ARM-Netbooks: Nvidia bevorzugt Windows [Update]

Nvidia erteilt Android und Linux Absage für Tegra

Nvidia erteilt Android und Linux Absage für Tegra

Daniel Kottmair
19.06.2009 Nvidia sieht sich genötigt, seine Bevorzugung von Windows CE für ihre neue Tegra-Plattform öffentlich zu bekunden. Das wäre allein durchaus schon verdächtig, aber der Grafikchip-Hersteller tut dies nicht ohne eine gehörige Prise Kritik an Android und Linux.

Mike Rayfield, der Manager von Nvidias Mobile Abteilung, hat unlängst im Interview mit Computerworld gegen Android und Linux geschossen. Auf die Frage, wie es denn mit Android auf Nvidias Tegra-Plattform aussähe antwortete er, dass man lieber auf Windows CE setze. Windows CE sei "milliardenfach verkauft", sei "ausgereift" und "grundsolide". Es wäre "sparsam im Speicherverbrauch" und biete ein "gutes Portfolio an Anwendungen".

Man arbeite zwar mit Google an einer Android-Anpassung, aber laut dem Nvidia-Manager ist Android für Handy-Bildschirme optimiert und nutzt zur Grafikausgabe das auch auf Mobiltelefonen relativ populäre Java, was es für Netbook-Bildschirme und Nvidia-Grafikbeschleunigung ungeeignet macht. Es sei "alles software, hardware-beschleunigung gibt es nicht". Diese Aussage verwirrt, da das Entwickeln eines Treibers, der die Grafik hardwarebeschleunigt (in diesem Falle beispielsweise über die Java OpenGL-API JOGL) eigentlich genau die Aufgabe eines Grafikchipherstellers ist - und dies Nvidia für Windows CE gerade zwangsläufig ebenfalls tun muss. Rayfield rechnet nicht mit einer konkurrenzfähigen Android-Version vor Mitte 2010.

Von Mobil-Flavors für Netbooks wie Moblin oder Ubuntu Netbook Remix hält Rayfield indes sogar noch weniger als von Android: "Die Welt hat die ersten Netbooks, die mit Linux veröffentlicht wurden, entschieden abgelehnt. Drucker haben nicht funktioniert, und Geräte wurden nicht erkannt. Die ganze Sache war eine Katastrophe" - wie er die ganzen Geräte unter Windows CE auf ARM zum Laufen bringen will, verrät Rayfield uns jedoch nicht. Denn mit den Treibern für x86-Windows funktionieren diese garantiert nicht. Und für CE gibt es keine - ganz im Gegensatz zu den zahllosen quelloffenen und problemlos auf ARM kompilierbaren Treibern für Linux.

Tegra integriert einen 750 MHz ARM-11-Kern als CPU mit Nvidia-Grafik, die für 3D sowie Video De- und Encoding zuständig sein wird. Laut Nvidia kann ein Tegra-Smartbook 10 Stunden HD-Filme abspielen und kommt sogar problemlos mit H.264-Video in der sehr rechenintensiven 1080p-Auflösung klar, bei der sogar viele Einzelkern-PC-CPUs über 3 GHz die Fahnen strecken. Interessant für die Filmindustrie dürften in diesem Zusammenhang Rayfields Aussagen bezüglich Bluray sein: "Es wird nicht lange dauern, bis es für Konsumenten normal sein wird, eine einzige Version in HD-Qualität mit sich herumzutragen um sie mit anderen zu teilen und auf großen Bildschirmen anzuschauen - statt ihre Bluray-Filme ständig neu zu rippen, um sie auf unterschiedlichen Geräten betrachten zu können."

Im Laufe des nächsten Jahres sollen von 27 Herstellern 42 Geräte mit Nvidia Tegra veröffentlicht werden, 26 davon sind zwischen Smartphone und Netbook angesiedelte so gennante Smartbooks oder Tablet-PCs. Nvidia erwartet, dass in nicht allzuferner Zukunft die Hälfte ihres Umsatzes mit Tegra erwirtschaftet werden wird. Anfang nächsten Jahres will Nvidia die nächste Tegra-Generation vorstellen, die viermal soviel Leistung bieten soll, 2011 soll dann elfmal soviel Leistung wie heute zur Verfügung stehen. Was Intel wohl davon hält?

