Neue Linux-Mint-Version mit Flatpak und verbesserter Anwendungsverwaltung

Neue Linux-Mint-Version mit Flatpak und verbesserter Anwendungsverwaltung

Linux Mint 18.3 veröffentlicht

Tim Schürmann
28.11.2017 Die Entwickler der Distribution Linux Mint haben eine neue Version freigegeben. Den Anfang machen die Ausgaben mit Cinnamon- und Mate-Desktop. Die größten Änderungen hat die Softwareverwaltung erfahren. Zudem unterstützt die Version 18.3 erstmals das Flatpak-Paketformat.

Die Anwendungsverwaltung (im Englischen Software Manager) sieht jetzt nicht nur moderner aus, sondern soll auch eine bessere User Experience bieten. Beliebte Software wie Spotify, Skype und Google Earth präsentiert sie besonders prominent in einem eigenen Bereich. Anwender sollen die Anwendungsverwaltung noch einfacher bedienen können, zudem präsentiert sie sich aufgeräumter und konsistenter. Bei der Gestaltung des Hauptfensters ließen sich die Entwickler von Gnome Software inspirieren.

Darüber hinaus reagiert die Anwendungsverwaltung jetzt deutlich flotter. Insbesondere sollen die angebotenen Kategorien und Apps unverzüglich zur Auswahl stehen. Zudem startet die Anwendung drei Mal schneller als zuvor. Möglich machen das verschiedene Umbauten unter der Haube, unter anderem nutzt die Anwendungsverwaltung nicht mehr Webkit. Das Backend haben die Entwickler auf AptDaemon portiert, zudem läuft die Anwendungsverwaltung im User Mode. Anwender müssen somit erst dann das Passwort eingeben, wenn sie ein Programm installieren oder entfernen möchten.

Flatpak

Erstmals unterstützt Linux Mint das Paketformat Flatpak. Die Anwendungsverwaltung bietet für die entsprechenden Programme einen eigenen Bereich. In ihm listet sie alle Programme aus den eingebundenen Flatpak-Repositories auf. Bereits standardmäßig eingerichtet ist das Flathub-Repository. Anwender dürfen weitere Flatpak-Repositories anmelden, die dann automatisch auch in der Anwendungsverwaltung auftauchen. Genau wie bei normalen Paketen können Nutzer die Flatpak-Anwendungen bewerten und kommentieren.

Im Gegensatz zu herkömmlichen DEB-Paketen laufen in Flatpaks ausgelieferte Anwendungen in einer abgeschotteten Umgebung. Auf diese Weise lässt sich sogar auf GTK 3.26 basierende Anwendungen ausführen, die normalerweise nicht mit dem in Mint verwendeten GTK 3.18 kompatibel sind.

Datensicherung

Komplett neu geschrieben und stark vereinfacht haben die Linux-Mint-Entwickler das Datensicherungswerkzeug (alias Backup Tool). Ab sofort sichert es ausschließlich das komplette Heimatverzeichnis des Nutzers. Alle Dateien wandern dabei in ein TAR-Archiv. Bei der Wiederherstellung landen die Dateien an ihren ursprünglichen Plätzen, wobei das Tool alle Rechte und Zeitstempel beachtet. Da das Datensicherungswerkzeug im User Mode läuft, ist die Eingabe des Passworts nicht mehr erforderlich.

Mit dem Datensicherungswerkzeug lässt sich auch weiterhin eine Liste mit den installierten Softwarepaketen sichern. Anhand dieser Liste kann das Tool im Fall der Fälle oder aber auf einem anderen System die Softwareauswahl wiederherstellen. Anwender durften bislang auch explizit Pakete abwählen beziehungsweise von der Liste nehmen. In Linux Mint 18.3 stellt das Datensicherungswerkzeug keine einzelnen Pakete, sondern nur noch die kompletten Anwendungen zur Wahl. Damit soll sich der Anwender nicht mehr durch tausende Pakete wühlen müssen.

Neu in Linux Mint 18.3 ist das Werkzeug Timeshift, mit dem sich regelmäßig Snapshots des kompletten Systems anlegen lassen. Explizit ausgenommen ist das Heimatverzeichnis, um das sich das bereits erwähnte Backup Tool kümmert. Timeshift behält dabei ältere Snapshots: Sollte man versehentlich eine Systemdatei gelöscht oder eine Konfigurationsdatei zerschossen haben, kann man mit Timeshift einfach eine ältere Version wiederherstellen. Timeshift hilft auch nach einer fehlgeschlagenen Softwareaktualisierung.

System Reports

Sollte eine Software abstürzen, sammelt ein neues Tool namens System Reports entsprechende Informationen ein und erstellt entsprechende Reports. Darüber hinaus präsentiert das Werkzeug sogenannte Information Reports, mit denen das Linux-Mint-Team unter anderem auf problematische Hardware hinweist.

Xapps

Der Editor Xed bietet jetzt eine Minimap, die am rechten Fensterrand erscheint und eine Miniaturdarstellung des kompletten Textdokuments anzeigt. Dies soll die Navigation erleichtern.

Des Weiteren haben die Entwickler die Werkzeugleiste des PDF-Viewers XReader leicht umgebaut und verbessert. XReader erkennt jetzt zudem die Auflösung des Monitors und stellt Dokumente auf Wunsch in ihrer tatsächlichen Größe dar. Eine DIN-A4-Seite ist dann auf dem Monitor genau so groß, wie ein reales DIN-A4-Blatt.

Weitere Neuerungen

Der Anmeldebildschirm lässt sich jetzt noch detaillierter an die eigenen Bedürfnisse anpassen, LDAP-Nutzer können die Liste mit allen Benutzern ausblenden und gegen ein Eingabefeld eintauschen.

Linux Mint 18.3 installiert standardmäßig Redshift, das die Farbtemperatur des Bildschirms passend zur Tageszeit anpasst. Insbesondere in den Nachtstunden soll dies ein augenschonenderes Arbeiten ermöglichen.

Den Upload Manager (mintupload) und den Domain Blocker (mintnanny) installiert Linux Mint nicht mehr standardmäßig. Der PIA-Manager für PIA-VPN-Verbindungen läuft jetzt im User Mode.

Der Kernel werkelt im Hintergrund in der Version 4.10.0-38.

Cinnamon 3.6

Die Cinnamon-Edition von Linux Mint 18.3 bringt die aktuelle Version des Cinnamon-Desktops mit. Dieser unterstützt erstmals die GNOME Online Accounts. Anwender können so unter anderem aus dem Dateimanager Nemo heraus auf Google Drive und Owncloud zugreifen.

Des Weiteren nutzt Cinnamon 3.6 ab sofort auch Libinput zur Ansteuerung von Touchpads. Die Einstellungen für Cinnamon Spices (Applets, Desklets, Extensions und Themes) erstrahlen in neuem Glanz - unter anderem können Anwender die Applets direkt in die Panels setzen.

Die Größe der virtuellen Tastatur lässt sich anpassen und am oberen oder unteren Rand platzieren. Den AT-SPI-Support haben die Entwickler verbessert. Dank dieser Technik öffnet sich die virtuelle Tastatur automatisch, sobald der Anwender in ein Eingabefeld klickt.

Alle weiteren Neuerungen listen die offiziellen Ankündigungen der Cinnamon-Edition und der Mate-Edition auf. Linux Mint 18.3 unterstützten die Entwickler bis 2018 mit Updates. Als Basis dient wie schon bei den Vorversionen der 18er-Versionsreihe Ubuntu 16.04.

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