LinuxTag 2010: Keynote "Microsoft und Offenheit"

LinuxTag 2010: Keynote "Microsoft und Offenheit"

"Microsoft geht vorwärts"

Anika Kehrer
10.06.2010 James Utzschneider ist General Manager für Open Source bei Microsoft und zeigte in seiner heutigen Keynote auf dem Linuxtag unter anderem viel Humor.

Um Utzschneider anzukündigen, setzte der Moderator höflich an: "Viele denken, es ist komisch, dass Microsoft hier ist. Ich denke, dass das nicht so ist..." Utzschneider unterbrach ihn und rief in sein Mikrofon: "Ich denke schon!" Selbstbewusst, gutgelaunt und mit Witzen gewürzt ("Eigentlich wollte ich meinen Vortrag '30 Gründe gegen Linux' nennen") zeigte er dann, wie "Microsoft und Offenheit" zusammengeht.

An 150 offenen Standards und Organisationen, argmentierte er, wirke Microsoft mit. Dazu zählen zum Beispiel das Wimax Forum, The Printer Network Groups, das W3C und UPnP. Angefangen hat das Windows-Unternehmen mit quelloffener Software laut Utzschneider, weil seine Kunden danach verlangt haben: "Wir wollen gemischte Umgebungen haben." Ein Ergebnis davon ist, dass Linux als virtueller Gast auf dem Windows-Server laufen kann.

Microsoft sei aber keine Open-Source-Firma, stellte der Amerikaner klar. Und beispielsweise Red Hat mit seinem Serverprodukt sei ein ganz normaler Konkurrent. Trotzdem würden auch viele Microsoft-Mitarbeiter quelloffene Software nutzen. Anhand der Downloadzahlen von Sourceforge zeigt Utzschneider, dass um die 80 Prozent der freien Software auf Windows läuft. "Diese Marktzahlen sind uns nicht entgangen", so der Microsoft-Mann. "Wir verstehen, dass quelloffene Software ein wichtiger Teil des Microsoft-Ökosystems ist."

Auch Microsofts Joomla- und Drupal-Engagement habe sich auf Anfrage ergeben. Sie haben gesagt, so Utzschneider, dass 80 Prozent der Server mit Windows liefen und sie ihre Suiten darauf laufen lassen wollen. Also erstellte Microsoft beispielsweise PHP 5.3 für Windows und den Web Platform Installer. Das ist eine Webseite, von der sich unter anderem Moodle, Wordpress und Drupal direkt auf den Windows-Server herunetrladen lassen. "Es hat einen Shift gegeben", stellt Utzschneider fest. "Wir gehen vorwärts."

Er zeigt aber auch, wo die Grenzen sind. Auf die Frage aus dem Publikum, ob Microsoft denn nicht an einer Linux unterstützenden oder zumindest plattformübergreifenden Treibersoftware entwickeln wolle, antwortete er: "Das ist Euer Job!"

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Kommentare
Mitwirkung
Utz Schneider (unangemeldet), Freitag, 11. Juni 2010 15:47:09
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> An 150 offenen Standards und Organisationen,
> argmentierte er, wirke Microsoft mit.

Fragt sich nur, wie diese "Mitwirkung" aussieht. Arbeitet MS konstruktiv mit oder verwässern und verzögern sie Standards und machen sie sie unbrauchbar? An OOXML hat MS übrigens auch "mitgewirkt".



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"Verstehen"
Gelegenheitsschreiber (unangemeldet), Freitag, 11. Juni 2010 12:42:11
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"Wir verstehen, dass quelloffene Software ein wichtiger Teil des Microsoft-Ökosystems ist."

Für mich sehr diplomatisch ausgedrückt. MS hat verstanden, dass es nicht um Open Source herumkommt, weil die Kunden es wollen. Allerdings duldet MS auch weiterhin keine Konkurrenz. In unregelmäßigen Abständen FUD (235 Patente) verteilen, um den sogenannten Kunden schön an MS und seinen "zertifizierten" Partnern zu halten.

Klatscht mich "rot" aber MS macht nur notgedrungenderweise mit. Deren Ökosystem kennt nur eine BS-Art: Windoze.

Gelegenheitsschreiber


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Re: "Verstehen"
Karsten Berg (unangemeldet), Freitag, 11. Juni 2010 13:06:53
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Das sehe ich ganz genau so.
Wäre OpenSource-Software nicht so gut und nicht so gefragt, dann würde Microsoft sich da auch nicht drum kümmern.
Man darf dieser Firma nicht trauen. Auch braucht man nicht zu applaudieren, weil Microsoft an offenen Standards mitarbeitet.
ist ja schön und gut... Aber in ihren eigenen Programmen werden diese offenen Standards derart implementiert, dass sie de facto ein eigener Standard sind und andere Programme, die diesen Standard voll erfüllen, Dateien von Microsofts Programmen nicht öffnen können.

Nach wie vor gilt: Vorsicht bei dieser Firma!


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