Kommentar: Zum Gerücht, dass Microsofts nächste Zune-Generation mit Nvidia Tegra laufen wird wollte Rayfield nur soviel sagen: "Microsoft hat das nicht bestätigt. Bis sie sich dazu äußern, darf ich nichts sagen". Man kann somit wohl davon ausgehen, dass das Gerücht stimmt. Ob da eine Hand die andere wäscht, nach dem Motto: "Wir nehmen euren Chip und ihr singt Loblieder auf Windows CE"? Wenn Nvidia dann bald wie unlängst Asus der Microsoft-Anti-Netbook-Linux-Initiative "It's better with Windows" betritt wissen wir, woher der Wind weht. Die Nvidia-Konzernleitung trifft wohl gerade strategische Entscheidungen, denn dem Chiphersteller droht, zwischen Intel mit Larabee und AMD mit ATI aufgerieben zu werden: Sie haben keine CPU, um diese zusammen mit ihren Grafikchips als günstiges Gesamtpaket den PC-Herstellern zu anzubieten, auch Intels und AMDs Ansätze, um CPU und GPU zu verheiraten sind "den Grünen" damit verwehrt. Nvidia hat sicher keine Lust, wie Real zu enden: Windows hatte Windows Media, MacOS hatte Quicktime - Real hatte kein Betriebssystem, jeder Anwender musste den Player erst nachinstallieren, was der Firma im Endeffekt das Genick gebrochen hat. Wie gut wäre in einer solchen Situation ein starker Partner wie Microsoft, insbesondere wenn dieser nicht nur die eigenen Chips für ihren Zune kauft, sondern einem auch hilft, in einem neuen und erwartungsgemäß sehr wachstumsstarken Smartbook-Markt Fuß zu fassen.

Update: Im Zune-Podcast bestätigt Microsoft, dass der in Deutschland nicht verkaufte im Herbst kommende Zune HD mit Nvidia Tegra ausgestattet sein wird. Man sollte meinen, dass die beiden Firmen wenigstens eine Anstandswoche zwischen beiden Meldungen verstreichen lassen würden, damit es nicht gar so offensichtlich ist..

Auch Microsoft hat in diesem Bereich einen Partner dringend nötig, der Loblieder auf Windows CE singt. Denn anders als im x86-Netbook-Markt kann Microsoft dank der ARM-Architektur der Smartbooks weder einen gigantischen Softwarepool, noch eine Treiberunterstützung für nahezu jedes Gerät vorweisen - was bei x86 das Haupt-Argument für Windows ist. Linux im Gegensatz läuft dank quelloffenen und portabel programmierten Treibern und Software ohne weiteres auch auf ARM - und wird deshalb, zumindest laut Aussagen der Hersteller, im ARM-Umfeld bisher klar bevorzugt.

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Kommentare
Das Problem ist Microsoft
Harkai (unangemeldet), Montag, 22. Juni 2009 00:33:10
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Nvidia muss das tun. Wenn man nicht Microsoft 100%tige Loyalität zeigt, beendet schnell mal dieses Unternehmen Geschäftsbeziehungen. Also ich würde mir da nicht so große Gedanken machen. Hauptsache die Treiber für die Alternativsysteme werden gut, wenn es welche geben wird.


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Dem Nachwuchs fehlt die Neugier durch Übersättigung
Christof (unangemeldet), Samstag, 20. Juni 2009 22:32:11
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Wenn die Menschen seit über 100 Jahren mit derselben Tastatur auskommen, glaubt Ihr, man könnte Sie mit Vernunft von einem neuen Layout überzeugen? Nein! Und so ist es auch mit dem Betriebssystem. Allenfalls hat OSX eine Chance, weil es ebenfalls keine Auseinandersetzung mit der Materie voraussetzt. Es ist auch gut so, dann sind weiterhin wir Geeks unter uns, oder hat jemand von Euch wirklich Lust, allen Leuten zu helfen, die Ihren Computer nicht bedienen können? Es ist mir jedesmal ein echtes Festmahl, wenn ich auf die Frage „Du bist doch so ein Computer-Experte, ich habe da so ein Problem, mein Windows wird immer langsamer seit ich mal bei einem komischen EMail draufgeklickt habe“ wieder mal antworten darf: „Oh sorry Du, mit Windows kenn' ich mich gar nicht aus, frag' doch mal den Kollegen“ *fg*
Im gehetzten Zeitalter von Handy-, Youtube-, TV-, Games-, etc.-Dauerberieselung, wen wundert es da, dass wir in der IT-Branche Nachwuchsprobleme haben? Wenn etwas nicht funktioniert, kauft man sich eben was Neues, Fast Keiner hat mehr die Neugier und Geduld, sich mit dem Innenleben der Hard- und Software auseinanderzusetzen.
Und meine bisherige Einstellung „Möglichst Nvidia-Grafikkarten kaufen“ sollte ich wohl auch mal überdenken, was?


