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Desktop Summit

Open Source und Konzerne

07.08.2011
In seiner Keynote beschreibt Intels Open-Source-Direktor das schwierige Verhältnis von Konzernen und Open-Source-Projekten und zeigt anschaulich, was sich noch ändern muss, damit der Linux-Desktop eine echte Chance hat.

Dirk Hohndel ist kein Unbekannter in der Open-Source-Welt. Der Ex-Suse-CEO ist mittlerweile bei Intel Chef der Open-Source-Entwicklung. Als solchen schickt ihn sein Arbeitgeber auch zu Veranstaltungen wie dem Desktop Summit, um dort Keynotes zu halten. Für den Desktop Summit 2011 hatte sich Hohndel des Themas "Big Companys und Open-Source" angenommen und einige Tipps aus seiner eigenen Erfahrung auf beiden Seiten des vermeintlichen Grabens parat.

Gut besucht: Der Desktop Summit 2011 in Berlin

Den Einstieg fand er mit einem ganz persönlichen Beispiel: KDE und Gnome sind eine riesige Erfolgsgeschichte, meint Hohndel. "Wir können uns glücklich schätzen, mehr als eine Alternative zu haben." Aber: Zwar seien die neuen Desktops Gott sei Dank weit von dem Windows-95-Look-and-Feel von früher entfernt, aber dummerweise schleichen sich hier und dort doch "Steve-Jobs-Attitüden" ein. Er habe vor der Konferenz sowohl die neueste Version von KDE (4.7) als auch von Gnome (3) getestet, erzählt er. Doch dann sei ihm ein folgenschwerer Fehler unterlaufen: Dummerweise hat er dann in einem Google+- Thread seine Meinung über KDE und Gnome geschrieben. Das wiederum haben ihm manche Anwender und Entwickler übel genommen, so Hohndel. Vor der Einstellung "Mach es, wie wir wollen, dann hast du keine Probleme", sollte sich die Open-Source-Community hüten, forderte er. Er wünsche sich vielmehr einen Ausschalter für so manche Features, damit Anwender, die damit überfordert sind, solcherlei einfach deaktivieren könnten.

Das nicht immer einfache Verhältnis zwischen Konzernen und Open-Source beschreibt Hohndel mit den drei "F"s ("Nicht die "F"s, die ihr denkt!!"): Funding, Feedback und Freedom. Konzerne unterstützen Konferenzen und Entwickler finanziell und betreiben Marketing. Sie sollten aber nicht als Cash Cows betrachtet werden. Im Gegenzug brauchen sie Feedback, sowohl direktes als auch indirektes, von Anwendern und eben auch Entwicklern. Hohndel fragt das Publikum: "Wer von Euch ist Programmierer? Wer ist Hacker?" Einige Hände bleiben oben. "Und wer von Euch schreibt gerne Dokumentation?" Als dann immer noch Hände oben bleiben, ruft er: "Ihr seid Lügner - niemand macht das gerne!".

Der dritte Punkt, Freedom erweise sich als der schwerste: Entgegen der landläufigen Meinung verhalten sich Konzerne nicht bösartig, sondern sehr berechenbar: Was Geld bringt wird gemacht, was keines bringt, schneller fallen gelassen, als das manchem Open-Source-Developer lieb sein mag. In diesem Spannungsfeld sei eine emanzipierte Community, die Projekte unabhängig von Herstellern fördert, sehr wichtig, erklärt Hohndel, ohne die Worte Nokia oder Qt in den Mund zu nehmen.

Gleichwohl sei es sehr wichtig, dass auch die Community den Konzernen zuhöre - und nicht emotional reagiere wie im Beispiel am Anfang. Rationales Herangehen sei wichtig. "Die haben Ressourcen, und können großen Einfluss ausüben!" fordert Hohndel mehr Offenheit bei gleichzeitig ausgeprägtem Selbstbewusstsein. Und zum Abschluss betont er noch einmal: "KDE und Gnome sind wunderbar, atemberaubend. Aber dennoch weit weg von der gewünschten Benutzbarkeit im Alltag auf dem Enduser-Desktop. Aber das muss das Ziel sein!"

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