Linux-Foundation: Linux ist Windows überlegen

Linux-Foundation: Linux ist Windows überlegen

Britta Wülfing
30.06.2008

Im Bemühen um freie Treiber hat die gemeinnützige Linux Foundation (LF) ein Whitepaper veröffentlicht und argumentiert mit der Überlegenheit der Open-Source-Technologie gegenüber binärer Systeme.

Ein Schwerpunkt beim Jahrestreffen der Non-Profit-Organisation im April lag auf der Treiberentwicklung. Neben der Arbeit in den Arbeitsgruppen veröffentlichten Linux-Kernel-Entwickler unter der Leitung von Greg Kroah-Hartman zudem kürzlich einen Pro-Open-Source-Aufruf an die Hardware-Hersteller. Nun unterstützt die Stiftung die Entwickler mit einem Diskussionspapier. In dem Whitepaper auf der Webseite der Linux Foundation wollen die Autoren quasi eine natürliche Überlegenheit des Linux-Modells gegenüber des Windows-Modells nachweisen. Eingeleitet wird das Papier mit der Aussage, dass Linux mehr Hardware unterstützt als jedes andere Betriebssystem auf dem Markt. Es folgt ein Vergleich, auf welche Weise Treiber für die Betriebssysteme Linux und Windows entstehen und gepflegt werden.

Bei der binären Treiberentwicklung für Windows stellt Microsoft den Hardware-Herstellern ein stabiles Set mit Schnittstellen zur Verfügung, das so genannte Application Binary Interface (ABI), das über einen gewissen Zeitraum gepflegt wird. Auf dieser Basis schreiben und testen Gerätehersteller ihre Treiber, ohne den Code des Betriebssystems zu kennen. Da nun wechselseitig Betriebssystem wie auch Hardware fortlaufend verändert, erweitert und verbessert werden, muss die Schnittstelle gleichfalls angepasst werden. In dieser wechselseitigen Abhängigkeit macht das Diskussionspapier wesentliche Nachteile aus: Die Treiberentwicklung verlangsamt sich, und weil nur ein kleiner Teil des Codes nur wenigen Leuten zugänglich ist, erhöht sich die Fehlerwahrscheinlichkeit. Auch für die Anwender ergeben sich Nachteile: Beim Kauf neuer Geräte müssen die Kunden die passenden Treiber entweder separat von CD installieren, oder von den Webseiten der Hersteller herunterladen. Obwohl den Herstellern nur ein kleiner Teil des Betriebssystems zugänglich gemacht wird, können sich Fehler in den Treibern unmittelbar auf die Funktionalität des Betriebssystems auswirken und dies gänzlich zum Absturz bringen. Zudem bemängeln die Autoren, dass diese ABIs mit neuen Windows-Versionen nicht stabil bleiben und stark verändert werden könnten. Als eine Folge verweist das Whitepaper auf Hardware-Hersteller, die für ältere Geräte keine Vista-Treiber zur Verfügung stellen, was wiederum Kunden zu Neukäufen zwinge.

Im Gegensatz hierzu schildern die Autoren den Weg, den Gerätetreiber bei Linux nehmen: Statt eigener ABIs oder anderer Programmierschnittstellen (API) werden die Treiber nach Möglichkeit direkt in den Kern des Betriebssystems integriert. Bereits beim Durchlaufen dieses Aufnahmeprozesses wird der Treiber von weiteren Entwicklern geprüft, wobei Fehler aufgedeckt und korrigiert werden könnten. Sobald der Treiber Teil des Kernels ist, ist sichergestellt, dass diese kontinuierlich gepflegt und aktualisiert werden. Eine vorkompilierte Linux-Applikation für eine Pre-1.0-Kernel-Version funktioniere deshalb auch mit der aktuellsten Kernelversion.. Die Autoren argumentieren, dass ein Gerät, das mit einer Linux-Version arbeitet, auch mit jeder künftigen laufen wird. Den Herstellern wollen die Autoren das Open-Source-Modell auch damit schmackhaft machen, dass dieser Zeit und Kosten sparen kann, weil die Linux-Entwickler für Anpassung und Aktualisierung sorgen. Und die Studie bietet weitere Argumente für die Freigabe des Quellcodes: „Zusätzlich bietet das Linux-Modell nahezu kostenlos Cross-Architektur-Unterstützung.“ Auch hierfür hat die Studie ein Beispiel parat: „Die Stärke dieses Ansatzes wurde besonders deutlich im letzten Jahrzehnt, als viele Chip-Architekturen von 32 auf 64-bit gewechselt sind. Nahezu alle Linuxtreiber wurden schnell aktualisiert (...), während der Treibersupport für 64-Bit bei Windows Vista (...) bis heute extrem spärlich bleibt.“

