Nach Wechsel: Interview mit Chris Schläger

Nach Wechsel: Interview mit Chris Schläger

Chris Schläger, langjähriger Suse-Chefentwickler und KDE-Entwicker, wechselte zum 1. April zum amerikanischen Hardwarehersteller AMD. Anläßlich der Meldung, dass AMD ein neues Kompetenzzentrum für Betriebssysteme gründet, führte die Redaktion der Linux-Community (LC) ein Gespräch zu den Hintergründen seines Wechsels und den künftigen Plänen von AMD.

LC: Wenn man die Entwicklung der ehemaligen Suse-Mitarbeiter nach der Übernahme von Novell betrachtet*, stellt sich uns natürlich die Frage, warum nun auch Sie Novell verlassen haben…

Chris Schläger:(lacht) Ich habe vor sechs Jahren bei Suse angeheuert. Mit dem Verkauf vor zwei Jahren hatte ich einen neuen Arbeitgeber, bei dem sich naturgemäß viele Dinge geändert haben. Ich war weiterhin verantwortlich für Suse Linux, den Suse Enterprise Server und OpenSuse. Nach so vielen Jahren Verantwortlichkeit für Distributionen wurde es Zeit für eine neue Herausforderung.

LC: Im Herbst 2005 gab es eine breite Diskussion, als Novell zunächst ankündigte, KDE nicht mehr offiziell zu unterstützen. Inwieweit hat diese Diskussion bei Ihrer Entscheidung eine Rolle gespielt?

Schläger: Die Frage kommt sicher wegen meiner Arbeit für KDE, hat aber für meinen Weggang von Novell keine ausschlaggebende Rolle gespielt. Natürlich war ich über die Entscheidung damals nicht glücklich, aber dies war sicher nicht der Grund für einen Wechsel.

Die Diskussion um Gnome und KDE hat ja auch immer etwas mit Ressourcen zu tun. So war es für Suse als deutsches Unternehmen leichter, Mitarbeiter für KDE zu finden. Umgekehrt ist es für ein amerikanisches Unternehmen natürlich einfacher, Gnome zu unterstützen.

LC: Nach den heftigen Reaktionen war Novell zurückgerudert und hatte sich dazu verpflichtet, weiterhin gleichberechtigt Gnome und KDE zu unterstützen. Haben Sie das Gefühl, dass Novell zu dieser “Pro-KDE”-Entscheidung steht?

Schläger: Ja, auf jeden Fall. Auch in Suse Linux 10.1 ist KDE wieder gut vertreten. Durch die Diskussion im letzten Jahr ist die Distribution letztlich einfach balancierter, ausgewogener. Novell leistet keine schlechte Arbeit.

LC: Werfen wir einen Blick in Ihre Zukunft bei AMD. Welche Schwerpunkte werden Sie in Ihrer neuen Arbeit setzen?

Schläger: Die Arbeit wird sich in erster Linie auf Kernel-Ebene abspielen. Glibc, Debugger, zum Beispiel, alles was hardwarenah eine Rolle spielt. Dabei ist Virtualisierung natürlich ein Thema, aber sicher werden wir nicht in höher liegenden Schichten arbeiten.

LC: Welche Möglichkeiten sehen Sie, Linux und KDE bei Ihrem neuen Arbeitgeber voranzutreiben?

Schläger: Das ist ja ein völlig neues Thema für AMD, daher kann man jetzt noch keine Langzeitprognosen abgeben. Aber wir beginnen sofort mit der Arbeit, denn moderne Betriebssysteme sind ein wesentlicher Erfolgsfaktor für Hardwarehersteller. Die Hardware wird durch gute Anpassungsarbeit ja auch attraktiver für den Markt.

LC: Welche weiteren Betriebssysteme werden in dem neuen Kompetenzzentrum ein Thema?

Schläger: Alle modernen Betriebssysteme sind für einen Hardwarehersteller wichtig, und mit meinem Aufgabenbereich wird Linux insbesondere berücksichtigt.

LC: In welchem Ausmaß werden Ihre Arbeitsergebnisse direkt in die Hardwareprodukte von AMD einfließen?

Schläger: Der Linux-Kernel wird sicher nicht implementiert, aber die Schnittstellenanpassung wird auf jeden Fall verbessert. Die Virtualisierungstechnologie wandert zunehmend von der Software auf die Hardware, das ist ein wichtiges Thema. Die Betriebssysteme haben zunehmend ähnliche Anforderungen an die Hardware, die in neuen CPUs noch besser unterstützt werden sollen.

*(die Linux-Community berichtete)

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