MEPIS 8

MEPIS 8 - KDE-Sorglos-Debian

MEPIS 8 - KDE-Sorglos-Debian

Benjamin Quest
27.02.2009 Dies ist kein objektiver Test, es ist lediglich ein (positiver)Erfahrungsbericht.

MEPIS oder SimplyMEPIS [1] ist seit Jahren eine meiner wirklichen Favoritendistributionen. Nach einem längeren Abstecher ins Kubuntu-Land (7.10) bestand trotzdem das Bedürfnis doch mal wieder was „frisches“ auf die Platte zu bekommen. KDE 4 finde ich vielversprechend, innovativ und auf lange Sicht absolut notwendig, nichtsdestotrotz brauche ich jetzt eine Distribution, die noch einmal das „gute alte“ KDE 3.5 anbietet, einfach, weil ich derzeit keine Zeit zum fummeln habe und einfach mit möglichst wenig Aufwand eine Generalauffrischung will. Kubuntu 7.10 hatte bis zuletzt die unausrottbare Eigenart, hin und wieder unreproduzierbar eine Vollbremsung hinzulegen (freeze), zudem ruhte es auf einer Partition, die zu klein für ein nahtloses Upgrade auf 8.04 war. Die 8.04 von CD wiederum brauchte zur Installation WLAN-Fummelei, auf die ich einfach keine Lust hatte. Es gibt Distributionen, die einfach alles, was ich brauche, aus dem Stand heraus bringen, und wenn ich es mir dank Distributionsvielfalt schon erlauben kann, dann bin ich auch gerne faul.

Zunächst fielen einmal wieder einige Kandidaten durch mein sehr persönliches Testraster durch: Kubuntu 8.10 (sehr schön „aber“ KDE 4), LinuxMint5 (wäre fast geblieben, aber unter LM hatte ich den unausgooglebaren Fehler, daß ich nichts aber auch gar nichts größer 400 kB hochladen konnte, (also keine größere email verschicken, keine Fotos bestellen ….). Die meisten anderen (für mich interessanten) Distributionen schwenkten auf KDE 4.1.x um, als featureverwöhnter User werde ich sicher gerne eine KDE 4.2.x benutzen. Einmal noch 3.5 und dann umsteigen ist für mich persönlich wohl einfach das Beste.
Nachdem MEPIS7 - noch auf Ubuntu 8.04 basierend - die gleichen Macken hatte, wie Ubuntu selbst, verblieb das (bis auf die Hänger) zufriedenstellende Kubuntu 7.10 also noch ein wenig länger.

Eigentlich hätte ich mit einer neuen MEPIS Version nicht gerechnet, war es doch reichlich still geworden um die Distribution. Jetzt gibt es aber doch noch eine neue Version, und diesmal basiert sie wieder (wie vor Mepis 7) auf Debian, genauer gesagt Debian Lenny. Hier geht es zu Release announcement [8]

Was hat MEPIS, was Lenny nicht hat?

Im Prinzip sind die „Konfigurations-Beigaben“ mittlerweile, aufgrund der tollen Basis, fast überflüssig. Andere Distributoren haben auch einen bei weitem kompletteren Satz an Werkzeugen im Gepäck (Mandriva, SuSE). Trotzdem schließen die MEPIS-Tools die ein oder andere Lücke, die man bei Debian-Default sonst über Config-Dateien hätte „schrauben“ müssen.

So, was ist im Menü? Das ist auf dem Menü [5]. Und zunächst einmal relativ große Unordnung. Das Kmenü ist naturbelassen und dementsprechend unaufgeräumt und wirkt, in Angesicht der mittlerweile verfügbaren Alternativlösungen, irgendwie gestrig. Ein kurzes Neusortieren und die Installation des Tasty-Menüs schaffen hier zeitgemäße Abhilfe. Die Auswahl [5] ist ein Konzession an den beschränkten Platz einer Live-CD. Allerdings ist sie dafür nicht schlecht und mit Synaptic ist der komplette Debian-Pool an Programmen nicht weit.

