Lawrence Lessig Superstar

Lawrence Lessig Superstar

Lawrence Lessig hält keine Vorträge – Lawrence Lessig tritt auf. Die Bühne für den Juraprofessor und Erfinder der Creative-Commons-Lizenz bot gestern Abend die Berliner Columbiahalle im Rahmen des Wizard-of-OS-Kongresses. Lessig, schwarzer Anzug, Headset, stand am rechten Bühnenrand und predigte zum Publikum. Synchron zum Vortrag rollte hinter ihm auf der Leinwand ein Film aus den wichtigsten Stichworten, Bildern und Videos ab. Das Publikum klatschte und johlte, als Lessig witzige Filme aus den Tiefen von YouTube und MySpace vorführte.

Die sollten seine Kernthese belegen: Die Read-Write-Kultur kehrt zurück. In der sind die Konsumenten von Kultur auch zugleich Produzenten. Grob vereinfacht argumentiert er, dass im 20. Jahrhundert eine restriktive Read-Only-Kultur entstand, in der die Konsumenten hörig und ohnmächtig am Tropf der Kulturproduzenten hingen. Und immer noch hängen. Mit den Werkzeugen des 21. Jahrhunderts können die Menschen Kultur wieder selbst produzieren und – unter anderem dank des Internets – aus bestehenden neue Werke schaffen.

Dieser Entwicklung im Wege stehen indes proprietäre Lizenzen, sagt Lessig. Sie verhindern, dass aus vorhandenen Texten, Songs und Videos neue Kunstwerke, neue Texte, Songs und Videos entstehen. Lessig zeigte, wie die Industrie die Produzenten der lustigen Videofilme mit Klagen überzog und kam damit zu seinem eigentlichen Anliegen: Der Creative-Commons-Lizenz. Diese ermöglicht es, die eigenen Werke zum Remixen oder zur privaten Nutzung freizugeben. Am Beispiel Brasiliens, in dem es seiner Auffassung nach die Read-Only-Phase nie gab, zeigte er im anschließenden Frageteil, wie Regierungen diese Entwicklung unterstützen und dass es eben andere als die heute praktizierten kommerziellen Modelle gibt. Ausdrücklich warnte in seinem Vortrag noch einmal vor den Gefahren von Digital-Rights-Management-Systemen, die einer Mehrheit von Nutzern die Möglichkeit nehmen, Kultur frei zu produzieren und zu konsumieren.

Sicherlich muss man Lessigs These nicht in allen Punkten folgen – gerade die Trennung zwischen dem 20. Jahrhundert (Read-only) und dem 21. Jahrhundert (Read-Write) erscheint willkürlich. Dem Publikum aber gefiel der Vortrag und Lessing – der Michael Moore der juristischen Wissenschaft – signierte im Anschluss noch sein Buch “Freie Kultur” und setzte dann seine Tournée fort.

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2 Kommentare
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Christian Stamitz
19 Jahre her

Lessig ist ein Entertainer, kein Wissenschaftler. Darüber muss man sich klar sein. Das Wesen der Wissenschaft ist, dass sie sich eben nicht mit sicheren agitatorischen Botschaften vermitteln lässt. Wissenschaft heisst mehr Fragen stellen als man beantworten kann. Die Welt da draussen ist sperrig und komplex, sie passt in keine motivierenden Predigten.

sylvergyrl
11 Jahre her

Herrn Lessig die Wissenschaftlichkeit abzusprechen bloß weil er in der Lage ist, sein Wissen dem Publikum entsprechend zu vermitteln ist unlogisch. Man muss nicht kompliziert sprechen oder sich ausdrücken, um komplexe Sachverhalte zu vermitteln.

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