OLPC dementiert Dual-Boot-PC

OLPC dementiert Dual-Boot-PC

Britta Wülfing
11.01.2008

Das gemeinnützige Projekt One Laptop per Child (OLPC) und Microsoft arbeiten wohl doch nicht gemeinsam an einem Dual-Boot-System für den 100-Dollar-Laptop. Kurz nachdem OLPC-Chef Negroponte sich erfreut über die Erfolge der Zusammenarbeit äußerte, dementieren beide Seiten.

Für heftige Diskussionen sorgte die Aussage des OLPC-Gründers, dass der Software-Konzern und das gemeinnützige Projekt daran arbeiten, neben der linux-basierten Eigenentwicklung Sugar auch ein Windows-Betriebssytem auf den Rechner zu bringen. Kritiker bezweifelten, dass der Speicherplatz für beide Systeme ausreichen würde und fragten nach dem Sinn des Unterfangens. Die Zweifler sehen sich nun von beiden Seiten bestätigt: Microsoft-Sprecher dementierten die Aussagen Negropontes gegenüber der Journalistin Mary Jo Foley, und Ivan Krstic, leitender Mitarbeiter bei OLPC, bestreitet die Zusammenarbeit in einem Blogeintrag.

Krstic reagiert mit seinem Blog auch auf einen Diskussionsbeitrag von Bruce Perens, dem prominenten ehemaligen Debian-Projektleiter. Perens hatte sich den Kritikern angeschlossen und Befürchtungen geäußert, Microsoft würde das Hilfsprojekt für eigene Interessen nutzen und quasi durch die Hintertür übernehmen.

Krstic tritt diesen Spekulationen entgegen: "Ich werde die Fakten kurz klarstellen. Bruce schreibt 'Microsoft trat an OLPC heran mit Geld und technischer Unterstützung', was beides falsch ist. OLPC nimmt kein Geld von Microsoft, und wir werden in keiner Weise von dem Unternehmen unterstützt." Der OLPC-Entwickler dementiert die Spekulationen umfassend: "Ja, wir haben uns mit Microsoft wegen ihrem XP-Port getroffen. OLPC hat keine Ressourcen für diese Arbeit abgestellt. Wir geben hierfür keine Technikerzeit, wir beziehen es nicht in unsere Strategie-Überlegungen mit ein, und wir arbeiten auch nicht daran, Sugar zu ersetzen." Er schreibt, dass ein technischer Autor von Microsoft in den OLPC-Büros arbeiten dürfe, um an einer Spezifikation zur Unterstützung des Ports zu schreiben. Krstic ergänzt: "Unter der Bedingung, dass die Spezifikationen auch veröffentlicht werden." Perens schürt die Gerüchteküche in seinem Blog noch weiter und schreibt, dass auch der Linux-Distributor Red Hat sich in das Projekt eingekauft habe. Ursprünglich sei für den Laptop namens XO ein Debian-basiertes Linux geplant gewesen. Auch dies bestreitet der OLPC-Mitarbeiter: "OLPC XO Prototypen liefen niemals offiziell unter Debian - wir waren von Beginn an Fedora-basiert, seit dem die ersten Alpha-Test-Motherboards im OLPC-Büro Cambridge eintrafen." Inoffiziell könne man jedoch schon immer die XO-Hardware mit Debian nutzen.

OLPC-Gründer Negroponte hat ein weiteres Mal für Gerüchte gesorgt, die das Hilfsprojekt auf unerfreuliche Weise in die Schlagzeilen bringen. Auch zu den Gründen für den Ausstieg von Hardwarehersteller Intel aus dem Projekt gibt es widersprüchliche Aussagen von Negroponte. Zudem sieht sich die Organisation derzeit von einer Schadenersatzklage in Nigeria bedroht, und zu Jahresbeginn hatte die Cheftechnikerin sich mit einem eigenen Projekt selbständig gemacht (wir berichteten).

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