GNU-Gründer Stallman in Berlin

GNU-Gründer Stallman in Berlin

Jan Rähm
19.02.2008

Richard M. Stallman, Mit-Begründer des GNU-Projekts und erster Präsident der Free Software Foundation, hat auf seiner mehrtägigen Deutschlandreise Halt in Berlin gemacht. Vor über 100 Zuhörern sprach der Verfechter der vier Freiheiten von Software gestern über GNU, über Linux und GNU/Linux. Sein Besuch in Berlin lockte weit über 100 Gäste ins Atrium des Media Centre in der Berliner Mitte. Eingeladen hatte der Newthinking Store.

Stallman spricht grundsätzlich von "GNU slash Linux" und erläutert, es handle sich eigentlich um GNU mit einem Kernel, nicht etwa dem Kernel. Und dieses GNU verkörpere die vier Freiheiten: Die Freiheit, das Programm für jeden Zweck auszuführen. Die Freiheit, die Funktionsweise eines Programms zu untersuchen, und es an seine Bedürfnisse anzupassen. Die Freiheit, Kopien weiterzugeben und damit seinen Mitmenschen zu helfen. Und – nicht zuletzt - die Freiheit, ein Programm zu verbessern, und die Verbesserungen an die Öffentlichkeit weiterzugeben, sodass die gesamte Gesellschaft profitiert.

Richard Stallman hält in Berlin einen Vortrag zu GNU/Linux.

In etwas mehr als zwei Stunden ging er sehr ausführlich auf die Geschichte und die Philosophie freier Software ein. Stallman beharrte in seinem Vortrag auf dem Begriff "Freie Software". Er machte dies nicht nur durch umfangreichen Gebrauch der beiden Wörter deutlich, sondern stellt auch klar, welchen Unterschied er zwischen freier Software und Open Source Software sieht. Freie Software erfülle alle Anforderungen der vier Freiheiten. Dagegen sei bei Open Source Software zwar der Code frei einsehbar, frei sei die Software deswegen noch lange nicht.

Dieser Ansatz zieht sich durch den gesamten Vortrag, in dem nebenbei auch die Vereinigten Staaten von Amerika - Zitat: "Be glad not to live in the Unites States" - und deren Präsident George W. Bush Kritik abbekommen. Auch bekannte Größen der IT-Branche strafte er verbal ab. So ging er während seines Vortrags auf Microsoft-Gründer Bill Gates und Apple-Chef Steve Jobs ein. Aber auch Linus Torvalds und der Linux-Kernel mussten Kritik einstecken. Stallman sagte, auch der Kernel enthalte nicht freie Bestandteile. Torvalds persönlich bezeichnete der GNU-Gründer als "einen Studenten, der einen Kernel geschrieben hat". Stallman wirft Torvalds vor, nicht für freie Software einzustehen sondern vielmehr den Spaß am Programmieren im Vordergrund zu sehen.

Die Ausführung Stallmans bekamen an Stellen, die ihm sehr am Herzen lagen, fast den Charakter einer Predigt. Das gemeinsam gesungene Lied am Ende verstärkte diesen Eindruck. Der GNU-Gründer stimmte den Free Software Song an.

Am Ende blieb der Eindruck, dass Richard Stallman fest hinter der Idee freier Software steht. Noch immer gibt er alles, um sein Auditorium von der Idee und den Idealen freier Software zu überzeugen - auch wenn er dabei ab und zu wie ein Prediger wirkt.

Nach seinem gestrigen Besuch in Berlin besteht heute und morgen in Jena die Chance Stallman live zu erleben. Dorthin hat ihn die Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen und die Gesellschaft für Informatik eingeladen. Seine Vorträge finden am heutigen Dienstag, 19. Februar, ab 18 Uhr im Hörsaal 3 der Universität am Ernst-Abbe-Platz in Jena sowie am Mittwoch den 20. Februar ab 11 Uhr in der 29. Etage des Jentower statt.

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