Gnome-Konferenz Guadec 2010 in Den Haag eröffnet

Gnome-Konferenz Guadec 2010 in Den Haag eröffnet

"New Code, Old Culture"

Mathias Huber
28.07.2010
Im niederländischen Den Haag hat heute mit dem dreitägigen Vortragsprogramm das Kernstück der Gnome-Konferenz Guadec begonnen. In seinem einführenden Vortrag rief Gnome-Beirat Luis Villa die Teilnehmer auf, die freie Desktop-Umgebung mit dem Web zu vereinen.

Dazu machte er einen Rückgriff auf die erste Guadec, die im Jahr 2000 in Paris stattfand. Damals legten die Teilnehmer den Grundstein für eine eigenständige Community, die ihren Firmensponsoren auf Augenhöhe begegnen könne, erzählte Villa. Deren Fundamente seien Anwenderorientierung, die Hacker-Kultur des Problemlösens und die Liebe zur Freiheit, die Gnome mit Richard Stallmann und der Free Software Foundation teile. Software sei lediglich ein Mittel, um diese übergeordneten Ziele zu verwirklichen.

Das Gnome-Banner macht Werbung für die Guadec 2010 in den Hörsälen der Universität Den Haag.

Wie weit ist die Verwirklichung 2010 gekommen? Nun griff Luis Villa, Ex-Programmierer und mittlerweile studierter Jurist, in die rhetorische Trickkiste: "Welche Plattform läuft weltweit auf allen Computern und sogar auf Telefonen? Mit freien Standards und vielen freien Implementierungen?" fragte er, und meinte selbstverständlich das Web. Der derzeit bei der Mozilla Corporation angestellte Villa betont allerdings, dass er für die Guadec Urlaub genommen hat und nicht für Mozilla spricht, sondern aus persönlicher langer Verbundenheit mit Gnome.

Gleichwohl listete er die Erfolgsfaktoren des Web auf: Es stürzt praktisch nie ab, wird von Dienstleistern gepflegt, ist überall verfügbar und kostet meist nichts. Dabei hätten sich im Web Ideen durchgesetzt, die auch Gnome hatte: Die Webanwendungen buhlen um die Gunst der User, viele Komponenten sind freie Software, und es gibt zwar keine komplette Wahlfreiheit, aber doch viele Anbieter.

Wenn Gnome seinen Zielen treu bleiben wolle, müsse es die Welt der Webanwendungen mit offenen Armen willkommen heißen und zum Teil seiner Kultur machen, fuhr Villa fort. Bereits jetzt sei die beliebteste Desktop-Anwendung der Web-Browser. Gnome sollte die Stärken des Web erkennen und sich einverleiben.

Das bedeutet für Luis Villa einen Paradigmenwechsel: Webobjekte müssen gleichberechtigt neben lokalen Dateien stehen, so lässt sich beispielsweise der Dienst Flickr als Quelle für Hintergrundbilder nutzen oder Amazon als MP3-Shop für den Musikplayer. Es gelte, auf neuen Wegen nach den alten Zielen zu streben. Etwas provokant forderte Villa, neue Anwendungen nicht mehr auf Gtk-Basis, sondern in HTML und Javascript zu entwickeln. "New Code, Old Culture" formulierte er als Motto für die nächsten drei Tage, an denen sich die Gnome-Entwickler zu Vorträgen und Arbeitssitzungen treffen.

Für alle Daheimgebliebenen gibt es Videostreams aus den drei Hörsälen der Konferenz. Dabei kommt allerdings der relativ neue Open-Source-Codec Web-M zum Einsatz, was einen passenden Browser oder Videoplayer erforderlich macht.

Ähnliche Artikel

Kommentare

Aktuelle Fragen

WLan mit altem Notebook funktioniert nicht mehr
Stefan Jahn, 22.08.2017 15:13, 0 Antworten
Ich habe ein altes Compaq-6710b Notebook mit Linux Mint Sonya bei dem WLan neulich noch funktioni...
Würde gerne openstreetmap.de im Tor-Browser benutzen, oder zu gefährlich?
Wimpy *, 21.08.2017 13:24, 2 Antworten
Im Tor-Netzwerk (Tor-Browser) kann ich https://www.openstreetmap.de/karte.html# nicht nutzen....
Samsung VG-KBD1500 - Bluetooth-Tastatur mit Touchpad mit Xubuntu 16.04.2 LTS
Linux- & BSD-UserGroup im Weserbergland, 16.08.2017 19:16, 0 Antworten
Bin grad mit "meinem Latein am Ende" darum hier mal so in den Raum geworfen. Samsung VG-KBD1500 -...
Tails verbindet nicht mit WLan
Georg Vogel, 30.07.2017 15:06, 5 Antworten
Hallo zusammen! Habe mir von Linux Mint aus einen Tails USB-Stick erstellt. Läuft soweit gut,...
Genivi for Raspberry Pi 3
Sebastian Ortmanns, 28.07.2017 10:37, 1 Antworten
I try to build a Genivi Development Platform for Rasberry Pi 3. But I always get the failures bel...