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nvidia nix gut denken
nixversteher (unangemeldet), Freitag, 19. Juni 2009 23:03:50
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habe ich nur so ein gefühl oder ist es tatsächlich so?

ich dachte früher dass es ausser windows nichts anderes geben würde dass man auf einem pc installieren könnte.
nun mache ich eine it-systemelektroniker umschulung und habe linux kennengelernt. ich finde open source ist nicht nur EINE gute sache, sondern eine RICHTIG gute sache. doch gleichzeitig merke ich dass sich irgendwie niemand so richtig traut der sache eine chance zu geben. die mitschüler in der klasse (bis auf ein bis zwei leute) bekommen regelrecht panik wenn jemand ein projekt mit einer linux distri macht. "NEIN lass uns blos in ruhe" heisst es, "da funktioniert eh nix, alles scheisse". immer wieder kann man die leute vom gegenteil übrzeugen. z.b. netzwerkdrucker installieren, system updates aktuallisieren, musik abspielen, bedienen des systems....... all diese dinge die mittlerweile wirklich simpel zu bewerkstelligen sind. richtig begeistert und gespannt schauen die sich das ganze an. aber niemand will sich so richtig damit auseinandersetzen. da kommen argumente wie : "bin froh dass ich mich mit windows auskenne! das reicht mir!"
und damit nicht genug. die leute versuchen es dann auch noch schlecht zu machen. nur weil die nichts neues dazulernen wollen und hoffen dass es auch niemand anderes tut, damit sich bloß nichts ändert.

bin irgendwie sauer und wollt mir nur luft machen.
die menschheit soll endlich umdenken. es muss/ darf nicht alles viel geld kosten was gut ist. meine meinung!
weiter so leute!


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Re: nvidia nix gut denken
L. Gabriel (unangemeldet), Samstag, 20. Juni 2009 09:38:08
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Es ist leider nicht nur so ein Gefühl, sondern eine traurige Tatsache, dass Faulheit, Arroganz und Ignoranz die meisten Menschen davon abhalten, sich neuen Dingen zu öffnen. Im Falle Opensource muss man hier allerdings auch differenzieren. Während Programme wie der Firefox von Mozilla, OpenOffice oder Gimp ganz gute Chancen haben den Desktop vieler Leute zu erreichen, ist es bei Linux mit seinen vielen Distributionen ungleich schwieriger. Bei einem Browser, dem eine hohe Komplexität fehlt, um simples Surfen im Internet zu ermöglichen oder einer Officesuite, die von der Oberfläche sehr an die seines kommerziellen Vorbildes von MS anknüpft, erfordert Linux in dessen Gegensatz ein grundsätzliches Umdenken. Da sich die meisten Nutzer an die Unzulänglichkeiten eines Windows gewöhnt haben, können sie mit denen ganz "bequem" leben. Dabei ist es nicht entscheidend, dass Windows nicht Opensource ist und dazu noch Geld kostet (welches es meiner Meinung nach nicht Wert ist). Linux, mit seinen eigenen Problemen, welche es zweifelsohne gibt, erfordert Überwindung seine Vorurteile, seine Faulheit und aber auch seine Gewohnheiten abzulegen und genau da scheitern die meisten. Es bedarf Zeit und den Willen zum Lernen um sich mit Linux zurechtzufinden, welche die wenigsten bereit sind aufzubringen. Zum Glück denken aber nicht alle so und so kann sich Linux und auch andere Opensource-Software weiter verbreiten. Stück für Stück. Man soll die Leute nicht zu ihren Glück zwingen und gerade in unserem Umfeld (ich mache gerade eine Ausbildung zum Informationselektroniker) wird die Ignoranz und Arroganz vielen sicherlich irgendwann zum Verhängnis. In diesem Sinne: Use Linux and have fun!!

laga


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Re: nvidia nix gut denken
Py Coder, Samstag, 20. Juni 2009 13:06:23
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Die meisten Leute die über Linux/Unix meckern kennen sich doch nicht mal mit Windows aus.

Beispiel:
Als die Meldung mit Win 7 ohne IE kürzlich erschien gab es z.B. im bei Winfuture knapp 470 Postings in denen Leute die angeblich Admin, Coder oder Windows Gurus sind, rumheulten das sie ohne Browser keinen Browser ziehen könnten. Als ich als einfache Lösung z.B. FTP Client (ausführen --- cmd --- ftp) nannte oder gar Explorer (Sofern Renderengine vorhanden) wurde blöd aus der Wäsche geguckt.

Moral von der Geschicht? Auf solche Sprücheklopfer hört man nicht!


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Re: nvidia nix gut denken
Dieter (unangemeldet), Montag, 29. Juni 2009 13:43:07
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Ich warte auf das android-Handy von huawei.
Eine Hardwarebeschleunigung wäre schön,
ist aber nach meiner Meinung nicht unbedingt
notwendig, da man Spiele üblicherweise am
PC spielt. Daß aber Win wieder bevorzugt wird,
nur weil man nicht willens ist, einen eignen
Treiber für ein android-Handy zu entwickeln,
stört mich natürlich an nvidia. Bisher gab es
immer sehr passable Linux-Treiber. Falls das
in Zukunft nicht mehr so sein sollte, würde ich
natürlich wieder auf ATI wechseln.
Irgendwelches Win Visual Basic CE Zeugs
von irgendwelchen Hausfrauen zusammengeclickt
kommt natürlich nicht auf mein Handy.
Wenn das die Zukunft sein soll, na dann
vielen Dank nvidia.



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