Neue Klage bei der EU-Kommission gegen Microsoft

Neue Klage bei der EU-Kommission gegen Microsoft

Holländischer Software-Händler klagt

Britta Wülfing
01.12.2008 Der niederländische Software-Händler HW Trading hat bei der Europäischen Kommission Klage wegen Wettbewerbsverzerrung und Missbrauchs der Marktposition eingereicht. Die Begründung: Microsoft berechne im europäischen Markt seit Jahren wesentlich höhere Preise als in den USA.

Wie die niederländische Nachrichtenplattform Webwereld berichtet, haben die Anwälte des Unternehmens im Namen des Inhabers, Samir Abdalla, Klage wegen Verstoß gegen Artikel 81 und 82 des Europäischen Vertrags eingereicht. Laut dem Bericht war allerdings zunächst Abdalla der Beschuldigte: Microsoft hat den Händler im US-amerikanischen Kalifornien wegen illegalem Lizenzverkauf verklagt. Streitwert: Rund 3,4 Millionen US-Dollar.

Nun holt der Händler zum Gegenschlag aus und setzt dabei auf die Abteilung der Europäischen Kommission, die der Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes untersteht. Kroes setzt sich im Namen ihrer Behörde öffentlich immer wieder für offene Standards ein, und die Europäische Kommission hatte Microsoft in der Vergangenheit schon zu Strafen in Millionenhöhe verurteilt.

Der Unternehmer Abdalla meint jedenfalls, für einen erneuten Verstoß ausreichend Belege vorlegen zu können: Er habe Microsofts Händlerpreislisten in den Jahren 2004 bis 2008 in Europa mit US-amerikanischen Preisen verglichen und dabei festgestellt, dass der Konzern für das selbe Produkt in Europa zwischen 30 und 50 Prozent mehr verlange. Weil Microsoft einen Marktanteil von rund 95 Prozent bei Office-Produkten in Europa halte, sei dies auch als Mißbrauch einer marktbeherrschenden Stellung zu werten, meinen auch seine Anwälte in dem Artikel.

Weil die Marktverhältnisse in den USA und Europa vergleichbar wären, könnte Microsoft sich in diesem Fall auch nicht auf besondere Umstände wie beispielsweise niedrigere Lohnkosten berufen, so zitiert das Nachrichtenportal die Rechtsauffassung des streitbaren Unternehmers. Wechselkursschwankungen könne Microsoft auch nicht ins Feld führen, da auch die europäischen Preislisten in US-Dollar geführt wurden. Auch die so genannte Anti-Piraterie-Regelung, wegen der Abdalla in den USA vor Gericht steht, betrachtet der Unternehmer als Versuch von Microsoft, den legalen Parallelhandel zu unterbinden. Ein weiteres Argument der Kläger: Microsoft verbiete seinen Distributoren, das Betriebssystem separat auf CDs und DVDs zu verteilen, so dass die Konsumenten beim Kauf eines neuen Rechners die bisherige Lizenz nicht wieder verwenden könnten. All dies hält Abdalla für verschiedene Formen von wirtschaftlichem Missbrauch.

Ob der Europäischen Kommission der Argumentation folgt und tatsächlich einen gravierenden Nachteil für europäische Bürger und Unternehmen sieht, bleibt abzuwarten. Auf die Klage von Microsoft gegen HW Trading in den USA hat dies wohl keinen Einfluss.

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Kommentare
Hoffentlich hat das bald ein Ende
Zettmaster (unangemeldet), Mittwoch, 24. Dezember 2008 20:01:34
Ein/Ausklappen

Schon 2 Jahre lang benutzen in unserer Familie alle freie Betriebssysteme und deren kostenfreie Software.

Die künstlichen Monopole kommen schon mit dem Verkauf von Computern mit vorinstalliertem Windows.

Der Kunde kann einfach nicht sein Wunschsystem mit passendem Betriebssystem wählen, und wird immer gezwungen Windows zu benutzen.

Dreist erscheint mir die Verkäufe zu zählen obwohl viele Windows sofort wieder vom Rechner entfernen. Das es in Europa heute immer noch möglich ist so ein Monopol zu halten ist schlichtweg der grösste Skandal der Neuzeit.

Ein Wettbewerb kann unter diesen Umständen nicht stattfinden und die Entwicklung wird durch Profitgier verhindert.

Viele Menschen werden in dem Glauben gelassen, das Microsoft only das Betriebssystem stellt. Das Produkt an sich ist nicht besser als die Konkurenz aus der Linux oder MAC Welt.

Die Politik muss hier einfach handeln um diesen Missstand in der freien Marktwirtschafft zu beseitigen. Ich hoffe meine Kinder werden
es irgenwann erleben freie Software als für jeden zugängliche Standarts zu benutzen.

Vielen Dank!







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