Ist MySQL 5.1 noch Beta-Software?

Ist MySQL 5.1 noch Beta-Software?

MySQL-Gründer schimpft: MySQL 5.1 ist nicht ausgereift

Britta Wülfing
01.12.2008 Der MySQL-Gründer Michael "Monty" Widenius warnt in seinem Blog davor, die aktuelle Version 5.1 der populären Datenbank in produktiven Umgebungen einzusetzen. Er kritisiert die aktuelle Freigabepolitik und befürchtet, dass die technische Qualität unter Gesichtspunkten leidet, die von Verkaufsstrategen bestimmt werden.

Eine Vogel-Strauss-Statue mit dem Kopf im Sand hat der MySQL-Gründer Monty Widenius als Illustration für seinen Blog-Eintrag mit der Überschrift "Ooops, we did it again" gewählt. Die Statue selbst wurde als Geschenk für die MySQL-6.0-Manager gekauft als Symbol für die Vorgehensweise bei der Release-Planung. Er bezeichnet das System als nicht ausgereift und listet eine Reihe von Fehlern auf, die in der neuen Version nicht behoben wurden. Die Schuld daran gibt er allerdings nicht den Entwicklern, sondern dem Management: "Auch ein hervorragendes Team kann nicht arbeiten, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen." Bereits die Freigabe der Version 5.1 für den Beta-Test kam seiner Meinung nach zu früh und war mit den Entwicklern nicht abgestimmt. Weil die verantwortlichen MySQL-Manager damit den Kreis der Nutzer zu früh erweitert hätten, hätten die Entwickler nicht genügend Zeit für ihre eigentliche Arbeit: "MySQL-Entwickler sind seit Februar 2006 nicht mehr dazu gekommen, irgendwelche größeren Änderungen am Quellcode zu machen", schreibt Widenius.

Ein weiterer Kritikpunkt des Entwicklers betrifft unterschiedliche Prioritäten von Technikern und Marketing-Verantwortlichen, der vielen bekannt vorkommen dürfte: Er kritisiert, dass bei MySQL derzeit weniger die Software-Qualität die tägliche Arbeit bestimmt, sondern die Release-Zyklen vielmehr durch strikte Zeitpläne bestimmt werden, und zusätzliche neue Funktionalitäten wichtiger wären als Fehlerbehebung. Er ärgert sich über Mårten Mickos, betriebswirtschaftlich verantwortlich für MySQL bei Sun Microsystems, und wirft ihm vor: "Mårten's Gründe (...) sind, dass er etwas braucht, was er verkaufen kann, und eine Version, die als 'GA' bezeichnet wird, ist einfacher zu verkaufen als eine mit 'RC'." GA steht hierbei als Abkürzung für "General Availability", also die freigegebene Version, RC bezeichnet die Vorversion, also einen Release Candidat.

Widenius untermauert seine These und nennt für die Version 5.1 mindestens zwanzig "bekannte und markierte" Fehler, die einen Systemabsturz und falsche Ergebnisse zur Folge haben. Außerdem gäbe es 180 "ernsthafte Bugs" sowie 300 weitere weniger kritische Fehler. Einige hiervon sind nach seiner Darstellung auch auf den MySQL-Seiten aufgelistet, auf die er in seinem Eintrag verlinkt. Widenius führt auch zahlreiche konkrete Beispiele an, so zum Beispiel den Fehler mit der Nummer 989, der bereits seit August 2003 bekannt und öffentlich diskutiert sei. Auch die Qualität der neuen Funktionalitäten in MySQL 5.1 findet keine Gnade vor seinen Augen. Er meint, diese wären nicht wirklich aus dem Beta-Status heraus und bedürften noch ausführlicher Tests. Dies belegt er beispielsweise so: "Wenn es zu einem Server-Crash kommt, während 'ALTER TABLE' einer partitionierten Tabelle, könnten sämtliche Daten dieser Tabelle verlorengehen." Er schreibt weiter, dass für die neuen Möglichkeiten zur Partitionierung weitere zwanzig Fehler bekannt wären. Zudem sei diese sehr langsam und bei einer großen Zahl von Partitionen nahezu "unbenutzbar". Auch die neu integrierte reihenbasierte Replikation ist nach Meinung von Widenius nicht ausgereift.

Der MySQL-Entwickler bezeichnet seine Aufzählung als Kurzversion: "Man beachte, dass dies nur eine kurze Liste bekannter Fehler war, um meine Standpunkt zu belegen. Die echte Liste mit schwerwiegenden Fehlern ist wesentlich länger." Für die Probleme mit verantwortlich hält er außer den strategischen Überlegungen auch Personalfragen: Unter anderem mache es MySQL zu schaffen, dass einige der Kern-Entwickler das Unternehmen verlassen hätten, und der Nachwuchs hätte noch nicht ausreichend Erfahrung für die Fehlerbehebung.

Wer nun einen Zusammenhang zwischen der Akquisition von MySQL durch Sun Microsystems im Februar und dem Strategiewechsel vermutet, den korrigiert Widenius in seinen Ausführungen: "Die Entscheidung für eine GA-Veröffentlichung wurde einzig und allein vom MySQL-Management innerhalb Sun getroffen." Er hofft vielmehr auf eine Reorganisation durch Sun und appelliert an das Unternehmen, bei der Entwicklung einzugreifen und der Community wieder mehr Verantwortung zu übertragen.

Neueinsteigern hingegen empfiehlt der Entwickler den Einsatz von MySQL 5.1 uneingeschränkt: "Die ist auf jeden Fall besser als die MySQL Community-Version 5.0, denn diese wurde schon seit einer ganzen Zeit nicht aktualisiert." Alle Anwender bittet er um ausführliche Fehlerberichte und wünscht ihnen Glück: "Installiert und testet MySQL 5.1. Wenn es funktioniert, schätzt euch glücklich. Wenn nicht, berichtet über Fehler auf http://bugs.mysql.com/."

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