Schuld ohne Sühne

Moblinzone-Blog: Intel kann nichts für Poulsbo-Grafik

Moblinzone-Blog: Intel kann nichts für Poulsbo-Grafik

Marcel Hilzinger
29.10.2009 Wer ein Notebook kaufen möchte, dessen Grafik unter Linux keine Probleme bereitet, kauft am besten ein Gerät mit integrierter Intel-Grafik -- zu Hause kommt dann unter Umständen das große Erwachen.

"Wenn du ein Linux-Video-Hacker bist, dann stehen dir beim Begriff 'PowerVR' vermutlich die Haare zu Berg, und das hat einen guten Grund", schreibt Shawn Powers vom Linux Journal. "Die Leute, die sich mit de Kernel-Entwicklung, X.org und dem Paketmanagement bei den Distributoren beschäftigen, haben zum Thema GMA500 alle das Gleiche zu sagen -- Worte, die sich für einen Firmenblog nicht eignen."

Was Shawn Powers und eine Reihe von Kernel-Entwicklern sowie Linux-Nutzern derart in Rage bringt ist nichts anderes, als ein Grafikchip der Firma PowerVR, den Intel unter der Bezeichnung GMA500 beziehungsweise dem Namen "Poulsbo" vertreibt und der sich in der Regel in Geräten mit dem Atom-Prozessor der Z-Serie befindet, zum Beispiel im Fit-PC2 unserer Sommer-Spezial-Kandidatin Sandy Magasch oder im Acer Aspire One 751h, Dell Inspiron Mini 10 (ohne v) und einigen weiteren Geräten. Das Gespann Atom Z und Poulsbo ist auch unter dem Namen Menlow bekannt.

Beim GMA500 handelt es sich nich um einen per se schlechten Grafikchip, die Krux liegt bei der britischen Firma Imagination Technologies, die den Chip produziert und sich weigert, dafür Treiber unter einer freien Lizenz zur Verfügung zu stellen. So stammen die "aktuellen" Treiber aus dem letzten Jahr und lassen sich eher schlecht als recht in aktuelle Distributionen integrieren, von neuen Features oder ähnlichem ganz zu schweigen. Ähnliche Probleme sind Benutzern von Grafikkarten des Typs Kyro II bekannt. Auch diese Hardware stammt von Imagination Technologies.

Viele Linux-Nutzer finden sich deshalb durch diese "Intel"-Grafik versetzt und fordern Intel auf, dafür endlich freie und brauchbare Treiber zur Verfügung zu stellen.

Fahrradteile sind nicht für Autos gedacht

Der Hardware-Riese nimmt nun im Moblin-Blog moblinzone.com zu den Vorwürfen Stellung und betitelt den Eintrag mit: "Intel dafür beschuldigen, wie die Welt ist". Er zeigt eine Welt auf, in der es PCs und Geräte (Devices) gibt und versucht zu erklären, dass beim PC-Markt der frei verfügbare Treiber wichtig sei, sich bei den Geräten (gemeint sind wohl MIDs und spezielle Geräte wie das Mini 10 von Dell) sich hingegen niemand darum scheren würde, ob ein Treiber frei sei oder nicht. Intel habe die Poulsbo-Grafik nie für PCs geplant und könne deshalb nichts dafür, wenn gewisse Hersteller Menlow in PCs verbaue. Die gleiche Grafik befinde sich auch in zahlreichen Handys: hier habe sich bislang niemand beklagt, weil es halt kein PC sondern ein Device sei.

Weiter nimmt der Blogeintrag die proprietären Treiber in Schutz und weist auf ein zweites Minenfeld aus Open-Source-Sicht hin: Die geschlossenen Treiber würden den Hersteller vor allfälligen Patentklagen schützen, gerade kleinere Firmen könnten sich deshalb gar keine Open-Source-Treiber leisten.

Der Blog-Eintrag gibt zwar zu, dass es nicht unbedingt eine gute Idee gewesen sei, die eigentlich komplett unterschiedlichen Platformen Menlow (Atom Z) und Diamondvill (Atom N) beide als Atom-CPUs zu verkaufen, aber das sei halt nun mal Gang und Gäbe im Geschäft. Er nimmt zudem die Entscheidung Intels auf diesen Grafikchip zu setzen, in Schutz, da die Poulsbo-Grafik ein absolus unschlagbares Preisleistungsverhältnis biete und selbst bei Geräten ohne Lüfter in der Lage sei, HD-Inhalte wiederzugeben, eine Aufgabe, die Intel mit seinen eigenen Grafikchipsätzen nicht fertig bringe.