Was geht …
Bei meinem leicht betagten Acer Travelmate 430, bis auf Multimediatasten und Speedstepping ausnahmslos alles was ich bisher ausprobiert habe. Die Auflösung ist korrekt eingestellt, Touchpad (mit Tapping) funktioniert parallel zur Drahtlosmaus, das WLAN über die DWL-610 PCMCIA Karte lässt sich via knetworkmanager problemlos einbinden, sogar der interner Kartenleser für SD Karten ist von Anfang an dabei. Das gleiche gilt für die Peripheriegeräte (Logitech Wireless Maus, externe Terratec Aureon USB Soundkarte (zusätzlich zum internen Intel AC97 Chip), externer LiteOn SOHW-1633SX DVD Brenner; Belkin F8T009 USB-Bluetooth Dongle). Der Scanner/Drucker/Kopierer von HP PSC2350 funktionierte in allen Belangen, wer allerdings die HPLIP GUI möchte, muss die entsprechenden Pakete nachladen. Mittlerweile hat sich der PSC durch einen Defekt verabschiedet und wurde durch einen HP-C5180 ersetzt. *Hier mal wieder eine traumhaft einfache Installation, Auspacken, nach Handbuch einrichten, Handbuch danach weglegen (steht eh nichts für Linux drin), über USB anschließen und fertig. Das einzige was noch zu tun war, war den alten PSC rauszuwerfen.*
Alle anderen sich im Haushalt befindlichen Massenspeicher, Kameras (Lumix DMC-LZ2, Canon Ixus 400) und Mediaplayer (Cowon D2, iRiver iHP120) ließen sich ebenfalls ohne Probleme in Betrieb nehmen.

Was nicht lief*:
a) Die Multimediatasten Abhilfe über das Programm KeyTouch [4],
b) Speedstepping mit dem Pentium IV; da ich den Rechner als Desktopersatz benutze vielleicht nicht so wichtig, allerdings besteht eigentlich kein Grund Energie nicht zu sparen, also nach kurzer Recherche [5] das Modul p4-clockmod in die /etc/modules Datei eingetragen und das Paket powernowd installieren, fertig. Ein kleiner Tipp hier: der dynamische Modus wird noch etwas „dynamischer“, wenn man die Datei /etc/default/powernowd erstellt/editiert und die folgende Option einträgt:
(code) OPTIONS="-m 1 -p 750 -q -s 100000" (/code), was bewirkt, dass die Frequenz bereits nach 750ms CPU-Last >20% hochgetaktet wird und dann in 100MHz Schritten abgesenkt wird. Weitere nützliche Links zur Frequenzeinstellung gibt es unter [7] und weiterführender Link Prozessortaktung.
c) Videoanzeige mit dem radeon Treiber, VESA war OK (Abhilfe hier in der Xorg.conf die Farbtiefe mit radeon Treiber von 16 auf 24 stellen … also höher, ungewöhnlich)
d) Mein System brauchte die Option „noapic“ (noacpi geht auch, noalpic ging nicht) als Bootparameter um flüssig zu booten. Offenbar ist dieses Problem nicht selten und tritt bei älteren Rechnern verstärkt auf (BIOS). Das gleiche Problem hatte ich mit Ubuntu und Kubuntu 8.10.
e) Suspend to disk und Suspend to RAM. Das ging aber mit diesem Acer bei noch keiner Distribution.
*Bemerkung: ich hatte die Beta6 installiert evtl. sind manche Probleme b), c) in der Endversion bereits ausgebügelt. Da ich die über Synaptic aktualisierte Version bereits produktiv nutze, habe ich keine saubere Neuinstallation gemacht, um das zu prüfen.

Was DE User beachten sollten: Die Distribution ist US-lokalisiert, Lokalisierungen für OOorg sind im MEPIS Repository, für Firefox wird man im Community-Repository fündig.

Fazit:
LinuxMint ist für mich sowas wie „Ubuntu end-user-ready“ (ohne Ubuntu damit auf die Füße treten zu wollen). MEPIS ist entsprechend Debian „end-user-ready“. Man muss sich zwar ein wenig mehr auskennen als bei Ubuntu oder LinuxMint, d.h. wenn ich eine DVD auf meinen Multimediaplayer übertragen will, dann muss ich halt wissen, dass ich z.B. transcode plus Abhängigkeiten brauche, bzw. fürs DVD schauen die libdvdcss … allerdings muss ich nicht mehr nach dem Repository suchen, das ich dafür brauche, das ist schon voreingestellt aber eben nicht aktiviert. Weiterhin ist MEPIS die Distribution, die es „mal wieder“ geschafft hat, mich so zu überzeugen, dass ich sie nach kurzer Einrichtung und wenig Detailgefummel als primäre Arbeitsdistribution einsetze.

Also: runterladen [9] und antesten von mir schwer empfohlen.

