Mandriva findet neue Investoren, Pleite offenbar abgewendet

Mandriva findet neue Investoren, Pleite offenbar abgewendet

Ende der Zitterpartie?

Jörg Luther
23.06.2010 Der seit Monaten am Rand der Zahlungsunfähigkeit lavierende Distributor Mandriva SA ist dem Insolvenzgericht offenbar gerade noch einmal von der Schippe gesprungen: Wie Mandriva-CEO Arnaud Laprévote bekannt gab, hat das Unternehmen jetzt endlich neue Geldgeber gefunden.

"Die Gesellschaft hat Investoren gefunden, die Kapital in das Unternehmen einbringen wollen, um die Finanzen auszugleichen und ein erfolgversprechendes Geschäftsmodell zu entwickeln.", sagte Laprévote gestern dem französischen Branchendienst Le Mag IT in einem Interview. "Die Community und die Anwender müssen sich also keine Sorgen mehr machen." Allerdings äußerte sich Laprévote in dem Gespräch weder dazu, wie das neue Geschäftsmodell aussehen soll, noch zur Identität der Investoren. Auch mit einer offiziellen Bekanntgabe hält sich Mandriva bislang zurück.

Nach Informationen aus unternehmensnahen Quellen, die LinuxUser vorliegen, dürfte es sich bei den neuen Teilhabern aber nicht um das lange als Favorit gehandelte, große französische Systemhaus Linagora handeln, das bereits mit relativ klaren Vorstellungen über die mögliche Zukunft von "Mandragora" (Mandriva + Linagora) an die Öffentlichkeit getreten war. Für ein Platzen der Übernahmeverhandlungen mit Linagora spricht auch die Tatsache, dass Mandriva SA sich diese Woche außerstande sah, LinuxUser auch nur einen vagen Termin für das Release der seit Wochen technisch fertigen, aber bislang für ein Rebranding durch den neuen Eigentümer zurückgehaltenen Mandriva 2010.1 Spring zu nennen. Das eigentlich schon für den 3. Juni vorgesehene neue Release sollte auf die Heft-DVD von LinuxUser 08/2010, wozu bis spätestens 1. Juli ein ISO-Abbild hätte vorliegen müssen. Mandriva mochte jedoch ein rechtzeitiges Erscheinen nicht zusichern. Ob Mandriva 2010.1 nach der Einigung nun doch noch diesen Monat erscheinen wird, ist bislang unklar.

Von der neuen Entwicklung zeigt sich die internationale Mandriva-Community, die vor wenigen Tagen mit einem offenen Brief vom ihrem Distributor eine Stellungnahme über die Zukunft insbesondere des Community-Supports dringend erbeten hatte, fürs Erste beruhigt. "Natürlich ist über die Absichten der neuen Investoren nichts bekannt. Ich gehe aber davon aus, dass der Status quo von Mandriva und Mandriva Linux erhalten bleibt", meint Wolfgang 'wobo' Bornath von der deutschen Community-Website MandrivaUser.de. "Darauf lässt die Tatsache schließen, dass es sich hier nicht um eine Übernahme oder aktive Beteiligung handelt, sondern 'nur' um eine Investition."

Bornath erwartet aber möglicherweise eine Veränderung der Mandriva-Produktpalette, insbesondere den Abschied vom seiner Meinung nach zu kostenintensiven Box-Produkt Mandriva Powerpack. "Fraglich ist, ob und inwieweit sich das Management unter dem Einfluss der neuen Investoren zu tatsächlich wirksamen Änderungen der Geschäfts- und Produktpolitik durchringen wird oder ob wir in zwei bis drei Jahren wieder vor der gleichen Situation stehen werden wie jetzt", fasst er die Zweifel der Community zusammen.

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