Opensource in der Bundesregierung

Linux in den Ämtern

Linux in den Ämtern

Daniel Kottmair
24.06.2009 Viele Bekenntnisse bezüglich quelloffener Software hörte man in den letzten Jahren vom Bund. Wir ziehen eine kurze Bilanz über den konkreten Einsatz von Linux und Opensource-Software in diversen Ämtern und speziell in München.

Auf der Berlin Open, welche im Rahmen des Linuxtags stattfindet, hat Martin Schallbruch, seines Zeichens IT-Direktor (CIO) im Bundesinnenministerium, verkündet, dass die Migration von proprietären Systemen hin zu opensource-basierten in der Bundesverwaltung immer zügiger voranginge.

Die Vielfalt und der Wettbewerb, der sich durch quelloffene Lösungen ergibt, kommt laut Schallbruch dem Bund direkt zugute. Gleichzeitig begebe man sich nicht in die Abhängigkeit von einem einzigen Hersteller oder Produkt.

Dank verteilter Entwicklung ist Schallbruch zufolge der Opensource-Ansatz sehr zukunftssicher, die drei Haupt-Argumente für quelloffene Software sind Sicherheit, Unabhängigkeit und Anpassbarkeit. Offene Standards und Opensource-Software allgemein spielen laut Schallbruch in der IT-Strategie des Bundes eine entscheidende Rolle.

Linux in deutschen Botschaften

Anette Klein, die IT-Leiterin des auwärtigen Amtes, lies Schallbruchs Prognosen konkrete Zahlen folgen und kündigte direkt im Anschluss an, dass Mitte 2010 weltweit in 230 deutschen Botschaften 11.000 Arbeitsplätze des auswärtigen Amtes auf Linux umgestellt sein werden. Schon jetzt sei rund die Hälfte der Arbeitsplätze des Diplomatischen Dienstes Linux-basiert. Für Klein spielt gerade der Sicherheitsaspekt eine tragende Rolle, da sich das auswärtige Amt noch stärker als andere Ämter gegen Hacker-Angriffe schützen muss. Den Bedenken vieler IT-Entscheider und der Lobbyismus-Propaganda proprietärer Hersteller bezüglich hohen Migrationskosten erteilt Klein eine Absage: Laut ihr hat das auswärtige Amt die niedrigsten IT-Kosten pro Arbeitsplatz im Vergleich zu allen anderen Bundesministerien.

Opensource im Einsatz

Nicht nur im auswärtigen Amt, auch auf den Servern des Bundesverwaltungsamtes und auf 13.000 PCs bei der Bundesagentur für Arbeit ist Linux heute schon im Einsatz. Das vor drei Jahren gegründete OSS Kompetenzzentrum in der Bundesstelle für Informationstechnik (BIT) verzeichnet bereits die Nutzung von 107 verschiedenen Opensource-Produkten auf den Rechnern der Bundesverwaltung.

LiMux - Linux in München

Ebenfalls relevant bezüglich Linux im öffentlichen Einsatz ist natürlich das Projekt LiMux, das alle Rechner der Münchner Stadtverwaltung auf Linux migrieren will. Hier zieht nun der stellvertretende Leiter des Projekts, Florian Schießl, zur Halbzeit inoffiziell Bilanz. Schießl zufolge kostet die Umstellung rund 13 Millionen, für zwei Millionen weniger hätte man - nach Steve Ballmers sicherlich sehr guten Konditionen, die Christian Ude damals ausschlug - auf Windows XP migrieren können.

Doch hier handelt es sich um eine Langzeit-Investition, mit der man später bares Geld spart. Die Anwender müssen schließlich erst umgeschult, und vorhandene Softwarelösungen für Linux umprogrammiert, angepasst oder neu erstellt werden. Aber schon mit dem in Bälde anstehenden Upgrade auf Windows 7 (in Ämtern überspringt man zumeist eine Generation, wogegen im Falle Vista die Administratoren und besonders die Hardware-Einkäufer des Bundes sicher keine Einwände haben) wäre dieser Betrag erneut fällig geworden, so dass München schon im nächsten Jahr dank Opensource-Software Millionen sparen dürfte - und dabei auch noch die heimische Softwareindustrie fördert.

Schießl sagt, dass bis 2012 80% aller 14.000 Desktops umgestellt sein sollen, aber schon Ende 2009 sollen bereits alle Arbeitspläte von Internet Explorer und Microsoft Office auf Firefox und Openoffice migriert sein. Das Projekt war von Anfang an längerfristig ausgelegt, da auch die allgemeine IT-Infrastruktur gleichzeitig mit der Umstellung drastisch modernisiert werde, man liegt also im Zeitplan.

Das Linux-Beispiel hat Schule gemacht, andere Behörden sind inzwischen nachgezogen. Nicht nur beim BSI finden sich Linux-Desktops, auch die Verwaltungen von Mannheim, Schwäbisch Hall und Treuchtlingen nutzen nun - zumindest teilweise - quelloffene Software. Microsoft-Manager Hartl widerspricht: "Die Münchner Entscheidung hat nicht dazu geführt, dass Massen von Stadtverwaltungen dem Beispiel gefolgt sind". Die Migration ist ja auch noch nicht abgeschlossen...

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