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Kurztest: 150-Euro-Rechner bei One.de

14.11.2008

Brunen-IT bietet auf seiner Homepage ein Atom-Komplettsystem mit 1 GByte RAM, 80-GByte-Festplatte und DVD-Laufwerk für 150 Euro an. Die Linux-Community hat sich den günstigen Atom-Rechner angeschaut.

Beim Stichwort Atom-Prozessor denken die meisten Computernutzer an Netbooks, die kleinen Mini-Notebooks. Seit ein paar Wochen bieten jedoch einzelne Hersteller jetzt auch Desktop-Systeme mit Atom-Prozessor an, so genannte Nettops. Unter diesen Anbietern befindet sich auch Brunen IT, die Firma hinter One.de. Den Desktop-Rechner im Midi-Tower gibt es wahlweise ohne Betriebssystem mit DVD-ROM-Laufwerk und 80-GByte-Festplatte für die erwähnten 150 Euro. Alternativ bietet One.de das System auch mit einem DVD-Brenner, 160-GByte-Festplatte und vorinstalliertem Ubuntu 8.04 zum Verkauf. Für die Ubuntu-Variante verlangt Brunen IT 170 Euro.

Berühmt und berüchtigt
Der Atom-Prozessor ist berühmt für seine sehr guten Stromsparfunktionen und berüchtigt für seine relativ schwache Performance. Während in den Netbooks die Atom-Variante N270 mit einer maximaler Leistungsaufnahme von 2,5 Watt zum Einsatz kommt, befindet sich im Brunen-Rechner die 230-er Variante. Dabei handelt es sich um eine 64-Bit-fähige CPU mit einer maximalen Leistungsaufnahme von 4 Watt.

In unseren Tests verbrauchte das Komplettsystem jedoch zwischen 40 und 50 Watt. Schuld am hohen Verbrauch sind der für Nettops benutzte Intel-Chipsatz 945GZ/GC und die 3,5-Zoll SATA-Festplatte. Der Intel-Chipsatz verbrät maximal 22 Watt, die Excelstore Festplatte J8160S (chinesische Version der Hitachi Deskstar 7K160) zwischen 6 und 8 Watt. Der Atom 230 unterstützt zudem kein Speedstepping, arbeitet somit permanent mit 1,6 GHz und kommt um eine aktive Kühlung nicht herum.

Obwohl das System im Vergleich zu einem Netbook vier mal mehr Strom verbraucht, bringt es nur unwesentlich mehr Leistung. Dies liegt in erster Linie daran, dass 32-Bit-Betriebssysteme die Performance der 64-Bit-CPU nicht ausnutzen. Zudem sind nicht alle Programme auf die Hyperthreading-Möglichkeiten der Atom-CPU optimiert: Während oggenc unter einem 32-Bit-Linux mit nur fünffacher Geschwindigkeit WAV-Dateien ins OGG-Vorbis-Format umwandelt, bringt es die gleiche CPU mit einem 64-Bit-Linux immerhin auf den Faktor 7,3x. Erstaunt waren wir auch über die Möglichkeiten des Hyperthreadings. Anscheinend bietet der GCC unter Linux zurzeit keine entsprechende Optimierungsmöglichkeiten für den Atom. Wir kompilierten deshalb libogg, libvorbis und vorbis-tools mit dem Intel C-Compiler icc. Das per ICC erzeugte oggenc kodierte auf 32-Bit-Systemen in 6,2-facher Geschwindigkeit. Auf eine komplette CD bezogen bedeutet dies: 9 statt 12 Minuten. Messungen mit ICC auf der 64-Bit-Architektur konnten wir keine Vornehmen, da der Intel Compiler sich jeweils mit einem internen Fehler verabschiedete.

Performance-Vergleich mit oggenc:

  Atom N270  Atom 230
32-Bit gcc 5 x   5 x
64-Bit gcc nicht verfügbar  7,3 x
32-Bit icc 6,2 x   6,2 x
64 Bit icc nicht verfügbar  internal error

Schwachpunkte
Es lohnt sich somit, aus Performance-Gründen die 64-Bit-Version des Lieblingsbetriebssystems aufzuspielen. Vorinstalliert ist beim Brunen-Rechner allerdings die 32-Bit-Variante. Die Leistung des Atom-Rechners reicht für die DVD-Wiedergabe, ein Playback von HD-Inhalten ist mit den vorinstallierten Programmen nicht flüssig möglich. Ebenfalls nicht gefallen hat in den Tests der etwas laute CPU-Lüfter. Wer den Rechner als Wohnzimmer-PC nutzen möchte, sollte ihn gleich ersetzen, da der kleine Fan die einzig laute Lärmquelle ist: Festplatte und Netzteil arbeiten angenehm leise. Über den etwas überdimensionierten Tower kann man sich streiten: er bietet in jedem Fall genug Platz für Erweiterungen, auch wenn das verbaute Asus-Board (IPXPL-M8) nur einen einzigen PCI-Slot als Erweiterungsmöglichkeit mitbringt. Als Grafikausgang steht nur einen VGA-Anschluss zur Verfügung, dafür gibt es einen Parallelport und eine serielle Schnittstelle.

Fazit
Für 150 beziehungsweise 170 Euro (mit Ubuntu) kann man den Brunen-Rechner getrost als Schnäppchen bezeichnen. Der Rechner ist zwar nicht besonders stromsparend und auch nicht sehr leistungsfähig, dafür spottbillig. Die Installation von Ubuntu bereitet auf dem Atom-System keine Schwierigkeiten, das Powermanagement (Suspend-to-RAM) funktioniert dank Intel-Grafik auch ohne Frikelei.

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Kommentare
Re: Kurztest: 150-Euro-Rechner bei One.de
Marcel Hilzinger, Mittwoch, 19. November 2008 10:02:29
Ein/Ausklappen

Beim Duchblättern des aktuellen LinuxUsers ist mir gerade noch aufgefallen, dass One.de den Rechner als passiv gekühlt bewirbt. Das stimmt natürlich nicht. Wie im Artikel erwähnt sitzt auf dem CPU-Kühler ein ziemlich nerviger Ventillator.




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Infos zum Autor

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger arbeitet als Redakteur für die Zeitschriften LinuxUser und EasyLinux. Am liebsten schreibt er Artikel zu netten Gadgets oder Multimedia-Software. In seiner Freizeit spielt er gerne Kicker.

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