Linuxtag 2008: KDE 4 geht Web 2.0

Linuxtag 2008: KDE 4 geht Web 2.0

Mathias Huber
28.05.2008

Aaron Seigo vom KDE-Projekt eröffnete die internationalen Keynotes auf dem Linuxtag in Berlin. Er nahm Bezug auf aktuelle und zukünftige Trends der Computerbenutzung. Dabei zeigte er, wie der KDE-Desktop ihnen gerecht werden möchte. Seigo macht drei Trends aus, die für ihn die nahe Zukunft der Computeranwendung prägen: Unter Ubiquity summierte er die Tatsache, dass Web-Anwendungen von überall erreichbar sind. Als Availability bezeichnete die ständige Verfügbarkeit von Daten. Soziale Aspekte schließlich (Sociability) machten Websites wie Facebook populär. Durch tragbare Geräte und das Web 2.0 ändert sich laut Seige also die Computerbenutzung.

Gleichzeitig lieben Anwender immer noch größere Desktop-Computer mit großen Displays, auch Laptops zählen dazu. Wie möchte die freie Desktopumgebung dem Rechnung tragen? Die Antwort des KDE-Vorsitzenden: "Merge. Meld. Mix." - Desktop- und Mobil-Computing verschmelzen mit der Web-Benutzung.

Beispielsweise holt KDE das Internet in die Desktopanwendungen: Das Programm Marble in der kommenden KDE-Version 4.1 ist eine Kartografie-Anwendung, die ihre Daten aus dem Web holt, ein Rich-Client, der Wikipedia und Openstreetmap mit dem Desktop verschmilzt. Er bietet mehr Komfort als Webanwendungen im Browser, die ein altes Konzept wie Drag&Drop noch als Innovation präsentieren.

Als weiteres Ziel formulierte Seigo offene, portable Schnittstellen: Marble funktioniert auf dem Handy ebenfalls, wenn auch die Ansicht kleiner ist. Die Rechenleistung aktueller Geräte erlaubt es, Desktop-Anwendungen wieder zu verwenden, anstatt eine neue Mobil-Anwendung zu schreiben. An dieser Portabilität arbeitet KDE laut Aaron Seigo zusammen mit dem Qt-Hersteller Trolltech.

Eine weiteres Vision für die nahe Zukunft ist der soziale Desktop: Wie das semantische Web Bedeutungen verknüpfen und in ein System einordnen soll, so soll der Desktop der Zukunft Daten und Metadaten mit Personen und Kommentaren verbinden - wie das manche Websites tun. Ein solcher "sozialer Desktop" wird auch technisch Uninteressierte ansprechen.

Zum Schluss kam Aaron Seigo noch auf Punkte zu sprechen, die für viele Anwender leicht begreifbar seien, ja selbstverständlich, doch für Entwickler innovativ: Kontext-sensitive Benutzeroberflächen bieten nur sinnvolle Handlungsoptionen an, beispielsweise der Bildbetrachter Gwenview: Bei Mausbewegungen über ein Vorschaubild zeigt sich bereits ein sinnvolles Kontextmenü mit Ansichts- und Dreh-Funktionen. Erst nach Auswählen eines Bildes gibt es ein umfangreiches Menü. Das sind Bedienkonzepte, die das Web 2.0, beispielsweise bei Youtube, anbietet.

Zudem soll ein Benutzer Widgets vom Desktop auf das Handy ziehen können und später auf den Desktop eines Freundes verschieben, ähnlich wie bei physischen Gegenständen, die man mitnehmen kann. Für Desktop-Widgets kommen dabei nicht kompilierte Sprachen wie Python und Javascript zum Einsatz, um den Transport zu erleichtern. Seinen Vortrag beschloss KDEs Botschafter mit einer animierten Bildschirm-Vorführung der neuen KDE-4-Features zu Reggae-Rhythmen.

Linux-Magazin Online überträgt alle internationalen (Englisch-sprachigen) Keynotes in den kommenden Tagen live und kostenlos vom Linuxtag.

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