Linux-basiertes E-Book Kindle von Amazon ist (angeblich) ein Erfolg

Linux-basiertes E-Book Kindle von Amazon ist (angeblich) ein Erfolg

Kristian Kißling
05.08.2008

Amazons linux-basierter E-Book-Reader Kindle, der im letzten November auf den Markt kam, scheint sich gut zu verkaufen. Das behauptet jedenfalls die Technik-Webseite Techcrunch. Etwa 240.000 der Geräte sollen seit Verkaufsstart einen Käufer gefunden haben, was zwischen 86 und 96 Millionen US-Dollar in Amazons Kassen gespült habe dürfte. Techcrunch beruft sich als Quelle auf einen Amazon-Insider, der Konzern selbst hüllt sich über den Erfolg seines 359 US-Dollar teuren Geräts in Schweigen. Einerseits dürften die Verkäufe schlicht nur einen kleinen Teil von Amazons Einnahmen ausmachen, andererseits will man vermutlich die Konkurrenz klein halten.

Für E-Book-Reader könnte der Kindle, der momentan nur in den USA verkauft wird, aber den Durchbruch bedeuten. Bereits seit den 90er Jahren gab es immer wieder Versuche, E-Book-Reader einzuführen. In schöner Regelmäßigkeit erklärten die Verteidiger des gedruckten Buches die elektronische Konkurrenz zur Totgeburt, da das haptische Erlebnis fehle. Als technische Hürde wurde vor allem die schlechte Lesbarkeit der Texte bei direkter Sonneneinstrahlung ausgemacht. Stimmen die Zahlen, scheint der Kindle das erste E-Book zu sein, das gut läuft, was vermutlich auch an den neuartigen E-Ink-Displays liegen dürfte.

Allerdings gibt es Einschränkungen. Der Kindle akzeptiert als Eingabeformat nativ offensichtlich keine PDF- und HTML-Dateien, sondern nur TXT, MOBI, PRC und das Amazon-eigene AZW-Format, das dank DRM (Digital Rights Management) Restriktionen unterworfen ist. Zum Trost unterbreitet Amazon seinen Kunden das datenschutztechnisch ziemlich haarsträubende Angebot, Dokumente und Bilder (HTML, DOC, JPEG, GIF, PDF) als E-Mail-Attachement an Amazon zu schicken. Das Unternehmen wandelt diese Dateien dann in ein für den Kindle lesbares Format um. Zur Zeit bietet Amazon rund 145.000 Bücher und zahlreiche Zeitschriften zum Download an.

Obwohl es sich offiziell um einen E-Book-Reader handelt, liest das Kindle offenbar auch Hörbücher vor. Der Reader erkennt die Audioformate MP3 und das proprietäre Audible.com-Format AA. Den Anbieter von Hörbüchern kaufte Amazon Anfang 2008 ein.

Amazons Kindle bringt 64 MByte RAM mit, 256 MByte internen Speicher und einen SD-Slot, um den Speicher zu erweitern. Dateien transferiert man über die SD-Karte oder ein USB-Kabel auf das Gerät, das mit einem Linux-Kernel in Version 2.6.10 läuft. Der 6-Zoll-E-Ink-Screen bietet eine Auflösung von 800x600 Pixel bei einer Pixeldichte von 167 Pixel pro Zoll.

WLAN-Zugang erhalten die amerikanischen Nutzer über Amazons Whispernet. Die Kindle-Hersteller werben damit, dass der E-Book-Reader keine Kabel benötigt, weil sich die elektronischen Bücher über Kindle kaufen und drahtlos herunterladen lassen. Die Anwender brauchen keinen WLAN-Access-Point, sondern nutzen das nationale Highspeed-Netzwerk (EVDO) von Sprint. Das funktioniert ähnlich wie UMTS, allerdings haben Kindle-Benutzer aus Alaska und Montana sowie in wenig bevölkerten Regionen der USA das Nachsehen. Sprint deckt vornehmlich Regionen in der Nähe größerer amerikanischer Städte ab.

Eine Bitte um ein Testexemplar für die LinuxCommunity wurde leider abschlägig beschieden, da Amazon den Kindle bisher nicht an deutsche Kunden verkauft. Wir versuchen es aber weiter und berichten, wenn wir ein Exemplar in die Finger bekommen.

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