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OLPC arbeitet mit Microsoft an Dual-Boot-PC

10.01.2008

Das gemeinnützige Projekt One Laptop Per Child (OLPC) und Microsoft arbeiten gemeinsam an einem Dual-Boot-System, mit dem Linux und Windows parallel auf dem Laptop starten können. Dies und die Kommunikation im Streit mit Intel sorgen für heftige Kritik am OLPC-Chef Nicholas Negroponte.

Der MIT-Professor Negroponte sagte in einem Interview "Wir arbeiten sehr eng mit (Microsoft) an einem Dual-Boot-System." Das Ziel sei, dass wie bei einem Apple-Rechner beide Systeme wahlweise den Laptop namens XO starten sollten. "Die Windows-Version, die aktuell auf dem XO läuft, ist sehr schnell", so der OLPC-Gründer und nennt die Zusammenarbeit sehr erfolgreich. Er meint, Microsoft habe in den letzten Jahren seine Einstellung zur Open-Source-Gemeinschaft geändert. "Und das hilft, denn es wurde etwas weniger religiös als es vor einigen Jahren war. Letztlich glaube ich, je mehr Leute da draußen Hardware und Software haben, umso besser." Derzeit läuft auf dem so genannten 100-Dollar-Laptop ein Betriebssystem namens Sugar, basierend auf der Linux-Distribution Fedora. Zwischenzeitlich gab es Spekulationen darüber, ob OLPC eine separate Windows-Version des XO auf den Markt bringen würde. Ein Dual-Boot-System würde dies überflüssig machen. Laut Negroponte will OLPC auch mit der Bill&Melinda-Gates-Stiftung zusammenarbeiten. Aktuell würden die Möglichkeiten ausgelotet, wie der XO in einige der Förderprogramme Microsofts für Entwicklungsländer eingebunden werden kann. "Es gibt Gespräche in dieser Hinsicht, und diese sind direkt mit Bill und Craig Mundie", lässt sich Negroponte zitieren. Gleichzeitig kündigt er an, den 100-Dollar-Laptop auch über amerikanische Regierungsstellen in das US-amerikanische Bildungssystem zu bringen.

Diese Entwicklung löst auf einer OLPC-News-Seite hitzige Diskussionen aus, ob dies mit den Zielen des Projekts als preiswerter Rechner für Kinder in Entwicklungsländern vereinbar sei. Es sei fraglich, ob der XO in seiner aktuellen Ausstattung ausreichend Speicherplatz für zwei Betriebssysteme biete. Zudem sei es Platzverschwendung, auf einem Rechner für Entwicklungsländer zwei Betriebssysteme zu betreiben. Ein proprietäres Betriebssystem auf dem 100-Dollar-Laptop stünde den Open-Source-Prinzipien des OLPC entgegen, meint ein anderer Autor. Der Vertrieb des Rechners in Nordamerika ist ein weiterer Umschwung in der bisherigen Projektstrategie. Als Motiv vermuten die Kritiker, dass die Absatzzahlen des Rechners bislang den Erwartungen nicht entsprechen.

Tatsächlich wollen einige Unternehmen den Markt der Billig-PCs für sich erschließen, dementsprechend hart ist die Konkurrenz für den 100-Dollar-Laptop: Der preiswerte Eee-PC von Asustek war zunächst nur mit vorinstalliertem Linux auf den Markt, ist aber mittlerweile auch mit XP lieferbar.

Der Classmate-PC von Intel ist ein weiterer Wettbewerber, der auf den Markt in den Entwicklungsländern zielt. Ein Streit mit dem Hardware-Hersteller sorgt derzeit weitere für Unruhe bei dem gemeinnützigen Projekt. Erst vor wenigen Tagen hatte Intel seinen Sitz im Aufsichtsrat des OLPC zurückgegeben und als Begründung kursierte, dass der streitbare Professor die Einstellung des Classmate-Projekts gefordert habe. Diesen Gerüchten tritt Negroponte nun entgegen, denn Intel habe auch finanziell substantielle Beiträge zu OLPC geleistet: "Warum sollte ich die sechs Millionen Dollar wegwerfen, die sie uns gestern noch geben sollten?" Die Darstellung in den Medien sei nicht im Interesse des Projekts und er hoffe, dass Intel zurückgeholt werden könne. Es träfe nicht zu, dass OLPC keinen Wettbewerb wolle. "Wir möchten so viele Laptops da draußen sehen wie möglich, und Kinder sollten die größtmögliche Auswahl haben", sagt der OLPC-Chef. Allerdings klang dies in anderen Interviews dieser Woche noch anders, wie die OLPC-News-Seite akribisch auflistet. In einem BBC-Interview sagte Negroponte auf die Frage nach Gründen für das Scheitern der Zusammenarbeit mit Intel: "Sie haben Laptops mit ihrem Logo genau an die gleichen Leute verkauft, mit denen wir gesprochen haben. Sie sind da reingegangen, direkt nachdem wir Verträge unterschrieben haben und versuchten Regierungsmitarbeiter zu überzeugen, die Verträge zu brechen und stattdessen mit ihnen einen Vertrag zu schließen. Das ist keine Partnerschaft."

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Kommentare
Re: OLPC arbeitet mit Microsoft an Dual-Boot-PC
Christian Dersch, Donnerstag, 10. Januar 2008 22:25:37
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Diese Arbeit an einem Dual-Projekt wurde seitens Microsoft dementiert.

[1] http://www.heise.de/newsticker/meldung/101623



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Re: OLPC arbeitet mit Microsoft an Dual-Boot-PC
Britta Wülfing, Freitag, 11. Januar 2008 12:11:49
Ein/Ausklappen

Ja, mittlerweile auch von OLPC selbst. Siehe http://linux-magazin.de/news/olpc_dementiert_dual_boot_pc


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