Kritik an Freiburger Office-Entscheidung

OSBA, BIKT, FSFE und Document Foundation forden Gemeinderat auf, Beschlussvorlage abzulehnen

OSBA, BIKT, FSFE und Document Foundation forden Gemeinderat auf, Beschlussvorlage abzulehnen

Markus Feilner
16.11.2012
In einem offenen Brief, der der Redaktion des Linux-Magazins vorliegt, kritisieren vier Verbände das Gutachten und die Beschlussvorlage, über die der Gemeinderat der Stadt Freiburg nächste Woche abstimmen soll. Inhalt der Beschlussvorlage ist, die Migration zu einem freien Office-Produkt rückgängig zu machen und sich von freien Office-Formaten abzuwenden. Das dürfe nicht sein, schreiben die Verbände - und warnen vor Klagen bei anstehenden Ausschreibungen.

Die Beschlussvorlage (das Linux-Magazin berichtete) umfasst drei Punkte und einen stattlichen Anhang mit Teilen des Gutachtens, das eine Beratungsfirma für die Gemeinderäte erstellt hatte. Obwohl es den Entscheidern nach Informationen des Linux-Magazins bereits mehrere Monate vorlag, wurde es erst kurzfristig, aus Datenschutzgründen (mit Verweis auf die Namen und Aufgabenbereiche der beteiligten IT-Mitarbeiter) der Öffentlichkeit zugänglich gemacht - und auch das nur in Teilen.

Harte Kritik auf vier Seiten

Die jedoch haben es in sich, meinen OSBA, FSFE, BIKT (der Bundesverband Informations- und Kommunikationstechnologie), die Document Foundation TDF und der Verein Freies Office Deutschland in ihrem vierseitigen Schreiben, das die Verbände heute an den Gemeinderat schicken. Neben einer langen Liste an Fehlern, die die Gutachter gemacht hätten, fänden sich da auch unerklärliche Fehleinschätzungen bezüglich der Situation auf dem Markt der freien Office-Varianten - und Auslassungen, etwa bei den Handlungsalternativen, die einen reinen Einsatz von freier Office-Software gar nicht mehr in Betracht ziehen, sondern als gescheitert ablehnen. Dass dabei nur veraltete Software und offensichtlich ungeeignete Organisationsformen die Migration hemmten, findet sich ebensowenig in dem Gutachten wie die zahlreichen positiven Beispiele, auf die etwa das Libre-Office-Projekt verweisen kann.

Abkehr von freien Standards?

Auch die Entscheidung, das Commitment zu einem freien Standard (ODF), das die Stadt bereits 2007 gefällt hat, jetzt zugunsten einer proprietären Lösung aus dem Hause Microsoft rückgängig zu machen, kritisieren die Unterzeichner scharf und warnen davor, dass dieser Weg zwangsläufig zu Klagen bei Beschaffungs- und Ausschreibungsverfahren führen würde, lege sich die Stadt damit doch vorzeitig auf ein Produkt fest. ODF dagegen sei ein Standard, an dem selbst Microsoft nicht mehr vorbeikomme -- siehe Office 2013.

Alles in allem bieten die Verbände trotz lauter Kritik und der Empfehlung, der Beschlussvorlage nicht zuzustimmen, ihre Hilfe an. Solche Angebote habe die Stadt Freiburg bisher offenbar nicht wahrgenommen, heißt es in dem Schreiben.

Ähnliche Artikel

Kommentare

Aktuelle Fragen

MS LifeCam HD-5000 an Debian
Kay Michael, 13.04.2016 22:55, 0 Antworten
Hallo, ich versuche die oben erwähnte Cam an einem Thin Client mit Debian zu betreiben. Linux...
Import von Evolution nach KMail erzeugt nur leere Ordner
Klaus-Christian Falkner, 06.04.2016 12:57, 2 Antworten
Hallo, da ich vor einiger Zeit von Ubuntu auf Kubuntu umgestiegen bin, würde ich gerne meine E...
Sophos lässt sich nicht unter Lubuntu installieren
Chrstina Turm, 30.03.2016 20:56, 3 Antworten
Hi Leute, habe mir vor paar Tagen auf ein Notebook, das ohne Linux ausgedient hätte, Linux dr...
Novell Client auf Raspbian
Chris Baum, 16.03.2016 15:13, 3 Antworten
Hallo Community, ich hätte eine Frage, und zwar geht es um folgendes: Ich möchte eine Datei...
Pantheon konfigurieren (eOS)
John Smith, 16.03.2016 13:50, 0 Antworten
Hallo ins Forum, ich bin neu in der Linuxwelt und fühle mich bereits sehr wohl. Mein neues Sys...