Benjamin

Links:

[1] http://www.mepis.org/
[2] http://www.mepislovers.org/
[3] http://www.mepiscommunity.org/
[4] http://www.linux-community.de/Internal/Artikel/Print-Artikel/LinuxUser/2007/06/Der-Any-Key
[5] http://ithacafreesoftware.org/forum/viewtopic.php?p=627
[6] http://distrowatch.com/table.php?distribution=mepis
[7] http://wiki.ubuntuusers.de/powernowd

[8] http://www.mepis.org/node/14213

[9] http://www.mepis.org/mirrors

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Kommentare
Also dann...
Daniel (unangemeldet), Montag, 27. Juli 2009 17:04:27
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Slackware rulz :D


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Gelungener Review
wingevil (unangemeldet), Sonntag, 22. März 2009 19:56:24
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Ich habe Mepis 8 seit zwei Tagen drauf und in Gebrauch und deine Schreibe ist wirklich auf den Punkt gebracht. Als Distro-Hopper habe ich einiges bislang versucht, vieles hat auch ganz gut gemundet...aber irgendwie fühlt man sich bei einer unspektakulären aber gleichzeitig vollständigen komfortablen Distro "wohl", mir geht es zumindest so. Leider gehen die schönen Tage dem Ende zu, denn meine bisherigen Erfahrungen von einer KDE 4.x-Distro (aus Fronkreisch... *g*) schrecken mich mehr als ab...dieses ganze bunte rumzuckende Blubberzeug brauche ich nicht und will es auch nicht.

Witzigerweise habe ich Mepis auf meinem neueren Rechner erst ausprobiert, nachdem ich seit rd. 3 Monaten auf meinem alten leistungsschwachen System antiX installiert habe und dort zur allergrössten Zufriedenheit nutze...

Gruss


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Neugier geweckt
Wolfgang Völker, Freitag, 27. Februar 2009 16:23:37
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Hallo Benjamin,

danke für den Artikel.
Du hast meine Neugier auf MEPIS geweckt.

Grüße


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Re: Neugier geweckt
Ko Bros (unangemeldet), Freitag, 27. Februar 2009 16:39:09
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Danke sehr Benjamin fuer dein Bericht.
Mittlerweile ist die Mepis 8.0 32/64 da und hat's noch einiges geaendert, hauptsaechtlich durch die sehr active Community.

Falls du mal Mepis-8.0-KDE4.2 versuchen moechtest: es gibt sowohl ein 32 und 64bit remaster von Community member Danum.
Details kannst du vernehmen im Mepislovers Forum under www.mepislovers.org

Es gibt ein 'Typoh' im Bericht wo Du sagst das Mepis 7.0 noch auf Ubuntu basiert war... Nur die 6.x releases basierten sich auf Ubuntu. Mepis 7.0 und 7.5 basierten auf Debian 4.0 (Etch).

Nachmals, danke sehr fuer dein ausfuehrlichen Anwender Bericht

Gruesse, Ko


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Re: Neugier geweckt
Benjamin Quest, Freitag, 27. Februar 2009 19:54:17
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Typo: Stimmt! Die KDE 4.2 Version wollte ich auch mal ausprobieren.

Und im übrigen habe ich das tolle von der Community erstellte User-Manual vergessen. Gerade für Umsteiger oder Neueinsteiger wirklich zu empfehlen. Gibt's auch online:
http://www.mepislovers.org/forums/user_manual8/

Grüße,
b.


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Re: Neugier geweckt
uwe (unangemeldet), Mittwoch, 29. Juli 2009 23:29:37
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oh weh oh weh irgendwie ist der zug f[r mich falsch gefahren.
ein halbes jahr springe ich ywischen den distis hin und her,war aber nie richtig yufrieden.ubuntu debian sid linux mint gute sachen dabei aber irgend etwas fehlt [berall pclinux os viel yuviel ausprobiert. mepi ist die erste disti wo wirklich alle sachen die ich ben;tige auf cd hat,was sehr viel arbeit spart um die sources list aufyustocken.der bericht hat mich angespornt und den test vollkommen bestanden, debian ist gut,mepis aber im vergleich l'uft sehr viel runder meine endscheidung steht fest.ich kann mich nur
'rgern so viel yeit mit anderen distis vergeudet yu haben,was andersherum aber auch gut war, so hat man linux und konsolenarbeit kennengelernt und auch erkannt manmu- ywar nicht viel schreiben,aber lesen,lesen und lesen,eben kein windows.ich bereue meinen umstieg jedenfalls nichtin keiner weise sch;nen gru- an alle


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