WeTab: Unter die Haube geschaut

LInuxtag 2010: Details zum Linux-Tablet WeTab

LInuxtag 2010: Details zum Linux-Tablet WeTab

Daniel Kottmair
12.06.2010 Es existiert wirklich: Eines der Highlights des LinuxTag 2010 war die Präsentation eines voll funktionsfähigen WeTab-Exemplars.

Das in Deutschland entworfene, Linux-basierte Tablet WeTab behebt viele der Kritikpunkte an Apples iPad. Neofonie-Chef Helmut Hoffer von Ankershoffen traf sich nach der Präsentation mit uns zum Spontan-Interview und beantwortete brennende Fragen zu dem bald erhältlichen Gerät.

Hardware

Zuallererst sind die Spezifikationen des 800 Gramm leichten Flachmanns interessant: Ein Dualcore 1,66 Ghz Atom verspricht mehr Leistung als Netbooks, 1 GByte RAM reichen auch für speicheraufwändige Anwendungen. Zwei USB-Ports, 3,5-mm-Audio-Klinke und SDHC-Slot erlauben den Anschluss vierlerlei Peripherie, ein HDMI-Ausgang den Anschluss an den Fernseher (dank integriertem Videobeschleuniger spielt das WeTab Video in Auflösungen bis zu 1080p H.264).

Das WeTab und sein Schöpfer Helmut Hoffer von Ankershoffen.

Das WeTab hat ein 11,6-Zoll-16:9 Multitouch-Display (iPad: 4:3) mit HD-ready-Auflösung (1366x768), das im Gegensatz zum iPad ohne Beschnitt zwei A4-Seiten darstellt. Das Gehäuse des 295x195x15mm großen Geräts ist aus Magnesium und Aluminium, es integriert eine 1.3 Mpixel Webcam, einen Umgebungslicht- und Beschleunigungs-Sensor, Stereolautsprecher und ein internes Mikrofon. Intern gibt es neben WLAN nach N-Draft auch Bluetooth EDR 2.1, eine passende Tastatur bietet Neofonie genauso an wie ein Dock, das das Gerät lädt und dabei aufrecht hält.

3D-Grafik ist aufgrund der integrierten Intel-Chipsatzgrafik Neofonie zufolge nicht so gut wie bei Apples iPad, funktioniert aber immerhin: Ein normales Android bietet gar keine 3D-Beschleunigung. Laut dem Neofonie-Geschäftsführer hält der integrierte und nicht wechselbare Akku bei durchschnittlicher Nutzung (Online-Verbindung, Surfen, Fotos anschauen und Musik hören) rund sechs Stunden durch.

Das vorbestellbare Gerät ist im freien Handel ab August in zwei Versionen erhältlich, mit 3G/UMTS, GPS und 32 GByte integriertem Flash-Speicher für 569 Euro, ohne 3G, GPS und mit 16 GByte für 449 Euro.

Die Missglückte Präsentation damals, in der ein Prototyp durch eine Windows-Fehlermeldung verriet, dass nur ein Demovideo unter Windows 7 lief, war Hoffer von Ankershoffen zufolge Verzögerungen im Zoll zuzuschreiben: Man wollte der Presse das Gerät des gerade eingetroffenen Prototypen im finalen Design zeigen. Der nur hinter verschlossenen Türen demonstrierte und deutlich weniger schicke frühere Prototyp hatte jedoch das angepasste Linux installiert und war voll funktionsfähig.

Softwarefragen

Unser Interesse gilt natürlich auch stark der Software-Seite. Neofonie setzt fürs WeTab OS auf einen Standard-Linux-Kernel, auf dem Android läuft (momentan noch 2.0, bald das deutlich schnellere 2.2). Anwendungen arbeiten darauf ganz normal, zum verwendeten Paketmanager wollte Neofonie noch keine Angaben machen. Wer dynamische Widgets für seine Anwendungen entwickeln will, kann dies mit dem Ende Juli herauskommenden SDK tun, welches auf Javascript, DHTML und CSS basiert.

Der Browser des WeTab setzt auf Webkit als HTML-Engine.

