ODF versus OOXML: Welcher Standard funktioniert?

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Britta Wülfing
07.05.2008

Ein Streit geht weiter: Der ISO-Mitarbeiter Alex Brown meint, in Tests herausgefunden zu haben, dass keiner der ISO-Dokumentstandards mit den entsprechenden Büroanwendungen funktioniert: Weder das Microsoft-eigene OOXML noch das freie Open Document Format (ODF). Aus dem ODF-Lager kommt heftiger Widerspruch.

Ausgerechnet ein Mitarbeiter der Organisation, die beide Dokumentformate zum Standard erklärte, veröffentlicht die Fehlerberichte: Alex Brown ist bei der Internationalen Standards Organisation (ISO) zuständig für die Betreuung des frisch gekürten Standards Office Open XML (OOXML) mit der Nummer ISO/IEC 29500. Microsoft-Dokumentformat erhielt nach einem umstrittenen Abstimmungsprozess im Schnelldurchlauf kürzlich die Weihen der ISO. Als zuständiger ISO-Mitarbeiter wollte Brown zunächst prüfen, ob OOXML mit Microsofts Office 2007 kompatibel ist. In seinem Blog veröffentlichte er am 17. April sein Ergebnis: "Word-Dokumente, die von der aktuellen Microsoft Office 2007-Version generiert werden, sind nicht mit der ISO/IEC 29500 konform." Diese Aussage war für viele Kritiker des ISO-Standardisierungsprozesses Wasser auf die Mühlen, und wurde in den ODF-Unterstützerkreisen, wie beispielsweise auf der Juristenseite Groklaw, bissig kommentiert.

In der Folge entschied sich der fleißige ISO-Mitarbeiter, nun auch das freie Open Document Format (ODF) einem Test zu unterziehen. Der OOXML-Wettbewerber ist unter der Nummer ISO/IEC 26300 bereits seit Mai 2006 als Standard anerkannt. In diesem Fall setzte Brown die freie Büroanwendungssoftware OpenOffice.org für seinen Test ein, kam zu dem gleichen Ergebnis wie zuvor für OOXML und veröffentlichte auch dieses in seinem Blog. Er schreibt: "Für die ISO/IEC 26300:2006 (ODF) können wir generell sagen, dass der Standard selbst einen Defekt hat (...). In Konsequenz gibt es keine existierenden XML-Dokumente, die zur ISO ODF valide sind." Aus seinem Versuch folgert er: "Selbst wenn das Schema repariert wird, können wir sehen, dass OpenOffice.org 2.4.0 keine validen XML-Dokumente produziert."

Dem Ergebnis widerspricht der IBM-Mitarbeiter und Standards-Aktivist Rob Weir wiederum in seinem Blog, betitelt den Eintrag mit "ODF-Validation for Dummies" und kritisiert den Versuchsablauf: "Es ist eine reichlich merkwürdige, seltsam verzerrte Art von Test", schreibt Weir. Er wirft Brown vor, er habe zwei nicht zusammenpassende Versionen von ODF und OpenOffice getestet, beim OOXML-Test hingegen jedoch jeweils zeitlich aktuelle Varianten verwendet. Das eingesetzte OpenOffice in Version 2.4.0 ist auf ODF Version 1.1 abgestimmt, der ISO-Mitarbeiter nutze jedoch ODF in Version 1.0. Weir schreibt: "Wenn wir Äpfel mit Äpfeln vergleichen wollen, ist es ziemlich einfach, den äquivalenten Test mit ODF zu vollziehen." Er habe es mit den passenden Versionen ausprobiert und keine Fehlermeldungen erhalten.

Mit einem weiteren Blogeintrag als Reaktion auf Rob Weir verteidigt Alex Brown seine Ergebnisse und sieht hierdurch die Notwendigkeit für weitere Testläufe. Er schreibt am 4. Mai: "Auf Basis der Ergebnisse wird es offensichtlich, dass eine gründlichere Untersuchung beider Formate (und ihrer Anwendungen) von Interesse wäre. Folglich sollte im nächsten Schritt ein Rahmenwerk für Validierungs-Testläufe geschaffen werden." Rob Weir hingegen wiederholt in einem neuerlichen Eintrag seine Kritik an den bisherigen Tests und betrachtet sein Anliegen als nicht beantwortet.

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