Linuxtag 2010: Haben kleine Open-Source-Unternehmen noch eine Chance?

Linuxtag 2010: Haben kleine Open-Source-Unternehmen noch eine Chance?

Immer auf die Kleinen

Anika Kehrer
10.06.2010 Anlässlich von Unternehmensübernahmen wie Sun/Oracle oder VMware/Springsource haben auf dem Linuxtag sechs leitende Köpfe von Open-Source-Medien und -Unternehmen in einer Podiumsdiskussion die Überlebenschance kleiner und mittlerer Open-Source-Unternehmen erwogen.

Was macht Open-Source-Unternehmen für einen Käufer attraktiv?, will der Moderator Sandro Groganz wissen. Der Käufer wolle das Produkt oder die dahinter stehende Community an sich binden (wie im Fall VMware/Springsource), oder aber er habe an gänzlich anderen Aspekten als der Open-Source-Software des gekauften Unternehmens Interesse (wie im Fall Oracle/Sun). Zeigt der Kauf Suns durch Oracle den Niedergang unabhängiger Open-Source-Unternehmen an?, spitzt der Moderator zu. Einer verneint: Es zeige eher, dass Open Source inzwischen ernst genommen werde. Ein anderer relativiert: Stets seien Produkte und Technologie für den Kauf ausschlaggebend, Quelloffenheit hin oder her. Ein Dritter stellt pragmatisch fest: Open Source ist für manche lediglich ein weiterer Weg für Vertrieb und Marketing.

Die Open-Source-Landschaft, wie sie allein die sechs Podiumsteilnehmer repräsentieren, stellt sich im Verlauf der Diskussion als erstaunlich vielfältig heraus. Entsprechend setzen große und Open-Source-fremde Unternehmen wie Airbus inzwischen aus reinen Sachzwängen auf quelloffene Software, so ist zu hören, denn sie müssen sie viele Jahre lang warten und können sich keine Abhängigkeit von proprietären Firmen leisten. Auch IBM habe vor rund zehn Jahren deshalb den Schritt getan, und heute folgt Microsoft auf diesem Weg.

Und die kleinen Unternehmen - haben Sie nun eine Chance, auf dem Markt zu bestehen? Linux-Magazin Online bittet in der sich an die Diskussion anschließenden Fragerunde die Diskutanten, einen entsprechenden Antwortsatz mit "Ja, weil" zu beginnen.

Ja, weil kleine Unternehmen immer flexibler als große auf lokale Bedürfnisse eingehen können, findet SAPs Open Source Program Manager Erwin Tenhumberg (SAP beschäftigt sich nur in der Middleware mit Open Source). Ja, weil sie stets auf vorhandene Open-Source-Software aufbauen können, ohne erst viel Geld investieren zu müssen, sagt der europäische Community-Leiter der Eclipse Foundation Ralph Müller (für den auch solche Unternehmen Open-Source-Unternehmen sind, die ihre Open-Source-Versionen bis zur Unbrauchbarkeit abspecken und mit der proprietären Professional-Version ihr Geld verdienen). Ja, weil sie innovativer sind, meint Oliver Diedrichs, Chef von Heise Open (der großen Unternehmen weniger zutraut, weil mehr Köpfe es abnicken müssen). Ja, weil es immer wieder neue Probleme und Herausforderungen geben wird, derer sie sich annehmen können, ist sich der Netways-Gründer Julian Hein sicher (der abgespeckte Community-Versionen als Mogelpackung bezeichnet). Ja, weil Open Source ein tolles Entwicklungsmodell ist, das über das Produkt hinaus in die Köpfe des Unternehmens wandert, weiß Roland Fesenmayer von Oxid E-Sales (der die Marktpräsenz eines Großunternehmens als Chance für das gekaufte Kleinunternehmen würdigt).

"Vielleicht" - so lässt sich hingegen die Meinung von Jürgen Gecks aus dem Verlauf der Diskussion zusammenfassen. Gecks ist CTO bei Open-Xchange, daneben Coach bei der Open Source Business Foundation. Seine These: Vielleicht kommen kleine und mittlere Open-Source-Unternehmen schneller an den "Exit-Punkt", weil sich die Tauglichkeit und die Schwächen ihres Produktes schneller herausstellen.

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