Google Chrome: Ein neuer Browser betritt das Feld

Google Chrome: Ein neuer Browser betritt das Feld

Daniel Kottmair
02.09.2008

Scheinbar etwas verfrüht erreichte den Betreiber des Google beobachtenden Blogs "Google Blogoscoped" am Montag Morgen ein Päckchen von Google. Inhalt: Ein Comicbuch, in dem Google auf 38 Seiten äußerst detailliert und nett gezeichnet schon ihren neuen Browser "Chrome" vorstellt.

Sowohl in Hinblick auf die technische Grundkonzeption (Stabilität, Sicherheit und Effizienz) als auch durch viele neue Ansätze zur Verbesserung der Usability hört sich Chrome äußerst vielversprechend an. Und um dem I das Tüpfelchen zu verpassen opensourced Google das gesamte Projekt - erwähnt jedoch nicht unter welcher Lizenz.

Als Rendering-Engine greift Google wie schon bei Android begonnen auf das Apple/KHTML Webkit zurück, da die Entwickler die Geschwindigkeit und die einfache Verständlichkeit überzeugt hat. Für Javascript hat Google in Dänemark eigens die sogenannte V8-Engine entwickeln lassen, welche neue Maßstäbe in Geschwindigkeit sezten soll, beispielsweise durch Kompilierung des Javascript-Codes in Maschinencode. Chrome gibt jedem Tab und jedem Plugin einen eigenen Prozess, was viele Vorteile hat: So kann eine Webseite nicht den gesamten Browser zum Absturz bringen sondern nur maximal das eigene Tab. Außerdem kann Speicher effzienter genutzt werden, da beim Schließen eines Tabs keine Fragmente der Webseite im Speicher verbleiben. Zu guter Letzt nutzt dieser Ansatz auch moderne Mehrkern-CPUs deutlich besser aus.

Sicherheit erreicht Google durch Verfrachten der Prozesse in Sandboxes, die keinen Lese- oder Schreibzugriff auf irgendetwas außerhalb ihres Speicherbereichs haben. Einzige Ausnahme sind Plugins, da diese sogar teilweise höhere Rechte als der Browser selbst haben. Hier will Google mit den Plugin- Entwicklern arbeiten um die Plugins mit weniger Rechten lauffähig zu machen. Das Hereinfallen argloser User auf Malware und Phishing will Google mit einer ständig automatisch aktualisierten Blacklist verhindern, diese API stellt Google ebenfalls zur freien Verfügung für andere interessierte Browserhersteller.

Auch in Sachen Usability hat sich Google einiges einfallen lassen: Besonders gefällt der Ansatz um mit Popups fertigzuwerden. Popups sind keine eigenen Fenster, sondern immer nur auf dem Tab, der sie erzeugt hat. Auf Wunsch kann der User jedoch ein Popup aus seinem Tab herausziehen und ihm so ein eigenes Fenster geben. Neu geöffnete Seiten bestückt Google automatisch mit den neun am häufigsten besuchten Seiten und Suchfeldern der meistgenutzten Searchengines. Tabs lassen sich inklusive Inhalt beliebig in mehreren Fenstern arrgangieren, die URL-Zeile (bei Google "Omnibar" genannt) bietet eine neue nicht aufdringliche Auto-Vervollständigung und erlaubt sogar die Suche auf besuchten Webseiten durch automatisches Merken von Suchfeldern.

Google Gears werkelt hinter den Kulissen und soll für Entwickler die Herstellung von Web-Apps dramatisch erleichtern. Auch Gears sähe Google gerne in anderen Browsern und gibt die API frei.

Das offizielle Google- Blog tritt die Flucht nach vorne an und gibt etwas mehr Informationen. So soll schon heute die Chrome Beta für Windows veröffentlicht werden, an der Fertigstellung der Linux- und Mac-Versionen arbeiten die Suchmaschinenexperten laut eigenen Aussagen hart. Das Ziel von Chrome ist ganz klar den Browser und damit das Web zur neuen Massen-Anwendungsplattform zu machen, daraus macht Google keinen Hehl - Genau aus Angst davor schmiedete ein gewisser Bill Gates vor rund 10 Jahren Pläne, um Netscape zu vernichten...

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