Schuld für die Probleme sind -- laut Blogeintrag -- die Linux-Nutzer. Als Linux-Nutzer müsse man sich halt vor dem Kauf eines Geräts etwas besser erkundigen und so viele Poulsbo-Systeme gäbe es nun auch wieder nicht. Wer bereits eines gekauft habe, müsse halt mit einer der Distributionen und Versionsnummern vorlieb nehmen, für die es Treiber gäbe: Ubuntu und Mandriva sind bislang die einzigen, die den Chip offiziell unterstützen.

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Kommentare
Kleine Berichtigung
Christian Berg, Freitag, 30. Oktober 2009 09:44:22
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Der Blog-Eintrag war zwar auf Moblin-Zone, jedoch weder eine Presse Statement von Intel, noch von einer Person von der man Annehmen kann das sie Ihren Gehalt von Intel bezahlt bekommt.

Von Intel gibt es sozusagen bis jetzt keine offizielle Meinung.

Das Intel sich schämt ein Rebranding eines Grafikchip eines Drittherstellers durchzuführen verstehe ich.

Wäre ich ein Milliarden Doller schwerer Konzern, der genug Ressourcen hat um CPUs für jede Lage aus den Arm zu schütteln, wäre ich auch beschämt wenn ich seit Jahren erfolglos versuche leistungsstarke GPUs zu bauen und nun von einem Kleinunternehmer zukaufen muss.

Die Frage ist nun: Muss Intel nun dafür gerade stehen, wenn die PowerVR GPUs hoch toxisch für ihren Moblin Unterbau sind?

Klare Antwort: Ja! Jeder Hersteller der ein Fremdprodukt unter eigenen Namen verkauft übernimmt automatisch die volle Haftung.

Was eben wirklich traurig ist: Moblin steht nicht auf der Liste der kompatiblen Linuxe. Sollte Poulsbo nicht für Moblin-MIDs gedacht sein?




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Re: Kleine Berichtigung
Sturmflut (unangemeldet), Freitag, 30. Oktober 2009 10:19:48
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> Was eben wirklich traurig ist: Moblin steht nicht auf der Liste der
> kompatiblen Linuxe. Sollte Poulsbo nicht für Moblin-MIDs gedacht
> sein?

Hatte Ich ja weiter unten schon geschrieben, genau das ist der Fall. Auf der Moblin-Mailingliste gabs nicht nur einmal Rufe nach einem Poulsbo-Treiber.

Theorie: Die Strategie "Langsamer Atom mit Poulsbo für MIDs und schnellerer Atom mit GMA950 für Netbooks" ist nicht aufgegangen. Statt dessen setzen Netbooks mit langer Laufzeit auf Poulsbo, und die Atom-MIDs sind zu teuer und laufen überhaupt nicht.

Irgendwo dazwischen hat sich Intel wohl verzettelt, muss erst mal die Hardware in Ordnung bringen um sich gegen Mobilfunk-Technik auf ARM-Basis zu wehren und hat für solche "Details" keine Zeit mehr. Man muss ja unbedingt auf allen Feldern aktiv sein und "nebenbei" noch Chips für WiMax, WLAN, Bluetooth und allen anderen Mist entwickeln...


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Und schon passierts
js (unangemeldet), Donnerstag, 29. Oktober 2009 20:49:23
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Jetzt wäre AMD am zug, AMD könnte diese Situation gnadenlos ausnutzen.. ( So wie schon mal zu P4 Zeiten) Und dies zu recht!
Durch den kauf von ATI hat AMD einfach die bessere Position und Möglichkeit..
Intel ist nicht in der Lage selbst gute Grafikchips zu bauen??!!
AMD/ATI schon! Jetzt will ich ein AMD ULV Prozessor sehen mit ATI Grafik...


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Für mich ist die Sache klar, denn:
Johannes Hoffmann, Donnerstag, 29. Oktober 2009 13:31:11
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"Wer sich rechtfertigt gibt zu, dass er schuld hat."


