Lawrence Lessig über die Zukunft von Creative Commons

Lawrence Lessig über die Zukunft von Creative Commons

Britta Wülfing
20.12.2007

Zum fünften Geburtstag der gemeinnützigen Initiative Creative Commons gab ihr Gründer, der Juraprofessor Lawrence Lessig, einen Ausblick auf die Zukunftspläne.Die Creative Commons (CC) wurde an der Stanford Law School entwickelt, wo Lessig eine Professur hält. CC dient als Lizenz-Alternative zur üblichen US-amerikanischen Copyright-Praxis. Im Internet veröffentlicht die CC verschiedene Standard-Lizenzverträge, die Autoren für so unterschiedliche Werke wie Texte, Bilder oder Musik nutzen können. In seinem Blog berichtet Lessig über die Feier in San Francisco und fasst seine Rede zusammen.

Für den 15. Januar kündigt er die Beta-Version von "CC0" an. Die "Null" steht dabei für "Null Rechte", es soll also ein Protokoll für Werke sein, mit dem Autoren auf Rechte an ihren Werken verzichten können. Gleichzeitig hat die Unterabteilung für wissenschaftliche Werke, Science Commons, ein Protokoll für freie Daten (Open Access Data Protocol) veröffentlicht, in das CC0 integriert ist.

Ein weiterer Punkt auf seiner Tagesordnung war das Protokoll "CC+". Das "Plus" steht hierbei für eine zusätzliche rechtliche Vereinbarung zur Creative-Commons-Lizenz. Wie Lessig schreibt, soll diese Lizenz die Kontaktaufnahme mit dem Rechteinhaber erheblich vereinfachen. Mittels Durchklicken zeigt CC+ die Rechte, die hinter einem Objekt liegen. Als Beispiel nennt er ein im Internet veröffentlichtes Foto. Mit einem Mausklick kann man herausfinden, wo die Rechte liegen und per weiterem Klick soll der direkte Kontakt, beispielsweise zur Bildagentur, hergestellt werden. Als einen wichtigen Anwender dieser Technologie nennt er den Internetanbieter Yahoo, der CC+ für seine Dienste nutzen will. Als einen weiteren neuen Nutzer der Creative-Commons-Lizenzen erwähnt Lessig den Online-Fernsehsender Current TV, der CC für Zuschauer-produzierte Beiträge im Content-System nutzen will.

Speziell für den Behördeneinsatz will die Organisation künftig mit Public Resource zusammenarbeiten. Dieses Projekt hat sich zur Aufgabe gesetzt, im Internet Inhalte für Bildung, Forschung und Wissenschaft zu sammeln und veröffentlichen. Lessig sagt, er fühle sich vom Buchautor und Internetaktivisten Carl Malamud inspiriert und bezeichnet ihn als "Befreier" von Behördendokumenten und Rechtsdokumenten. Das gemeinsame Ziel beschreibt Lessig so: "Carl und ich haben uns verpflichtet, alle öffentliche Rechtsprechung bis Ende 2008 zu befreien." Er legt großen Wert darauf, dass dies keine Konkurrenz für bestehende freie Dienste sein soll. Vielmehr will er die Datenquellen für die Dienstleistungen beispielsweise der Universität Columbia oder Cornell zugänglich machen.

Zufrieden äußert sich Lessig über die aktuelle Finanzentwicklung: Das Jahresziel von 500.000 US-Dollar wurde nach seiner Aussage um knapp 40.000 US-Dollar übertroffen. Als Einzelspender nennt er Sun, Microsoft und den Verlagschef Tim O'Reilly. In einer weiteren Spendenrunde konnten von Geldgebern wie Google, Mozilla und Red hat weitere 500.000 US-Dollar gesichert werden. "Das heißt, wir haben die Kernfinanzierung für weitere fünf Jahre," so Lessig. "Zum ersten Mal in mehr als fünf Jahren konnte ich aufatmen."

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