"Mit dem Desktop gehts meist schneller"

Linuxtag 2009: Frank Karlitschek  über den sozialen Desktop

Linuxtag 2009: Frank Karlitschek über den sozialen Desktop

Kristian Kißling
25.06.2009 Wie stehts eigentlich um den sozial-semantischen Desktop? Auf dem Linuxtag sprachen wir mit KDE-Entwickler Frank Karlitschek über diese Frage.

Beim semantisch-sozialen Desktop handelt es sich im Grund um zwei verschiedene Subprojekte, erklärt Karlitschek. Nepomuk sei die semantische Engine, über die sich Daten verknüpfen lassen. Sie weiß, zu welchem User das gerade geöffnete Attachment gehört. Karlitschek arbeitet hingegen eher an der sozialen Seite.

Müsste er diese seiner Oma erklären, würde er mit dem Mitmach-Internet beginnen, in dem Menschen miteinander kommunizieren und interagieren. Zwar räumt er ein, dass es auf dem Desktop E-Mail-Programme, Instant Messenger und Screen Sharing gibt - aber er sieht noch wesentlich mehr Anwendungsfälle.

Ein Anreiz, den Desktop sozial zu gestalten, sieht Karlitschek darin, Einsteigern den Weg hin zu Linux zu erleichtern. Soziale Anwendungen zeigen ihnen nach dem ersten Booten, dass sie nicht allein dastehen. So kann man bereits in KDE 4 ein Widget aufrufen, das KDE-Anwender in der nahen Umgebung anzeigt. Über einen Button namens "Publish my location" lässt sich der eigene Standort veröffentlichen. Natürlich gibt es auch verschiedene Optionen zum Schutz der Privatsphäre. Der Standort wird dann im Profil gespeichert. Wechselt ein Nutzer den Ort, muss er den neuen Standort allerdings erneut angeben.

Die sozialen Kontakt lassen sich dann direkt vom Desktop aus pflegen: Freunde sammeln, Nachrichten verschicken, Veranstaltungen ankündigen - all das werde möglich. Man könne sich über Blogeinträge von Freunden informieren lassen oder schlicht Leute suchen, welche die eigenen Interessen teilen. Später seien auch das Verschicken von Dateien geplant, das Teilen eines Bildschirms usw.

Das alles sei keine reine Spielereien, verteidigt Karlitschek das Konzept. Der soziale Desktop bietet durchaus hilfreiche Anwendungen, die auch Leute interessieren, die keine Facebook-Jünger seien. Konkret nennt er die Knowledge Base. Klickt der Anwender auf einen Hilfe-Button in einer Anwendung, kann er seine Frage direkt in ein Eingabefeld eingeben. Die Antwort holt die Software von einem Server. Dessen Content sei dann usergeneriert, so ließe sich zu jeder Anwendung mit Hilfe der Community eine große Datenbank einrichten. Der soziale Desktop erspare einem so die langwierige Suche in Foren und auf Hilfeseiten, auch die Wiki-Syntax müsse man nicht erst lernen.

Wir fragen, welche Anwendung denn für die Zukunft zu erwarten seien. Hier verweist Karlitschek auf einen gerade stattfindenden Wettbewerb. Er soll Entwickler dazu bewegen, eigene Anwendungen für den sozialen Desktop zu entwickeln. Als Schnittstelle kommen dabei die Open Collaboration Services zum Einsatz. Den Entwicklern sei es überlassen, eigene Ideen einzubringen oder vorhandene Ideen des KDE-Projekt umzusetzen. In der Jury sitzen auch Gnome-Entwickler: Denn, so Karlitschek, soziale Desktops sollen plattformübergreifend funktionieren.

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