"Wenn du ein Linux-Video-Hacker bist, dann stehen dir beim Begriff 'PowerVR' vermutlich die Haare zu Berg, und das hat einen guten Grund" , schreibt Shawn Powers vom Linux Journal. "Die Leute, die sich mit de Kernel-Entwicklung, X.org und dem Paketmanagement bei den Distributoren beschäftigen, haben zum Thema GMA500 alle das Gleiche zu sagen -- Worte, die sich für einen Firmenblog nicht eignen."
Was Shawn Powers und eine Reihe von Kernel-Entwicklern sowie Linux-Nutzern derart in Rage bringt ist nichts anderes, als ein Grafikchip der Firma PowerVR, den Intel unter der Bezeichnung GMA500 beziehungsweise dem Namen "Poulsbo" vertreibt und der sich in der Regel in Geräten mit dem Atom-Prozessor der Z-Serie befindet, zum Beispiel im Fit-PC2 unserer Sommer-Spezial-Kandidatin Sandy Magasch oder im Acer Aspire One 751h, Dell Inspiron Mini 10 (ohne v) und einigen weiteren Geräten. Das Gespann Atom Z und Poulsbo ist auch unter dem Namen Menlow bekannt.
Beim GMA500 handelt es sich nich um einen per se schlechten Grafikchip, die Krux liegt bei der britischen Firma Imagination Technologies, die den Chip produziert und sich weigert, dafür Treiber unter einer freien Lizenz zur Verfügung zu stellen. So stammen die "aktuellen" Treiber aus dem letzten Jahr und lassen sich eher schlecht als recht in aktuelle Distributionen integrieren, von neuen Features oder ähnlichem ganz zu schweigen. Ähnliche Probleme sind Benutzern von Grafikkarten des Typs Kyro II bekannt. Auch diese Hardware stammt von Imagination Technologies.
Viele Linux-Nutzer finden sich deshalb durch diese "Intel"-Grafik versetzt und fordern Intel auf, dafür endlich freie und brauchbare Treiber zur Verfügung zu stellen.
Fahrradteile sind nicht für Autos gedacht
Der Hardware-Riese nimmt nun im Moblin-Blog moblinzone.com zu den Vorwürfen Stellung und betitelt den Eintrag mit: "Intel dafür beschuldigen, wie die Welt ist". Er zeigt eine Welt auf, in der es PCs und Geräte (Devices) gibt und versucht zu erklären, dass beim PC-Markt der frei verfügbare Treiber wichtig sei, sich bei den Geräten (gemeint sind wohl MIDs und spezielle Geräte wie das Mini 10 von Dell) sich hingegen niemand darum scheren würde, ob ein Treiber frei sei oder nicht. Intel habe die Poulsbo-Grafik nie für PCs geplant und könne deshalb nichts dafür, wenn gewisse Hersteller Menlow in PCs verbaue. Die gleiche Grafik befinde sich auch in zahlreichen Handys: hier habe sich bislang niemand beklagt, weil es halt kein PC sondern ein Device sei.
Weiter nimmt der Blogeintrag die proprietären Treiber in Schutz und weist auf ein zweites Minenfeld aus Open-Source-Sicht hin: Die geschlossenen Treiber würden den Hersteller vor allfälligen Patentklagen schützen, gerade kleinere Firmen könnten sich deshalb gar keine Open-Source-Treiber leisten.
Der Blog-Eintrag gibt zwar zu, dass es nicht unbedingt eine gute Idee gewesen sei, die eigentlich komplett unterschiedlichen Platformen Menlow (Atom Z) und Diamondvill (Atom N) beide als Atom-CPUs zu verkaufen, aber das sei halt nun mal Gang und Gäbe im Geschäft. Er nimmt zudem die Entscheidung Intels auf diesen Grafikchip zu setzen, in Schutz, da die Poulsbo-Grafik ein absolus unschlagbares Preisleistungsverhältnis biete und selbst bei Geräten ohne Lüfter in der Lage sei, HD-Inhalte wiederzugeben, eine Aufgabe, die Intel mit seinen eigenen Grafikchipsätzen nicht fertig bringe.
Schuld für die Probleme sind -- laut Blogeintrag -- die Linux-Nutzer. Als Linux-Nutzer müsse man sich halt vor dem Kauf eines Geräts etwas besser erkundigen und so viele Poulsbo-Systeme gäbe es nun auch wieder nicht. Wer bereits eines gekauft habe, müsse halt mit einer der Distributionen und Versionsnummern vorlieb nehmen, für die es Treiber gäbe: Ubuntu und Mandriva sind bislang die einzigen, die den Chip offiziell unterstützen.



