Linux-Desktops im RAM-Test

Linux-Desktops im RAM-Test

Max Jonas Werner
14.09.2006

Der KDE-Entwickler Lubos Lunak hat den Speicherverbrauch der wichtigsten Desktop-Umgebungen unter Linux getestet. KDE 3.5.2, GNOME 2.14.0, XFCE 4.2.2 und WindowMaker 0.92.0 mussten sich intensiven Messungen stellen. Die Ergebnisse fördern interessante Details darüber zutage, wie die aktuellen Umgebungen mit ihrem Speicher umgehen. Gnome schneidet nicht gut ab, doch auch KDE erweist sich noch immer als Speicherfresser. Lubos Lunak hat in der Vergangenheit bereits die Startgeschwindigkeit der Desktops untersucht.

Auch, wenn Lunak als KDE-Entwickler voreingenommen scheint, lohnt sich ein genauerer Blick auf die Zahlen. Lubos startete als Referenz ein reines X-Window-System mit einem X-Term und maß die Menge an benutztem Speicher: Satte 31 MByte verbrauchte das System bereits, ohne dass überhaupt eine Desktop-Umgebung im Spiel war. Im nächsten Schritt startete der KDE-Hacker mehrere Konfigurationen der getesteten Desktops und maß wieder die Anzahl an verbrauchtem Speicher. Insgesamt kamen so sieben verschiedene Szenarien zum Einsatz.

Im ersten Szenario startete Lunak ein noch recht schlankes System. Für KDE bedeutet das: der Desktop läuft, sowie einige wenige Applets. Für Gnome, XFCE und WindowMaker gilt ähnliches. Die folgenden Zahlen verdeutlichen recht gut den grundsätzlichen Verbrauch der Desktops (relativ zum reinen X-System):

  • KDE: 29,1 MByte
  • Gnome: 43,5 MByte
  • XFCE: 16,6 MByte
  • WM: 5,6 MByte

Speicherverbrauch von KDE, Gnome und XFCE in verschiedenen Einsatzszenarien.

Hier zeigt sich ein relativ hoher Grundverbrauch (z.B. für Bibliotheken) von KDE und Gnome. XFCE zeigt sich, wie auch in fast allen folgenden Test, schlank. In den nächsten Tests wurden dann weitere Szenarien mit mehr Applikationen durchgeführt. Die Rangfolge der Speicherfresser änderte sich dabei nicht: WMaker verbraucht am wenigsten, gefolgt von XFCE und KDE; Gnome ist der Spitzenreiter mit bis zu 25 MByte mehr als KDE. Richtig viel hatte der Rechner dann beim Laden von OpenOffice zu tun. Fast 200 MByte an Daten lagen danach im RAM.

In der Abbildung rechts sind die Ergebnisse noch einmal grafisch gegenüber gestellt. Es ist zu sehen, dass die Kurve für KDE recht flach verläuft, der Desktop also gut skaliert. Gnomes Hunger wächst da schon schneller, die Kurven verlaufen jedoch relativ ausgeglichen parallel zueinander. Der Ausschlag von XFCE beim Start von desktopeigenen Programmen liegt darin begründet, dass es selbige für XFCE nicht gibt und somit externe Applikationen ihren Dienst leisteten. Der Vorteil einer integrierten Umgebung wie Gnome oder KDE liegt hier auf der Hand. Alle Zahlen gibt es auf Lunaks Homepage.

Wie bei jedem Benchmark sind derartige Zahlen mit Vorsicht zu genießen, zumal Lunak als KDE-Entwickler nicht gerade neutral ist. Insgesamt zeigt sich jedoch: Sowohl KDE als auch Gnome haben noch eine Menge Spielraum für Verbesserungen offen.

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Kommentare
Re: Linux-Desktops im RAM-Test
man-draker , Freitag, 15. September 2006 18:52:56
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In Ansehung der Tatsache, dass jeder ernstzunehmende Desktop-Rechner nicht unter 512MB RAM enthält, jeder aktuelle Home-PC mindestes 1GB RAM und dank der 64Bit-CPUs endlich die 3GB RAM-Grenze in PCs fällt, ist der Nutzen dieser Information eher marginal.

Natürlich gibt es Leute und Einsatz-Szenarien, wo diese Info wichtig ist, aber Otto-Normal-User (also die typische Zielgruppe von heise, pro-linux und hier) pellt sich ein Ei auf die paar MB. Da ist die Frage, wie schnell Aktionen der Oberfläche ablaufen, oder mit welcher der Benutzer eher zurecht kommt wesentlich interessanter.

Wirklich wichtig war so etwas zu Zeiten von EMS und EMM - wenn ihr euch daran noch erinnern könnt. :->>


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Re: Linux-Desktops im RAM-Test
Christian Berg, Samstag, 16. September 2006 00:20:07
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Die Ansicht ist die Utopie eines Technikverliebten.
In der Realität werde ich als Mitarbeiter eines PC Fachhandels täglich mit Usern konfrontiert die nicht einsehen warum sie ihren P3 mit 1.2 GHz jetzt wegwerfen sollen, nur weil sie ein Update ihreres AntiViren Schutzes brauchen.

Gut das ist jetzt wieder Windows World aber gerade XP mit SP2 zeigt das der Speicherhunger auf 512 MB und mehr zu Kundeverdruss führen kann.

Ich begrüße daher die bemühungen von GNOME den Speicherhunger einzudämmen, mit 2.16.x ist der Speicherbedarf wieder niedriger geworden und er wird weiter sinken. (Ich glaube KDE hat hier auch schon solche bemühungen, aber da kenn ich mich nicht so aus)

Für IT Entscheidungsträger bedeutet dies das sie bei der Umstellung von Win2K (immer noch sehr beliebt) auf Linux keine Hardware Upgrades brauchen. (Nur die HD sollte man wecheseln weil die im Schnitt nur 3 Jahre halten). Ich denke schon das dies ein Argument sein kann. Ich kenne jedenfalls Leute bei denen das ein Argument ist.

Btw: desto weniger RAM mein OS firsst, desto Mehr hat OpenOffice über. ;)
Im Ernst, Blender, GIMP, Inkscape, Kino und Co können allen RAM der Welt brauchen, warum sollte ich den an eine Icon Leiste verschenken?


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Re: Linux-Desktops im RAM-Test
man-draker , Samstag, 16. September 2006 22:29:55
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Sorry, die haben das falsche Konzept im Kopf. Die sollten bei der Umstellung konsequent sein und ihre PCs zu Thin-Clients mutieren. Geht einer mal kaputt, wird er durch einen echten TC ersetzt. Das führt zu selteneren Auszeiten, die zudem dann nur noch im Minutenbereich liegen.

Heute noch in Firmen auf eine Fat-Client Infrastruktur zu setzen, ist Resourcenverschwendung, die zwangsläufig in zu hohen Produktpreisen mündet.


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