Erst im Oktober 2007 hatte Google Jaiku gekauft, nun trennt sich der Konzern von der Firma und gibt den Quellcode frei. Auch Google will offenbar sparen und hat Einschnitte vorgenommen: So wurden Entwickler und Personalverwalter entlassen, Niederlassungen geschlossen und Projekte eingestellt oder - wie im Fall von Jaiku - in die Wildnis entlassen.
Ursprünglich sollte Jaiku Twitter und dessen Open-Source-Pendant Identi.ca Konkurrenz machen. Doch nachdem Google den Code auf seine App-Engine-Plattform portiert hat und sich nun nicht mehr offiziell um die Weiterentwicklung von Jaiku kümmert, sieht die Zukunft - trotz offenen Quellcodes - nicht allzu rosig aus. Zwar wollen laut Pressemitteilung einige Google-Angestellten Jaiku freiwillig weiterhin betreuen, aber viele Anwender wechseln vermutlich schnell zu Twitter und Identi.ca.
Twitter ist nach wie vor deutlich der Marktführer des Microblogging, aber Identi.ca, das auf dem offenen Microblogging-Server Laconica basiert, holt allmählich auf. Momentan darf sich die Firma Control Yourself, die Identi.ca betreibt, trotz Krise über eine kräftige Finanzspritze im sechsstelligen Bereich freuen.
Ob der Dienst damit überlebt, bleibt abzuwarten, denn noch weiß niemand so recht, wie mit Microblogging Geld zu verdienen ist. Twitter will in diesem Jahr erstmals ein Geschäftsmodell vorstellen, Identi.ca hofft auf Einnahmen durch individuelle Implementierungen der Software im Firmenumfeld.
Um Werbung müssen sich die Microblogging-Systeme momentan keinen Kopf machen: Zu jedem weltpolitischen Ereignis erscheint zur Zeit ein Artikel, der die Rolle von Twitter und Co. als unabhängige Kommunikationskanäle beleuchtet. So sieht Spiegel Online heute schon dank Twitter den Bürgerjournalismus kommen.



