Wie der Bayerische Rundfunk berichtet, nahm sich der als Günter Dörr geborene Abmahn-Anwalt heute morgen mit einer Schusswaffe das Leben. Gravenreuth wurde in den 80er Jahren als Raubkopierer-Jäger im Auftrag diverser Spiele-Schmieden berühmt und berüchtigt. Seine Methoden waren immer umstritten, mit den bekannten Tanja-Briefen, in denen er vorgab, ein junges Mädchen zu sein, das gerne Spiele tauschen würde, ging er bei harmlosen Kleinanzeigen-Inserenten auf Fischzug, wer auf das Angebot einging, bekam postwendend eine Abmahnung. In den 90er Jahren verlegte sich Gravenreuth auf Markenrecht und vertrat unter anderem die umstrittene Firma Symicron im Markenrechts-Streit um die "Explorer"-Marke. Wiederum bediente sich von Gravenreuth ausgiebig des Mittels der Massenabmahnungen: Webseiten und Magazine, die teilweise freie Programme wie den "HFS Explorer oder "explore2fs" verlinkten oder auch nur erwähnten, sollten Tausende von Euro Abmahngebühren bezahlen.
Die Pfändung der TAZ-Domain wurde ihm schließlich zum Verhängnis: Gravenreuth mahnte die TAZ ab, weil er deren Newsletter ungefragt bekam. Nachdem die TAZ nach einer einstweiligen Verfügung angeblich nicht zahlte, ließ er deren Domain pfänden und bot sie zum Verkauf an. Wie eine Durchsuchung seines Büros nachwies, hatte die TAZ allerdings gezahlt, ein entsprechendes Fax bestätigte die Zahlung. Deshalb, und wegen früheren anderen Vergehen wie Urkundenfälschung und Veruntreuung, wurde Gravenreuth im September 2008 zu 14 Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt, in der Urteilsbegründung schrieb die Richterin, dass damit "die Allgemeinheit vor dem Verhalten des Angeklagten geschützt werden sollte".
Von Gravenreuth hätte wegen des Urteils seine Zulassung als Anwalt höchstwahrscheinlich verloren, ein entsprechendes Verfahren hatte die Oberstaatsanwaltschaft bereits eingeleitet. Er wählte statt Antritt der Haftstrafe lieber den Freitod.
Update: Wie Golem unter Bezugnahme auf ein CCC-Mitglied, welches die Abschiedsmail erhalten hat, berichtet, waren unter anderem "Finanzprobleme, die nicht ausgestandene Strafsache, der Verdacht auf Krebs - letztlich aber schwere Beziehungsprobleme und der Entzug seines sozialen Umfeldes [...] die Hintergründe"



