Das Linux-Auto

Genivi bringt Open Source ins Auto

Genivi bringt Open Source ins Auto

Marcel Hilzinger und Britta Wülfing
05.03.2009 Wer in naher Zukunft einen BMW, Peugeot oder Citroën kauft, hat gute Chancen, dass sich hinter der Mittelkonsole ein kleiner Linux-Computer verbirgt.

Seit 2006 arbeitet BMW mit Intel zusammen an einer Open-Source-Lösung für Multimedia-Geräte in Automobilen, das so genannte In-Vehicle-Infotainment. Heute hat Graham Smethurst, General Manager für Infotainment und Communication Systems bei BMW nun die neue Open-Source-Entwicklungsplattform der Automobilindustrie auf dem Open-Source-Forum der Cebit offiziell vorgestellt. Unter dem Namen Genivi wollen die Gründungsmitglieder BMW, Delphi, General Motors Corp., Intel, Magneti Marelli, PSA Peugeot Citroën, Visteon Corp. und Wind River gemeinsam Infotainment-Software auf Linux-Basis entwickeln.

Das gemeinsame Ziel der Partner aus der Automobilbranche, IT-Unternehmen und Unterhaltungselektronik-Herstellern besteht neben der gemeinsam verwalteten Codebasis darin, die Kosten für die Entwicklung und Tests zu senken und schneller auf dem Markt zu sein. Treibende Kraft hinter der Allianz sind die Software-Entwickler bei BMW. Sie arbeiten seit längerem gemeinsam mit Embedded-Linux-Anbieter Wind River an Unterhaltungselektronik-Software für die Fahrzeuge auf Basis Freier Software.

Die Kooperation mit anderen Unternehmen im Genivi-Projekt stand seit langem weit oben auf der Wunschliste des bayerischen Autobauers. Auf dem Open Source Forum der Cebit haben sich heute die beteiligten Firmen, sonst Wettbewerber, gemeinsam als Vertreter der Genivi-Allianz im Podium in Halle 6 vorgestellt und die Fragen des Publikums beantwortet.

Smethurst freut sich über den gelungenen Zusammenschluss, denn für ihn stehen die Vorteile der gemeinsamen Entwicklung a la Open Source seit langem fest: "Genivi wird den traditionellen Ansatz proprietärer Lösungen überwinden und ein in diesem Bereich noch nicht gesehenes Maß an Kreativität hervorbringen". Er ist vom Erfolg überzeugt: "Die Zusammenarbeit auf einer gemeinsamen Referenz-Plattform und Systemarchitektur wird den Genivi-Mitgliedern eine Konzentration auf Entwicklung und Integration innovativer Funktionen ermöglichen." Auch der Vertreter von General Motors zeigt sich optimistisch: "Eine gemeinsame Referenz-Plattform ist in der gesamten Branche entscheidend für den Erfolg von innovativen und anspruchsvollen automobilen Entertainment-Anwendungen", so Hans-Georg Frischkorn, Geschäftsführer Global Electrical Systems, Controls und Software bei GM.

Unter der Bezeichnung Genivi will das Industriekonsortium eine gemeinsame Hardware- und Software-Architektur entwickeln, von der OEMs, Tier-I- und andere Zulieferer profitieren können. Zu den Bestandteilen der Genivi-Plattform gehören Linux-basierte Dienste, Middleware und offene Application-Layer-Interfaces. Geht es nach den Vorstellungen der Gründungsmitglieder, wird die Open-Source-Plattform die erste Anlaufstelle und Basis für Automobilhersteller und ihre Zulieferer. Diese sollen dann zu Genivi beitragen und die Plattform mit ihren jeweiligen Produkten und Diensten erweitern und ausbauen.

Smethurst und seine Kollegen sind vom Nutzen überzeugt: Schnellere Entwicklung und dramatisch sinkende Entwicklungkosten zählen sie zu den Hauptargumenten für ihr Vorhaben. Gleichzeitig wollen die Partner Abhängigkeiten von den Herstellern proprietärer Lösungen abschütteln. Den Mitgliedern der Allianz steht der Sourcecode bereits jetzt frei zur Verfügung, die Community muss noch etwas Geduld aufbringen: Die erste Version der Plattform verspricht Graham Smethurst für den Sommer 2009. Sie soll auf einem Automotive-Prototyp mit Wind River Linux basieren, der seit achtzehn Monaten entwickelt und geprüft wird. Der Code wird noch gehärtet und dann als Open Source veröffentlicht.

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Kommentare
Patentsituation alla TomTom Klage von MS
Ulf B., Freitag, 06. März 2009 00:02:21
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Interessant sieht es mit der Patentsituation für solche Produkte aus. Insbesondere MS hat ja einige Patente zu diesem Thema in der Hand. So wie z.B. Patent Nr.: 6,175,789 (Vehicle computer system with open platform architecture) welches in der klage gegen TomTom verwendet wird (siehe auch die direkt verlinkten Patente im Heise Newsticker:
http://www.heise.de/newstic...entverletzung--/meldung/133552
). Denn diese Patente sollen offensichtlich MS dazu dienen (es wird ja direkt auf eine "offene Plattform" verwiesen) MS auch Geld in die Kassen zu bringen, wenn kein MS OS verwendet wird. Da gibt es bestimmt noch eine ganze Tonne von solchen oder ähnlichen Patenten.

PS: Auch wenn ich der Meinung bin, dass bei den meisten der von TomTom genannten Patenten nichtig sind, da es vorher schon Implementierungen dazu gab.

Ciao
Ulf


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Re: Patentsituation alla TomTom Klage von MS
max (unangemeldet), Freitag, 06. März 2009 09:50:49
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Mit Navi hat das nichts zu tun. Es geht rein um Multimedia-Inhalte und Internetanbindung. Und dass das FAT-Patent nicht mehr gültig ist, wissen inzwischen außer MS auch alle...


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