Der Schluss, den die Autoren ziehen, ist wenig überraschend: Die wenigen verbliebenen Hardware-Hersteller, die ihre Treiber noch nicht quelloffen zur Verfügung stellen, sollten sich von den Vorteilen überzeugen lassen. Nach Meinung der Autoren wird mit ihren Argumenten offensichtlich, „wie der Linux-Treibersupport letztlich Windows überholt, sowohl in der Quantität wie in der Qualität.“ Der Hardware-Hersteller Nvidia allerdings hatte dem Aufruf der Linux-Kernelentwickler zu mehr Offenheit bereits eine Absage erteilt.

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Kommentare
Re: Linux-Foundation: Linux ist Windows überlegen
Jan Kulhanek, Montag, 30. Juni 2008 20:23:43
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Gute Argumentation von der Linux-Foundation.

Allerdings ist es so, dass möglicherweise die Hardwarehersteller gar nicht unbedingt wollen, dass ihre Hardware noch mit neuen Versionen funktioniert.

Der erste Bruch kam mit Windows 2000, ein weiterer mit XP und der neuste mit Vista.

Bei jedem System ist ein Teil der immer noch völlig hinreichenden Hardware zumindest im End-User-Bereich zu Schrott geworden.

Der Scanner funktioniert nicht mehr, fürs Modem gibt es keine Treiber mehr, für den Drucker usw.

Das dürfte ganz schön Umsätze bedeuten, denn der Endnutzer graded sein System nicht down weil seine Hardware nicht mehr mit ihm zusammen läuft.

Sondern er graded die Hardware up.

Ist ne zweischneidige Sache.. andererseits werden sie sich es überlegen, weil der Linux-Markt wächst und es bedeutet halt auch kostenlose Treiber für mehr Plattformen


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Re: Linux-Foundation: Linux ist Windows überlegen
Benjamin Quest, Montag, 30. Juni 2008 23:14:25
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Genau das habe ich auch gedacht: wieso sollte es für die Hardwarehersteller so schlimm sein, wenn Onkel Bill (nein halt, da war doch was ...) Onkel Steve alle paar Jahre füe eine "Runderneuereung" sorgen. Schließlich kann man die Schuld auch bequem halb auf den Betriebssystemhersteller schieben (Treiber-Zertifizierung) und die Leute mit schlechten Treibern für die alten Geräte dann "weichkochen".

Ist für alle Seiten (außer dem Verbraucher, der im wörtlichen Sinne keiner sein will) eine "win-win" Situation. So macht man aus Nutzern Verbraucher, die am Ende mit ihren Neuerwerbungen auch oft zufrieden sind. (Geiz ist eben nicht immer geil, Konsum kann (kurzfristig) glücklich machen, neue Produkte sind auch gelegentlich durchaus besser, Abwechslung ist gut, der Mensch ist experimentierfreudig, Gründe gibt es reichlich, ob sie vernünftig sind mag jeder selbst mit sich ausmachen ...).

"Ziehen" dürften die Argumente bei ausgeprägten Vernunftmenschen, öffentlichen Verwaltungen und Einrichtungen, die nicht mit jedem Betriebssystemwechsel auch einen (partiellen) Hardwarewechsel vornehmen wollen.


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