleichen. Einen höheren Preis haben eigentlich nur die großen Distributionen. Diese bieten immerhin eine vollständig eigene Distribution an, die mit eigenen Installations- und Konfigurationsprogrammen ausgestattet sind und wo der Distributor aus den ganzen Opensource-Bausteinen ein durchdachtes System zustande gebracht hat. Gut, man kann hier auch einmal die kostenlose Debian-Distribution mit dazu zählen. Des weiteren gibt es jedoch haufenweise Distributionen, die auf das Material einer anderen Distribution basieren, ein paar Änderungen vorgenommen wurden (teils nur beim Software-Umfang) und unter anderem Namen verteilt werden – kostenlos oder kommerziell. Eine kommerzielle Distribution, bei der es… Mehr »