OOXML-Zertifizierung weiter in der Warteschleife

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Britta Wülfing
11.07.2008

Mehr als drei Monate nach der ISO-Zertifizierung ist das Microsoft-eigene Dateiformat OOXML immer noch kein Standard, und das könnte auch noch bis 2009 so bleiben. Anhaltende Proteste verhindern die Verabschiedung der Norm, aber die Generalsekretäre von ISO und IEC sehen keinen Grund zur Kritik am Normungsverfahren.

Nach einem umstrittenen Zertifizierungsprozess bei der Internationalen Standards Organisation (ISO) mit zahlreichen Unregelmäßigkeiten wurde das Dateiformat Office Open XML, kurz: OOXML zunächst zur Norm mit der Nummer ISO/IEC DIS 29500 erklärt. Zum ersten Mal in der Geschichte der Standardisierungsorganisation nutzten jedoch vier Länderausschüsse ihre Einspruchsmöglichkeit binnen zwei Monaten und protestierten formell gegen den Ablauf des Verfahrens. Die Vertreter Brasiliens, Indiens, Venezuelas und Südafrikas nahmen besonders Anstoß an dem Schnellverfahren, dem so genannten Fast Track, nach dem das Format mit mehr als 6000 Seiten Dokumentation beurteilt werden sollten. Der Wirbel um den Ablauf der Abstimmung sorgte weltweit für Aufsehen, und in einem Interview kommentiert der ISO-Generalsekretär Alan Bryden: "Die Negativ-Publicity ist teilweise ziemlich extrem und es ist für mich als ISO-Generalsekretär nicht wirklich erfreulich zu sehen, wie die ISO verteufelt wird", so Bryden, und er untermauert den ISO-Standpunkt: "Vor allem, weil ein Großteil der extremen Kritik auf falschen Annahmen basiert und dem fehlenden Verständnis dafür, wer die ISO ist und wie sie funktioniert", meint der ISO-Mann. Er selbst und der Generalsekretär der IEC hatten einen Monat Zeit, die Argumente zu prüfen und eine Empfehlung für das weitere Vorgehen abzugeben. Das Ergebnis überrascht nicht: ISO- und IEC-Vertreter sind der Meinung, der hauseigene Abstimmungsprozess sei ordnungsgemäß verlaufen, und empfehlen den Lenkungsgremien, die Einsprüche abzulehnen.

Bis 4. August sollen diese nun hierauf reagieren. Falls sie der Empfehlung folgen und die Einsprüche ablehnen, können die Länder erneut Einspruch einlegen. Das nächste Mal müsste hierüber der ISO- und IEC-Rat entscheiden. Folgen die Gremien jedoch der Empfehlung der Generalsekretäre nicht und betrachten die Einsprüche als berechtigt, wird ein Schlichtungsgremium (Conciliation Panel) einberufen, das die Probleme beilegen soll. Wenn alle Beteiligten die jeweiligen Fristen voll ausschöpfen, könnte sich die endgültige Entscheidung über die Veröffentlichung von OOXML als Standard bis Anfang 2009 hinziehen. Die Prozessbeobachter der Webseite Groklaw haben die ISO-Empfehlung mit den vier Ländereinsprüchen als PDF-Datei veröffentlicht. Zusätzlichen Ärger für Microsoft gibt es von Seiten der Europäischen Kommission, die den Vorgängen rund um den Standardisierungsprozess eine eigene Untersuchung widmet.

Microsoft dagegen hat zwischenzeitlich erklärt, den freien Standard Open Document Format ODF zu unterstützen, der bereits seit Mai 2005 unter der Nummer ISO/IEC 26300 zertifiziert ist.

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