Der KDE-Entwickler Lubos Lunak hat den Speicherverbrauch der wichtigsten Desktop-Umgebungen unter Linux getestet. KDE 3.5.2, GNOME 2.14.0, XFCE 4.2.2 und WindowMaker 0.92.0 mussten sich intensiven Messungen stellen. Die Ergebnisse fördern interessante Details darüber zutage, wie die aktuellen Umgebungen mit ihrem Speicher umgehen. Gnome schneidet nicht gut ab, doch auch KDE erweist sich noch immer als Speicherfresser. Lubos Lunak hat in der Vergangenheit bereits die Startgeschwindigkeit der Desktops untersucht.
Auch, wenn Lunak als KDE-Entwickler voreingenommen scheint, lohnt sich ein genauerer Blick auf die Zahlen. Lubos startete als Referenz ein reines X-Window-System mit einem X-Term und maß die Menge an benutztem Speicher: Satte 31 MByte verbrauchte das System bereits, ohne dass überhaupt eine Desktop-Umgebung im Spiel war. Im nächsten Schritt startete der KDE-Hacker mehrere Konfigurationen der getesteten Desktops und maß wieder die Anzahl an verbrauchtem Speicher. Insgesamt kamen so sieben verschiedene Szenarien zum Einsatz.
Im ersten Szenario startete Lunak ein noch recht schlankes System. Für KDE bedeutet das: der Desktop läuft, sowie einige wenige Applets. Für Gnome, XFCE und WindowMaker gilt ähnliches. Die folgenden Zahlen verdeutlichen recht gut den grundsätzlichen Verbrauch der Desktops (relativ zum reinen X-System):
- KDE: 29,1 MByte
- Gnome: 43,5 MByte
- XFCE: 16,6 MByte
- WM: 5,6 MByte
Speicherverbrauch von KDE, Gnome und XFCE in verschiedenen Einsatzszenarien.
Hier zeigt sich ein relativ hoher Grundverbrauch (z.B. für Bibliotheken) von KDE und Gnome. XFCE zeigt sich, wie auch in fast allen folgenden Test, schlank. In den nächsten Tests wurden dann weitere Szenarien mit mehr Applikationen durchgeführt. Die Rangfolge der Speicherfresser änderte sich dabei nicht: WMaker verbraucht am wenigsten, gefolgt von XFCE und KDE; Gnome ist der Spitzenreiter mit bis zu 25 MByte mehr als KDE. Richtig viel hatte der Rechner dann beim Laden von OpenOffice zu tun. Fast 200 MByte an Daten lagen danach im RAM.
In der Abbildung rechts sind die Ergebnisse noch einmal grafisch gegenüber gestellt. Es ist zu sehen, dass die Kurve für KDE recht flach verläuft, der Desktop also gut skaliert. Gnomes Hunger wächst da schon schneller, die Kurven verlaufen jedoch relativ ausgeglichen parallel zueinander. Der Ausschlag von XFCE beim Start von desktopeigenen Programmen liegt darin begründet, dass es selbige für XFCE nicht gibt und somit externe Applikationen ihren Dienst leisteten. Der Vorteil einer integrierten Umgebung wie Gnome oder KDE liegt hier auf der Hand. Alle Zahlen gibt es auf Lunaks Homepage.
Wie bei jedem Benchmark sind derartige Zahlen mit Vorsicht zu genießen, zumal Lunak als KDE-Entwickler nicht gerade neutral ist. Insgesamt zeigt sich jedoch: Sowohl KDE als auch Gnome haben noch eine Menge Spielraum für Verbesserungen offen.




