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Linuxtag 2010: Mozilla: Gralshüter der offenen Standards

Linuxtag 2010: Mozilla: Gralshüter der offenen Standards

Thomas Leichtenstern
12.06.2010 Auf dem Linux-Tag stand uns Kadir Topal, SUMO Community-Manager von Mozilla, Rede und Antwort -- unter anderem zu der Frage, in welcher Rolle Mozilla sich sieht, und was die Zukunft des Webs in Hinblick auf den Browsermarkt im Allgemeinen und Firefox im Speziellen bringt.

Die Anfänge

Um Firefox überhaupt im Markt etablieren zu können, bestand laut Topal eine der schwierigsten Aufgaben der Entwickler darin, für Internet Explorer konzipierte Seiten auf dem alternativen Browser korrekt darzustellen. Diese sei in vielen Fällen erst durch reverse Engineering möglich gewesen. Zwischenzeitlich hat sich das Blatt durch die Verbreitung des Browsers (nach Mozilla-Angaben 400 Millionen weltweit) gewendet. Topal betonte, dass erst die nichtkomerziell ausgerichtete Struktur der Mozilla Foundation eine derart unabhängige Handlungsweise ermögliche. Offene Standards sieht er als Pflicht, welche die Organisation dank seiner Markmacht mit Vehemenz vorantreibt.

Unter anderem sieht er das Einschwenken von Microsofts Internet Explorer hin zu offenen Standards als Mozillas Verdienst, da die Webentwickler wegen der Präsenz des alternativen Browsers es sich inzwischen nicht mehr leisten könnten, ihre Seiten alleine auf den IE hin zu optimieren. Auch die Integration des neuen Videostandarts VP8 in HTML 5 verbucht Mozilla auf seiner Haben-Seite. Topal wörtlich: "Es widerspricht unseren Grundsätzen, prorietäre Techniken wie H264 in unseren Browser zu integrieren".

Firefox: Was bringt die Zukunft

Topal sieht keine Notwendigkeit darin, analog zu Google Chrome Tabs in eigenen Prozessen zu starten. Als wichtigsten Einwand dagegen nannte er den hohen Ressourcenverbrauch. Da in der Hauptsache Plug-ins für die Browserabstürze verantwortlich seien, genüge es, diese Prozesse vom Browser abgekoppelt zu starten. Diese Neuerung steht bereits mit dem kommenden Update auf Version 3.6.4 zur Verfügung.

Damit tritt Mozilla auch der Kritik der Instabilität des Browsers entgegen: Ihrer Meinung seinen nämlich in der Hauptsache Plugins und Erweiterungen für Browserabstürze verantwortlich, was zu Unrecht ein schlechtes Licht auf Firefox werfe. Auch als Ursache für den angeblichen Ressourccenhunger lokalisiert Topal in erster Linie die Plugins: So sei es nicht selten der Fall, dass Firefox 50 MByte, Flash dagegen 250 MByte Hauptspeicher benötige.

Kadir Topal vom Mozilla-Support-Team.

Als eine der Hauptursachen für die Skepsis vieler Anwender gegenüber Firefox sieht Mozilla die langen Startzeiten, weswegen dieser Punkt ganz oben auf der Agenda der Verbesserungen für Version 4 stehe. Dies soll unter anderem durch das Parallelisieren von Prozessen beim Start erreicht werden. Weiterhin laufen Tasks, etwa das Update von Addons, zukünftig für den Anwender unbemerkt im Hintergrund ab.

Als weiteren, wichtigen Bereich nennt Topal die Java-Script-Performance, die in Teilen erheblich hinter der Konkurrenz hinterherhinke. Als Gründe dafür nannte er, dass beispielsweise Google in Chrome das gesamte Skript kompiliert, Firefox jedoch nur Teile optimiert. Dazu analysiert es Schleifen, und kompiliert sie just in Time. Firefox 4 soll diese beiden Techniken vereinen, und damit eine ähnliche Performance wie Chrome erreichen. Das Verfahren nennt sich "JägerMonkey".

Für die Zukunft sieht Topal in dieser Hinsicht eine Patt-Situation zwischen den Browsern, da in etwa eineinhalb Jahren die Möglichkeiten der Code-Optimierungen ausgeschöpft seien. Um die Performance dennoch zu steigern, seien zukünftig beispielsweise Optimierungen im Verarbeiten des DOM (Document Object Model) zu erwarten. Als eine weitere, wichtige Baustelle für die Zukunft sieht Mozilla das tabbed Browsing. Anders als in der Vergangenheit, als der Anwender selten mehr als 5 Seiten gleichzeitig offen hielt, sind es heute nicht selten 20 oder mehr. Abhilfe schaffe eine Funktion namens Tabbed Candy. In welcher Version von Firefox sie einfließen wird, wollte Topal jedoch ebenso wenig wie deren technische Details verraten.

Die Welt von morgen

Für die Zukunft sieht der Community-Manager deutlich mehr Konkurrenz auf dem Browsermarkt. Als Grund dafür nennt er, das dass Mozilla die dominante Stellung des Internet Explorer gebrochen habe uns sich damit die Mehrheit der Webentwickler an offenen Standards orientieren. Erst das ermögliche den Herstellern, akzeptable Produkte auf den Markt zu bringen. Über die Zukunft von Firefox meinte Topal, dass sich Mozilla dynamisch an den sich ständig ändernden Anforderungen das Markts orientieren werde.

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