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FULL ACK
Daniel Gultsch, Donnerstag, 29. Oktober 2009 09:57:47
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"Als Linux-Nutzer müsse man sich halt vor dem Kauf eines Geräts etwas besser erkundigen"
Diesem Satz geb ich hiermit mal full ACK. Denn nur wenn man das macht kann sich der Markt von alleine regeln. Angebot und Nachfrage. Nur weil es Leute gibt die Schrott kaufen wird Schrott produziert.
Eigentlich kann man das auch mal auf alle Produkte ausweiten. Von der Milch über den Kaffee bis hin zur Grafikkarte.


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Re: FULL ACK
Sturmflut (unangemeldet), Donnerstag, 29. Oktober 2009 10:30:11
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Das würde ich gelten lassen, wenn Intel beim Atom nicht eine absolut konfuse Politik in Hinblick auf Bezeichnung und Labels fahren würde und die Hersteller nicht teilweise in der gleichen Modellserie unterschiedliche Technik verbauen würden.

Beispiel: Das Dell Mini 10, gerade die zwei teureren Modelle haben den GMA500.

Der GMA500 kommt gerade bei Netbooks mit langen Laufzeiten zum Einsatz.

Die Aussage "So viele Modelle mit Poulsbo gibts ja nicht" ist übrigens ein Schlag ins Gesicht, allein Geizhals listet bis 12 Zoll über alle Hersteller 21 Modelle (http://geizhals.at/deutschl...ieren+&bl1_id=100&xf=)


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Re: FULL ACK
geograf (unangemeldet), Montag, 01. Februar 2010 22:16:53
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"konfus" ist gut - ich bin maßlos enttäuscht von Intel!

Zu Weihnachten habe ich mir ein Netbook gegönnt, das von vornherein unter Linux laufen sollte. Dann bin ich ausgerechnet bei einen Dell Mini 10 (ohne v) gelandet. Ich dachte eigentlich ich kann nichts falsch machen: Die HW hat durchweg gute Kritiken - und ist auch wirklich gut!
Alles Intel, was unter Linux gewohnheitsmäßig (sehr) gut untertützt ist, last not least bietet Dell sogar ein eigenes Linux für den Mini 10v an. - Ich kaufe also das vermeintlich bessere Modell, und lande mitten in dieser Poulsbo-S*****e

Ich könnte diesem unverschämten Intel-Heini mit nacktem A**** ins Gesicht springen, denn ich HABE mich vorher informiert. Gerade von Intel war das aber so nicht zu erwarten. Ich fühle mich regelrecht reingelegt!
Wenn die meinen, es könne auch ein gescheiter Closed-Source-Treiber sein, bitte - warum nicht? Bei NVIDIA und Co kennen wir das seit Jahren auch nicht anders - ABER DANN HER DAMIT!
Ich fürchte aber, außer weiterem dummen Geschwätz kommt da von Intel nichts mehr in der Sache..

Nach ettlichem Ringen habe ich jetzt den Treiber unter Ubuntu Karmic UNR mit einem angepassten Kernel am laufen (sogar Tuxracer läuft spielbar!) Aber ausgerechnet die Suspend to Disk und Suspend to RAM-Modi sind "known Bugs" Gerade für ein Netbook ist die aber schlicht unverzichtbar. Dann ist das Ding aber auch nicht wirklich stabil, es gibt immer wieder Hänger/Abstürze

Ach ja, sonst läuft nur der VGA-Treiber mit 800x600 in Zeitlupe. Also gibt's de facto keine Alternative zum besch*** Poulsbo-Treiber auf dieser HW .

Ein betroffener Intel Kunde
PS: Nichts gegen die HW! Der Dell Mini10 ist wirklich gut! Nur wird er sein Leben als Windows-Rechner weiterführen. Dafür gibt's natürlich einen TOP-GMA500-Treiber direkt auf der Intel Website...


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So ein Quatsch mit Soße.
Karl Schlosser (unangemeldet), Donnerstag, 29. Oktober 2009 09:13:13
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Selten so einen Mist gelesen. Intel will einfach nicht zugeben dass die eigene Grafiksparte nicht in der Lage ist einen Block zu entwickeln der die Anforderungen bezüglich Stromaufnahme erfüllt, man daher bei PowerVR auf Einkaufstour gehen musste und die Konsequenzen draus verpennt hat.

Die Argumentation fährt sich doch selbst gegen die Wand: Menlow ist für MIDs gedacht und Intel entwickelt mit Moblin selbst eine Linux-Distribution für genau diese Geräte. Moblin ist laut Aussage von Intel vollständig offen. Und nun ratet mal was fehlt? Der Poulsbo-Treiber.


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