Das Gerät beherrscht Flash und hat die Adobe Air Runtime, einen flotten Webkit-basierten Browser sowie Microsofts Silverlight installiert. Es unterstützt die meisten unter Linux lauffähigen USB-Geräte, neben USB-Massenspeichern erlaubt es dank CUPS auch den Anschluß von Druckern. Auch das Nutzen von TV-Sticks, Foto/Videokameras oder sonstiger Peripherie beherrscht das WeTab. Neofonie veröffentlicht zum Release-Termin eine Liste empfohlener Geräte, die sich zum Anschluß an das Tablet eignen. Den Verkauf eigener Zubehörhardware sieht das Unternehmen derzeit nicht vor.

Softwarequellen

Es wird neben dem WeTab App-Store, in dem Neofonie eigene Apps zum Download anbietet auch den WeTab Kiosk geben, in dem der Anwender eBooks und Magazine kaufen kann. Der deutsche Hersteller orientiert sich bei seinem Store-Konzept am Android-Modell, es gibt keine inhaltliche Selektion und keinen Screening-Prozess -- nur illegale Inhalte werden natürlich nicht zugelassen.

"Die erste Produktdemo war ein unglückliches Missverständnis."

Der Anwender kann im Experten-Modus mit Rootshell auch ohne Store beliebige Pakete direkt installieren, verliert dabei allerdings die Software-Garantie. Sollte das System mal durch zuviel Herumspielen zerschossen sein, lässt es sich ohne Computer direkt aus der WeTab-Cloud wiederherstellen, in der der User auf Wunsch auch seine persönlichen Dateien und Daten sichern kann. Die Macher betonen immer wieder, dass das Gerät so entwickelt wurde, dass es auch ohne Computer vollständig nutzbar ist -- dies ist ein Vorteil gegenüber dem iPad, das zur Synchronisation oder auch nur zum Medien-Upload an einen Computer angeschlossen werden muss. Für Verlage bietet Neofonie das WeMagazine an, eine eigene ePublishing-Toolchain, die Druckwerke direkt ins WePad-kompatible offene WMXML-Format übersetzt und das über sein Backend auch Schnittstellen für Abo-Management etc. bereitstellt.

Userinterface

Das Userinterface wirkt nicht so aufgeräumt wie bei Apple, kann aber durchaus durch einige Innovationen überzeugen. Sehr gut gefallen hat uns die Bedienung über die Daumen links und rechts im Breitbild-Modus, so wählt man beispielsweise mit dem linken Daumen in einem Dock die aktiven Anwendungen aus (das WeTab ist voll Multitasking-fähig), während der rechte Daumen-Bereich als Scrollwerkzeug fungiert. Im Gegensatz zu Android skalieren dank 3D-Beschleunigung die Fenster flüssig und ruckelfrei, die zähe Bedienung, die sich bei normalen Android-Installationen auf so großen Displays normalerweise zeigt, kennt das WeTab nicht.

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Kommentare
Hä?
Rover (unangemeldet), Freitag, 25. Februar 2011 22:20:36
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Man kann nicht Äpfel mit Computern vergleichen!
Günter (unangemeldet), Dienstag, 22. Juni 2010 12:51:29
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Re: Man kann nicht Äpfel mit Computern vergleichen!
Ullrich (unangemeldet), Samstag, 26. Juni 2010 22:48:52
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Gute Sache
DieterD (unangemeldet), Dienstag, 22. Juni 2010 12:11:08
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Hallo Mac-Community!
Daniel Kottmair, Sonntag, 13. Juni 2010 09:59:33
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Re: Hallo Mac-Community!
Apple-Schläger (unangemeldet), Sonntag, 13. Juni 2010 16:23:04
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Nicht dein Ernst!?
Johannes (unangemeldet), Samstag, 12. Juni 2010 23:02:44
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Re: Nicht dein Ernst!?
Paule (unangemeldet), Sonntag, 13. Juni 2010 01:34:29
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Flash und Linux
hanswurst (unangemeldet), Sonntag, 13. Juni 2010 19:15:17
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Mein Tip
Michael (unangemeldet), Samstag, 12. Juni 2010 22:26:41
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Voll funktionsfähig?
Paule (unangemeldet), Samstag, 12. Juni 2010 20:53:44
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Her damit!
Rainer (unangemeldet), Samstag, 12. Juni 2010 14:39:11
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Re: Her damit!
Hartmut (unangemeldet), Samstag, 12. Juni 2010 20:45:42
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Re: Her damit!
Malte Reckendrees (unangemeldet), Samstag, 12. Juni 2010 22:48:29
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Re: Her damit!
Knut (unangemeldet), Sonntag, 13. Juni 2010 13:37:28
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